Driburg

Geschichte Im Dienst der Stadt und des Erzbischofs von Köln nahmen die aus Siersdorf bei Jülich stammenden Francken im 17. Jh. einen steilen Aufstieg. Im 18. Jh. stellte die 1700 unter dem Namen von Sierstorpff geadelte Familie zwei Kanzler des Hochstifts Hildesheim und erwarb dort umfangreichen Lehnsbesitz. 1779 erwarb Caspar Heinrich von Sierstorpff von den von der Lippe das Rittergut Driburg, pachtete 1781/1782 das Bad Driburg und richtete dort einen Kurbetrieb ein.

1826 kaufte er vom Grafen von Bocholtz das  Klostergut Gehrden. Beide Güter wurden 1829 zu einem Fideikommiss mit der Maßgabe vereinigt, dass bei Fehlen von männlicher Nachkommenschaft der jeweilige Inhaber den Namen Sierstorpff zu führen habe. Dies war noch im 19. Jh. mit Aschwin von Cramm, der 1872 Caspar Heinrichs Enkelin Hedwig heiratete, und mit Wilhelm Karl Ludwig Graf von Oeynhausen, der sich 1896 mit deren Tochter Hedwig vermählte, gleich zweimal der Fall. Über letzteren gelangten auch Unterlagen über die Familie von Oeynhausen und das Gut Himmighausen in das Archiv.
Benutzungsort LWL-Archivamt für Westfalen
Eigentümer/in Graf von Oeynhausen-Sierstorpff
Bestand
Gehrden, Kloster, Urkunden Regestenliste | Suche im Bestand
Bestandsignatur Dri.Geh.Kl.Uk
Findbuch Dri.Geh.Kl.Uk
Umfang 76 Urkunden und Urkundenabschriften.
Laufzeit 1136-1783
Inhalt Güter und Rechte des Klosters; das Lehen zu Bevern; Flecken Gehrden; Gemeinde Dalhausen; Kirchen zu Gehrden und Dalhausen; Besitz des Klosters zu Brakel, Hampenhausen, Natingen, Nieheim, Niesen, Siddessen; Zehnte in der Grafschaft Lippe; Meier in der Grafschaft Ravensberg; Kopiar.
Anmerkungen Weitere Teile des Archivs Kloster Gehrden befinden sich im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen,  Bestand Kloster Gehrden.
Information Als unmittelbar nach der Aufhebung des Benediktinerinnenklosters Gehrden im Jahre 1810 die Klosterdomäne an den Grafen von Bocholtz verkauft wurde, wurde dem neuen Eigentümer auch das Archiv des Klosters ausgehändigt. Allerdings scheinen schon damals diejenigen Teile, die sich auf das innere bzw. religiöse Leben bezogen, größtenteils dem Archiv entnommen worden zu sein. Sie befinden sich heute im  Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Bestand Gehrden, im Archiv des  Studienfonds Paderborn, in der Erzbischöflich Akademischen Bibliothek in Paderborn und im Erzbistumsarchiv Paderborn. Auch das Staatsarchiv Wolfenbüttel verfügt über Archivalien Gehrdener Provenienz.

Der neue Eigentümer erhielt in erster Linie diejenigen Archivalien, die sich auf die Grundherrschaft des Klosters bezogen und damit die erworbenen Ländereien und Rechte betrafen. Als das Klostergut 1826 vom Grafen von Bocholtz an Caspar Heinrich von Sierstorpff veräußert wurde, ging auch das Archiv einschließlich des Gehrdener Kopiars an den Erwerber. Allerdings verblieben dem Grafen von Bocholtz 13 Urkunden (1249-1812) und 21 Akten, die sich heute im  Archiv Hinnenburg befinden.

Der Hauptbestand des Klosterarchivs ist heute damit Teil des Archivs des Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff in Bad Driburg und umfasst in der Hauptsache die grundherrliche Überlieferung des Klosters. In den Bestand nicht aufgenommen wurde die nach 1810 bzw. nach 1826 einsetzende Überlieferung des Klosterguts, die die Verwaltung durch den Grafen von Bocholtz und die Familie von Sierstorpff und ihre Erben betrifft.

Bei den Urkunden handelt es sich um einen Restbestand, der zudem meistens aus Abschriften besteht. Weitere 27 Urkunden der Jahre 1136-1734 befinden sich im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, 13 Urkunden der Jahre 1249-1812 im Archiv des Grafen von der Asseburg auf der Hinnenburg. Im Driburger Archiv befindet sich auch das sog. Gehrdener Kopiar, das Abschriften von Gehrdener Urkunden von der Gründung bis ins 16. Jh. enthält. Die originalen Urkunden betreffen meist wirtschaftliche und rechtliche Fragen, u.a. das Lehen der von Münchhausen zu Bevern, aber auch kirchliche Angelegenheiten wie die Wahl der Äbtissin und die Weihe der Pfarrkirche zu Dalhausen.

Zu verweisen ist hier auf die Karten und Pläne, die in Zusammenhang mit der Aufhebung des Klosters wohl im Auftrag des Grafen von Bocholtz angefertigt wurden. Bei diesen Karten, die sich ebenfalls im Archiv der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff in Bad Driburg befinden, handelt es sich um eine Aufnahme der Klostergebäude von ca. 1810 und eine Art Atlas über die Ländereien des Klostergutes von etwa 1820.

Der Aktenbestand des Klosterarchivs, wie er hier vorliegt, ist seit dem 19. Jh. mehrfach Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten unterzogen worden, die jedoch alle unbefriedigend geblieben sind. 1999 begann dann Frau Dr. Martina Wiech mit der Verzeichnung des Aktenbestandes, die im Jahre 2000 überarbeitet und unter Einbeziehung des Urkundenbestandes zu Ende geführt wurde.
Weitere Ressourcen Ressourcen zu Brakel und zu Klöstern und Stiften im Internet-Portal "Westfälische Geschichte"

Kloster Gehrden in Brakel | Google Maps

Familienbildungswerk Schloss Gehrden

Stadt Brakel
Literatur Giefers, Wilhelm Engelbert
Bemerkungen zur ersten Hälfte des IV. Bandes des Westfälischen Urkundenbuchs, in: WZ 37, 1879, S. 166-202; WZ 38, 1880, S. 103-208.

Giefers, Wilhelm Engelbert
Copiarium Gerdense. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde 39/2, 1881, S. 6-35 [enthält 47 Drucke bzw. Teildrucke von Urkunden aus dem Kopiar]. [=Giefers, Copiarium]

Glasmeier, Heinrich
Das Archiv der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff zu Bad Driburg. Archivfahrten kreuz und quer durch Westfalen, 24. In: Westfälisches Adelsblatt 4, 1927, S. 335-338.

Honselmann, Klemens
Von der Carta zur Siegelurkunde. Beiträge zum Urkundenwesen im Bistum Paderborn 862-1178, (=Paderborner Studien, Bd. 1), Paderborn 1939, S. 162-166. [=Honselmann, Carta]

Honselmann, Klemens
Studien zu Urkunden des Klosters Gehrden aus dem 12. Jahrhundert. In: WZ 120, 1970, S. 297-312. [=Honselmann, Studien]

Linneborn, Johannes
Die Inventare der nichtstaatlichen Archive des Kreises Paderborn. Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Provinz Westfalen[, Reihe 2]: Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westalen, Bd. 3: Regierungsbezirk Minden, Heft 2: Kreis Paderborn. Münster 1923.

Oeynhausen, Julius von / Grotefend (Bearb.)
Geschichte des Geschlechts von Oeynhausen. 4 Teile. Teil 1: Regesten und Urkunden von 1036 bis 1605 (Paderborn 1870); Teil 2: Regesten und Urkunden von 1606 bis 1832 (Frankfurt 1887); Teil 3: Biographische Bearbeitung (Frankfurt 1889); Teil 4: Stammtafeln nach der biographischen Bearbeitung (Paderborn 1889). Paderborn [u. a.] 1870-1889.

Philippi, Friedrich (Bearb.)
Die Westfälischen Siegel des Mittelalters, Heft 1, 1. Abt., bearb. v. F. Philippi, Münster 1882; Heft 3, bearb. v. Th. Ilgen, Münster 1889. [=Westfälische Siegel]

Westfälisches Urkundenbuch [WUB 1 / 2 / 9]
Regesta Historiae Westfaliae, accedit Codex Diplomaticus / Die Quellen der Geschichte Westfalens, in chronologisch geordneten Nachweisungen und Auszügen, begleitet von einem Urkundenbuche.
Bd. 1: Von den ältesten geschichtlichen Nachrichten bis zum Jahre 1125. Bearb. und hg. Heinrich August Erhard. Münster 1847.
Bd. 2: Vom Jahre 1126 bis 1200. Bearb. und hg. Heinrich August Erhard, Münster 1861; Roger Wilmans (Bearb.), Index zu Erhards Regesta historiae Westfaliae, Münster 1861; Roger Wilmans (Bearb.), Additamenta zum Westfälischen Urkunden-Buche, Münster 1877.
Bd. 9: Die Urkunden des Bistums Paderborn 1301-1325. Lfg. 1: 1301-1310 (1972; VIII, 401 S.); Lfg. 2: 1311-1315 (1978; IV, S. 402-654); Lfg. 3: 1316-1320 (1982; IV, S. 655-922); Lfg. 4: 1321-1325 (1986; IV, S. 923-1312); Lfg. 5: Register, Nachträge, Siegeltafeln (1993; 291 S., 12 Tafeln), bearb. Joseph Prinz. Westfälisches Urkunden-Buch, begründet vom Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Reihe 1: Westfälisches Urkundenbuch, Bd. 9. Münster 1972-1993.


BKDW Kreis Warburg, S. 151-192.

Bruns, Alfred
Die Gehrdener Klostergelübde. In: Beiträge zur westfälischen Familienforschung 30/32, 1972/1974, S. 109-131.

Bruns, Alfred
Gehrden. In: Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, hg. von Karl Hengst, Teil 1 (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Reihe 44: Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte, Band 2), Münster 1992, S. 327-332.

Dohmann, Herbert
Der spätgotische Sippenaltar in der ehemaligen Klosterkirche zu Gehrden. In: Die Warte 88, 56. Jg., 1995, S. 5-7.

Dohmann, Herbert
Klosterkirche Gehrden. [Brakel] 2001.

Kaspar, Fred (Bearb.)
Die Erneuerung der Anlagen des Bades Driburg. Petersberg 2007.

Kath. Kirchengemeinde St. Peter u. Paul (Hg.)
Verborgene Kostbarkeiten. Sakrale Kunst aus Gehrden. Eine Ausstellung zum 850. Jubiläum des Klosters Gehrden. Brakel-Gehrden 1992.

Oeynhausen-Sierstorpff, Ramona von (Hg.)
Das gräfliche Kurbad Driburg. Stuttgart 1998.

Pöppel, Diether
Gehrden, Benediktinerinnenkloster/Schloß - Kirche - "Stadt im Wandel der Jahrhunderte", Paderborn [1988]. [=Pöppel, Gehrden]

Pöppel, Diether
Vor 850 Jahren: Klostergründung in Gehrden. In: Die Warte 73, 1992, S. 32-35.

Schaten, Nicolaus
Annalium Paderbornensium pars prima. Complectens inprimis fusiorem episcoporum Paderbornen-sium, deinde succinctiorem historiam reliquorum per Westphaliam antistitum, tum res gestas aliorum in eadem hac regione clarorum virorum, postremo pontificum, impera-torum, principum &c. gesta, maxime ea, quae Westphaliam contingunt [...], 2. Aufl., Teil 1, Münster 1774, Teil 2, Münster 1775. [=Schaten, Annales 1 u. 2]

Stöwer, Herbert
Der mittelalterliche Besitz des Klosters Gehrden in Lippe und Ravensberg. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 66, 1997, S. 25-38.

Stoob, Heinz (Hg.)
Brilon. Westfälischer Städteatlas, Lieferung 1. Dortmund 1975.

Wächter, Winfried
868 - 1142 - 1992. Interessantes und Wissenswertes aus der über 1000jährigen Ortsgeschichte. Zum Jubiläum von Kloster, Kirche und Kommune. Gehrden 1992.

Zawrzel, Adolf
Aus dem Leben des Oberjägermeisters Caspar Heinrich Freiherrn (seit 1840 Grafen) von Sierstorpff, des Gründers von Bad Driburg. In: Westfälisches Adelsblatt 4, 1927, S. 236-156.
Systematik
Zeit2.13   1100-1149
2.14   1150-1199
2.15   1200-1249
2.16   1250-1299
2.17   1300-1349
2.18   1350-1399
2.19   1400-1449
2.20   1450-1499
3.1   1500-1549
3.2   1550-1599
3.3   1600-1649
3.4   1650-1699
3.5   1700-1749
3.6   1750-1799
Ort2.4.1   Bad Driburg, Stadt
2.4.2   Beverungen, Stadt
2.4.3   Borgentreich, Stadt
2.4.4   Brakel, Stadt
2.4.7   Nieheim, Stadt
2.4.10   Willebadessen, Stadt
Sachgebiet6.8.1   Adel
16.6.3   Geistliche, Rabbiner, Ordensleute
16.6.5   Domkapitel / Klöster / Stifte, Klosterleben
Datum Aufnahme 2010-04-07
Datum Änderung 2011-12-06
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