Studienfonds Paderborn (Dep.)

Geschichte Für die beiden Jesuitenkollegien in Paderborn und Büren hatte die Aufhebung des Ordens 1773 zur Folge, dass der eigentliche Rechtsträger entfallen war. Die bisher von der Ordensleitung ausgeübte Jurisdiktion in geistlichen wie in weltlichen Dingen sollte laut päpstlicher Aufhebungsbulle an den Ortsordinarius, also den Bischof übergehen, das freiwerdende Jesuitenvermögen gemäß den Bestimmungen des Kirchenrechts unter Berücksichtigung des Willens der Stifter zu kirchlichen Zwecken verwendet werden. Die Verwaltung beider Häuser - sie hießen jetzt in Paderborn "Universitätshaus“ und in Büren "Haus Büren“ - und des Jesuitenvermögens lag bei der vom Bischof gebildeten sogenannten Ex-Jesuiten-Kommission. Aus dem Vermögen des Paderborner Kollegs wurde das sogenannte "Universitätshaus" fundiert, das 1821 in den sogenannten Studienfonds umgewandelt wurde und aus dessen Erträgen der Aufwand für Gottesdienste, Unterricht und andere gemeinnützige Einrichtungen bestritten werden sollte.

Größere Umbrüche erfolgten am Anfang des 19. Jhs. Obwohl die Säkularisation von 1802/1803 das Hochstift und die kirchlichen Einrichtungen wie etwa die Klöster in den Besitz des Preußischen Staates brachte, blieben die beiden Stiftungen unter der Verwaltung der Ex-Jesuiten-Kommission bestehen. Sie wurden als Anstalten, die für Bildung und Schulzwecke da waren, nicht angetastet. Das Paderborner Universitätshaus wurde zur Auffangstation vor allem von Restbeständen von Büchern der aufgehobenen Klöster. Archivalien gelangten nur in geringer Zahl ins Universitätshaus. Seit 1825 stand das Paderborner Jesuitenvermögen unter der Verwaltung des Provinzialschulkollegiums in Münster. Heute unterstehen beide Fonds der Dienst- und Fachaufsicht des Finanzministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen.

Zum Paderborner Studienfonds gehören heute die Marktkirche in Paderborn, das Schulgebäude des Theodorianums, die Gebäude der Theologischen Fakultät Paderborn und verschiedene Erbbaugrundstücke in Paderborn. Weiterhin besitzt der Paderborner Studienfonds eine große Anzahl von Büchern, Urkunden, Archivalien und sonstigen wertvollen Schriftstücken, die sich in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in Paderborn befinden (Archiv des Paderborner Studienfonds und Bibliotheca Theodoriana).

Der Urkundenbestand des Archivs des Studienfonds Paderborn enthält Urkunden verschiedener Provenienz. Neben den originär aus der Tätigkeit der Jesuiten (1604-1773) erwachsenen Archivalien sind zahlreiche ältere Urkunden jener Besitzungen, Benefizien, Güter und Einkünfte vorhanden, die den Jesuiten seit ihrer Ankunft in Paderborn im Jahre 1580 vom Domkapitel Paderborn und von den Bischöfen Dietrich von Fürstenberg und Ferdinand von Bayern geschenkt und überwiesen oder sonst wie von ihnen erworben worden sind. Dazu gehören auch Archivalien von Falkenhagen und der Herrschaft Büren (hiervon allerdings existiert heute nur noch ein geringer Rest, größere Bestände befinden sich heute im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen).

Dies waren:
  • Dompredigerstuhl mit den ihm inkorporierten Benefizium St. Martini in Dom zu Paderborn (19.12.1580, 20.05.1581 bzw. 13.10.1582) [in Klammern das jeweilige Datum des Übergangs an die Jesuiten],
  • Domschule und das ihr (vor 1563) inkorporierte Benefizium St. Thomae Cantuar im Dom zu Paderborn, sowie die ihr gleichfalls (1577?) inkorporierten Besitzungen des Minoritenklosters zu Paderborn (1580/1582; Kirche und Klostergebäude erhielten die Jesuiten erst am 10.07.1592),
  • Bartholomäus-Benefizium im Dom in Paderborn (03.03.1591),
  • Hof des Klosters Hardehausen in Paderborn (30.08.1595),
  • Besitzungen des Klosters Helmarshausen bei Borgentreich (15.08.01599),
  • Benefizium St. Fabiani et Sebastiani in der Busdorfkirche (vor 26.02.1600).
  • Kloster Falkenhagen (halb am 08.09.1604, halb am 29.03.1620 bzw. 15.03.1720) - die wichtigste Gruppe innerhalb des Bestandes. Da die eine Hälfte des Klosters bis 1620 den Grafen zur Lippe verblieb, ja endgültig erst 1720 von diesen an die Jesuiten herausgegeben wurde, befinden sich noch heute wichtige Teile des Archivs, darunter vor allem die Kopiare und auch eine Anzahl Originalurkunden, im Landesarchiv NRW Ostwestfalen-Lippe in Detmold. Das Urkundenarchiv des Klosters ist um 1600, vielleicht für den entscheidenden Teilungsvertrag von 1596, neu geordnet worden. Alle Urkunden tragen seitdem rückwärts unter einem Strich (-) eine Nummer; doch ist diese häufig nachträglich geändert worden.
  • Romskapelle vor Paderborn (16.08.1606),
  • Benefizium der Jakobikapelle zu Papenheim (29.01.1618),
  • Besitzungen des Klosters Hardehausen in und bei Nieheim (03.09.1617-1622 bzw. 30.06.1665),
  • Benefizium der Antonius-Kapelle vor Warburg (16.08.1621),
  • Herrschaft Büren, von Moritz von Büren den Jesuiten vermacht (1640 bzw. 1661) - der Großteil der Archivalien befindet sich im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen.
Auch sind als weitere Gruppe die Archivalien der 1773 nach Aufhebung des Jesuitenordens geschaffenen Exjesuitenkommission und des Universitätshauses in das Studienfondsarchiv eingegangen, allerdings nur unvollständig und lückenhaft.

Eine kleine, aber mit ihren Urkunden bis ins 14. Jh. zurückreichende Gruppe bilden die Archivalien der Marktkirche, die 1784 nach dem Abbruch der Kirche an die Universitätskirche (die ehemalige Jesuitenkirche) gelangten, da diese Kirche der Gemeinde zur Mitbenutzung überlassen wurde. Durch die räumliche Verquickung des Marktkirchenarchivs mit dem Studienfondsarchiv im Universitätshaus gerieten die Archivalien durcheinander, sodass bei der später wieder erfolgten Trennung Teile dieses Archivs bei den Archivalien des Studienfonds zurückblieben, andererseits aber leider auch wertvolle Teile des ehemaligen Jesuitenarchivs ins Marktkirchenarchiv mitwanderten. Diese Archivalien, über deren Umfang die leider nur recht summarische Verzeichnung des Marktkirchenarchivs bei J. Linneborn (Inventare der nichtstaatlichen Archivs der Provinz Westfalen, Bd. 3, 2, Kreis Paderborn, Münster 1923, 5, S. 78ff.) eine gewisse Vorstellung gibt, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Manches davon kann aus den umfänglichen Archivalien des Generalvikariatsarchivs zu Paderborn über die Marktkirche ersetzt werden. (vgl. J. Linneborn. Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westfalen, Beiband 2, 1, Münster 1920, 3, S. 309ff.). Die Urkunden des Marktkirchenarchivs sind um 1600 geordnet und entsprechend rückwärts mit Nummern versehen worden, mit deren Hilfe der Bestand einigermaßen sicher rekonstruiert werden konnte. Eine Urkunde von 1491 (106) trägt die höchste feststellbare Nummer (Nr. 61). Doch erfasste diese Zählung offensichtlich nicht den ganzen Bestand, denn nebenher läuft eine ältere aus der Mitte des 16. (?) Jhs. nach Großbuchstaben (jüngste Urkunde von 1534), von der sich aber nur noch 10 Nummern nachweisen ließen. Eine zweite Reihe mit Doppelbuchstaben (Aaff.) setzt dieses ältere Alphabet fort und lässt sich bis Uu verfolgen. Da die letzte Urkunde dieser Bezifferung von 1629 datiert ist (250) dürfte diese (Nach-)Ordnung spätestens in die Mitte des 17. Jhs. zu setzen sein. Endgültiges wird sich über die alte Ordnung des Marktkirchenarchivs erst sagen lassen, wenn die beiden auseinandergerissenen Teile desselben wieder zusammengeführt sein werden.

Am 27.08.1928 wurde zwischen dem Provinzialschulkollegium in Münster und dem Bischöflichen Stuhl in Paderborn ein Vertrag geschlossen, aufgrund dessen am 09.03.1929 der Bestand des Studienfondsarchivs und Teile der Theodorianischen Bibliothek aus dem Gymnasium Theodorianum an die Akademische Bibliothek übergeben wurden.
Benutzungsort Erzbischöfliche Akademische Bibliothek Paderborn
Eigentümer/in Erzbischöfliche Akademische Bibliothek Paderborn (EAB)
Leostr. 21
33098 Paderborn, Deutschland
Tel. 05251 / 290 480 (Sekretariat)
Tel. 05251 / 290 488 (Ausleihe)
Fax: 05251 / 282 575
E-Mail: info@eab-paderborn.de
Bestand
Urkunden, Originale Regestenliste | Suche im Bestand
Umfang 309 Urkunden
Laufzeit 1263-1749
Inhalt Kloster Falkenhagen (Grafschaft Lippe), Minoritenkloster in Paderborn (seit 1580/1582 Domschule), Archiv der Marktkirche in Paderborn, Domvikarien, Sternberger Hof auf der Domimmunität in Paderborn, Western-Hospital in Paderborn.
Information Die von Joseph Prinz anlässlich der Verzeichnung des Bestandes in den 1950er Jahren aus den Kopiaren (Studienfonds Paderborn, Akte 53 und 54) herausgezogenen 242 Abschriften (bis 1600), die im Findbuch (Verzeichnisse westfälischer Archivalien und Handschriftenbestände, 1. Stück, Teil 1: Das Archiv des Paderborner Studienfonds, Münster 1960) zusammen mit den Originalen abgedruckt wurden, werden bleiben an dieser Stelle unberücksichtigt.
Weitere Ressourcen Ressourcen zu Paderborn, zum Fürstbistum Paderborn und zur Herrschaft Büren im Internet-Portal "Westfälische Geschichte"

Jesuitenkollegium Paderborn | Google Maps

Informationen zu den Handschriften und Akten des Paderborner Studienfonds.

Website Erzbischöfliche Akademische Bibliothek Paderborn (EAB)

Panoramen Paderborn

Stadt Paderborn
Literatur Honselmann, Klemens
Die Theodoriana und das Studienfondsarchiv in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek. In: Theologie und Glaube 79, 1989, S. 389-402.

Linneborn, J.
Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westfalen, Beiband 2, 1, Münster 1920, 3, S. 309ff.

Linneborn, J.
Inventare der nichtstaatlichen Archivs der Provinz Westfalen, Bd. 3, 2, Kreis Paderborn, Münster 1923, 5, S. 78ff.

Prinz, Joseph (Bearb.)
Das Archiv des Paderborner Studienfonds. Teil 1: Urkunden. Teil 2: Handschriften. Teil 3: Akten. Münster 1956-1960.


Conrady, Sigisberg [u. a.]
Gymnasium Theodorianum Paderborn 799-1612-1987. 375 Jahre Schulgebäude am Kamp. Geschichte und Geschichten. Paderborn 1987.

Freisen, Josef
Die Haftbarkeit des Fürstlich-Lippeschen Domänen-Fiskus als Rechtsnachfolge der säkularisierten, zum früheren Fürstbistum Paderborn gehörigen Jesuitenklosters Falkenhagen. In: Archiv des öffentlichen Rechts 37, 1918, S. 385-440.

Gropp, Birgit
Ein Stück vom Himmel. Die schönsten Klöster in Westfalen, Regensburg 2012, S. 144-157.

Hengst, Karl
Die Academia Theodoriana zu Paderborn. Westfalens älteste Universität. In: Theologie und Glaube 79, 1989, S. 350-378.

Hengst, Karl
Warburg - Dominikaner. In: Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, hg. von Karl Hengst, Teil 2 (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Reihe 44: Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte, Band 2), Münster 1994, S. 233-240 (mit weiteren Literaturangaben).

Hengst, Karl
Falkenhagen - Jesuiten. In: Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, hg. von Karl Hengst, Teil 2 (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Reihe 44: Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte, Band 2), Münster 1994, S. 306-309 (mit weiteren Literaturangaben).

Honselmann, Klemens
Die philosophisch-theologische Akademie in Paderborn und ihr Stiftungsvermögen. Paderborn 1954.

Honselmann, Klemens
Die Klosteraufhebung in Paderborn 1810 und das "Universitätshaus". In: WZ 105, 1955, S. 239-247.

Honselmann, Klemens
Von der Domschule zum Gymnasium Theodorianum in Paderborn. Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte, Bd. 3. Paderborn 1962.

Köb, Ansgar
Universitäts- und Marktkirche Paderborn. Schnell Kunstführer, Heft 2602. Regensburg 2005.

Ludorff, A[lbert] (Bearb.)
Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Paderborn. Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Münster 1899.

Mauritius-Gymnasium (Hg.)
400 Jahre Moritz von Büren - 250 Jahre Jesuitenkirche in Büren. Eine Dokumentation des Jubiläumsjahres 2004. Büren 2005.

Mummenhoff, Karl E.
Die Profanbaukunst im Oberstift Münster von 1450 bis 1650. Westfalen, Sonderheft 15. Münster 1961. [S. 168f.]

Niemer, Jörg
Das ehemalige Jesuitenkolleg Büren - eine Barockanlage des Baumeisters Gottfried Laurenz Pictorius. In: Die Warte 126, 2005, S. 23-29.

Niemer, Jörg
Das Jesuitenkolleg in Büren und die europäische Palastarchitektur. In: Mauritius-Gymnasium in Büren (Hg.), 400 Jahre Moritz von Büren - 250 Jahre Jesuitenkirche in Büren, Büren 2005, S. 107-131.

Richter, Wilhelm
Geschichte der Paderborner Jesuiten. Paderborn 1892.

Richter, Wilhelm
Die Jesuitenkirche zu Paderborn. Festschrift zur zweihundertjährigen Kirchweih. Paderborn 1892.

Rudigkeit, Siegfried
Kolleg und Kirche der Jesuiten zu Büren. Planungs- und Baugeschichte. Kunstgeschichte, Bd. 27. Münster 1989.

Rudigkeit, Siegfried
Moritz von Büren und die Übernahme der Herrschaft Büren durch die Jesuiten. Wir an Alme und Afte, Bd. 3. Büren 1993.

Sander, Johannes
Geschichte des Jesuitenkollegs in Paderborn 1580-1659. Textedition und Übersetzung von Gerhard Ludwig Kneißler, mit Anmerkungen versehen von Friedrich Gerhard Hohmann. Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte, Bd. 64. Paderborn 2011.

Schmalor, Hermann-Josef
Paderborner Studienfonds. In: Mauritius-Gymnasium in Büren (Hg.), 400 Jahre Moritz von Büren - 250 Jahre Jesuitenkirche in Büren, Büren 2005, S. 201-221.

Schwarz, Erhard
Der Haus Büren’sche Fonds als Rechtsnachfolger des Bürener Jesuitenkollegs. In: Heimatverein Büren e. V. (Hg.), Büren, Paderborn 1994, S. 433-443.

Stoob, Heinz (Hg.)
Paderborn. Westfälischer Städteatlas, Lieferung 2. Dortmund 1981.

Vennebusch, Jochen / Meyer Schlochtern, Josef zu (Hg.)
Die Landschaftsgemälde von Carl Ferdinand Fabritius und die Portraitsammlung aus dem ehemaligen Paderborner Jesuitenkolleg in der Theologischen Fakultät Paderborn. Paderborn 2008.

Wieggrebe, Jürgen
Kloster Lilienthal Falkenhagen. Schnell, Kunstführer, Nr. 1719. München [u. a.] 1988.
Systematik
Zeit2.16   1250-1299
2.17   1300-1349
2.18   1350-1399
2.19   1400-1449
2.20   1450-1499
3.1   1500-1549
3.2   1550-1599
3.3   1600-1649
3.4   1650-1699
3.5   1700-1749
Ort2.4.3   Borgentreich, Stadt
2.4.7   Nieheim, Stadt
2.4.9   Warburg, Stadt
2.5.13   Lügde, Stadt
2.7   Büren, Herrschaft < - 1661>
2.7.4   Büren, Stadt
2.7.8   Paderborn, Stadt
Sachgebiet16.6.3   Geistliche, Rabbiner, Ordensleute
16.6.5   Domkapitel / Klöster / Stifte, Klosterleben
Datum Aufnahme 2010-04-07
Datum Änderung 2012-04-04
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