LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 16.05.12

Foto zur MitteilungMit dem Computer hielt Anfang der 1980er-Jahre eine neue Technik Einzug in Werkstätten und Büros von Handwerkern.
Foto: Florian Linden


Foto zur MitteilungArbeitserleichterung durch eine neue Kraftquelle: Der Elektromotor erleichterte die Arbeit und machte sie schneller. Aber rechnete sich sein Einsatz wirklich in Handwerksbetrieben?
Foto: fotoservice-sagurna


Foto zur MitteilungEin viel beworbener Schritt zur Rationalisierung: Ordnung schaffen.
Foto: Florian Linden


Zum Herunterladen bitte mit der linken Maustaste auf das Foto klicken. Nachdem sich das neue Fenster geöffnet hat, bitte das Foto mit der rechten Maustaste speichern.

Die zum Download angebotenen Fotos dürfen nur mit Fotonachweis und gemeinsam mit der Pressemitteilung oder dem Thema verwendet werden, in deren Zusammenhang sie veröffentlicht wurden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht gestattet. Bei Ausstellungen ist die Reproduktion nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Ausstellung erlaubt. Bei einer anderweitigen Nutzung sind Sie verpflichtet, selbständig die Fragen des Nutzungsrechts zu klären.

Presse-Infos | Kultur

"schneller, besser, billiger!"

LWL-Freilichtmuseum Hagen zeigt Ausstellung zu Rationalisierungen in Handwerksberufen

Bewertung:

Hagen (lwl). In diesem Sommer zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Hagener Freilichtmuseum in der Sonderausstellung "schneller, besser, billiger", welche Vorschläge und Bemühungen es in Handwerksberufen gegeben hat, die Arbeit zu rationalisieren. Viele Besucher verbinden mit dem LWL-Freilichtmuseum besonders die traditionelle Handarbeit und denken bei Rationalisierung, also dem Bemühen, durch Organisation, Zeit, Geld, Material oder Arbeitskraft zu sparen, vor allem an Industriebetriebe.

Tatsächlich stammt der Begriff Rationalisierung zunächst aus der industriellen Produktion. Doch auch in handwerklichen Berufen gab es seit Beginn des 20. Jahrhunderts Bestrebungen, die Arbeit effektiver zu gestalten, um die Konkurrenzfähigkeit der Betriebe zu sichern. Wichtig war dem Ausstellungsteam, zu zeigen, dass es sich bei "Rationalisierung" nicht in erster Linie um das Bemühen handelt, möglichst viel Handarbeit durch Maschinenfertigung zu ersetzen, auch wenn diese Diskussion im Handwerk oft leidenschaftlich geführt wurde. Vielmehr erfasste der Gedanke, Arbeits- und Betriebsabläufe zweckmäßiger zu gestalten, viele Produktionsbereiche.

Diese Ideen erhielten ihre Impulse vor allem von arbeits- und betriebswissenschaftlichen Studien aus den USA, die heute vor allem mit dem Namen Frederick Winslow Taylor (1856-1915) verbunden werden. Wie konnte der Einsatz von Energie, Material, Zeit und Arbeitskraft optimiert werden, um den Aufwand zu verringern? Wie ließ sich die Leistung erhöhen, um Betriebe wettbewerbsfähig zu machen? So lauteten die Kernfragen. Als Ingenieur und einer der Begründer der Arbeitswissenschaft hatte Taylor diese Fragen für die industrielle Fertigung gestellt, nun wurde sie auch an handwerkliche Betriebe gerichtet. Von dem in diesem Geist 1919 in Karlsruhe gegründeten "Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung im Handwerk" gingen damals zahlreiche wichtige Anregungen aus.

Das "Forschungsinstitut" richtete seine Optimierungsbemühungen auf viele Gebiete, von denen in dieser Ausstellung die wichtigsten Ideen vorgestellt werden. Dazu gehören der Wunsch, Auszubildende unter "rationalen" Gesichtspunkten auszuwählen oder Überlegungen, wie Werkzeuge und Griffe zweckmäßig gestaltet werden. Dazu stellt der Ausstellungsbereich Werkstattgestaltungen, Arbeitsplatzeinrichtungen und den Einsatz neuer Maschinen als zentrale Aspekte einer rationellen Betriebsführung vor. Der Maschineneinsatz wird beispielhaft u. a. an der Einführung der Linotype-Zeilengießmaschine und an Bäckereimaschinen gezeigt, während für die modernen Antriebstechniken stellvertretend der Elektromotor steht. Auf ihn wurden Anfang des 20. Jahrhunderts große Hoffnungen gesetzt.

Rationalisierung in kleinen Schritten
Ein Ausstellungsraum widmet sich den "kleinen Helfern", die die handwerkliche Arbeit erleichterten. Einen weiteren Themenblock bilden Buchführung und interne betriebliche Organisation. Allen Aspekten ist gemein, dass zu ihnen besonders in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren zahlreiche Publikationen und Handreichungen erschienen.

Mit der Auswahl der Beispiele, Maschinen und Werkzeuge, Bildern und Texten möchte das LWL-Freilichtmuseum die Aufmerksamkeit auf diese unterschiedlichen Felder der Rationalisierung lenken. Zugleich zweist die Ausstellung darauf hin, dass sich "Rationalisierung" im Handwerk eher in kleinen Dimensionen vollzog: das verbesserte Werkzeug, die Ordnung im Werkzeugkasten und die Einrichtung der Werkstatt, zu denen die Handwerker vor Ort selbst eigene Verbesserungen entwickelten, wie an einigen Beispielen zu sehen sein wird.

Arbeitserleichterung und Sorge vor Entmündigung
Die Hinweise und Anleitungen, aus den Forschungsinstituten und die Veröffentlichungen in Zeitschriften waren Idealbilder. Sie waren durchaus mit bestimmten - nicht immer uneigennützigen - Interessen verbunden, zum Beispiel um einen Absatzmarkt für Elektromotoren zu entwickeln. Die Vorschläge für Rationalisierungen trafen auf die wirtschaftliche Realität sehr unterschiedlichster Handwerksbetriebe. Auch Selbstbewusstsein und Mentalität der einzelnen Handwerker waren entscheidend für die Aufgeschlossenheit gegenüber Veränderungen. So waren die komplizierten wissenschaftlichen Berechnungen im betrieblichen Alltag vielfach nur schwer nachzuvollziehen und gingen an der Zielgruppe und ihren Bedürfnissen oft vorbei.

Rationalisierungsansätze traten in Konkurrenz zu Kennerschaft und überlieferten Erfahrungen der Handwerker. "Es ist aufschlussreich zu sehen, welcher Vorschlag in welchem Handwerk auf eine größere Resonanz traf und welche Anregungen weniger bereitwillig aufgenommen wurden. Die Einstellung der von Rationalisierung betroffenen Menschen ist interessant; sie changiert zwischen dem Gefühl der Arbeitserleichterung und der Sorge einer möglichen Entmündigung", so die Ausstellungsmacherin Dr. Anke Hufschmidt.
Die Ausstellung regt an, über die Mehrdeutigkeit von Rationalisierung nachzudenken.

So wie Handwerker, die sich der Frage gegenüber sahen, ob sie viel Geld in eine teure neue Technik investieren oder doch bei den alten, bewährten Verfahren bleiben sollten, können auch die Ausstellungsbesucher an einzelnen Beispielen nachvollziehen, ab wann es sich wirtschaftlich lohnte, von der Hand- auf die Maschinenarbeit umzusteigen. Dazu sind an einigen Stationen in der Ausstellung und im Museumsgelände die Besucher eingeladen, selbst aktiv zu werden. Auch im weitläufigen Mäckingerbachtal finden sich Spuren der Rationalisierung in den Museumswerkstätten.

Die Ausstellung wird großzügig von der LWL-Kulturstiftung gefördert und von einem vielfältigen Begleitprogramm umrahmt.

Begleitveranstaltungen

Sonntag, 20. Mai 2012, 13 Uhr

Eröffnung der Ausstellung mit anschließender Führung durch die wissenschaftliche Volontärin Nicole Becker-Kloth

Sonntag, 20. Mai 2012, 14 Uhr
kostenlose Sonntagsführung durch die Ausstellung, Treffpunkt Ausstellungsgebäude

Mittwoch 20. Juni 2012, 19 Uhr
Vortrag im Restaurant "Museumsterrassen", veranstaltet vom Lenne-Bezirksvereins des VDI, Hagen mit dem Förderkreis Westfälisches Freilichtmuseum e. V.
Bitte anmelden.
Dr.-Ing. Dr. phil. Hartmut Herbst
Rationalisierung im Spannungsfeld technischer und humanitärer Aspekte

Sonntag, 15. Juli 2012, 14 Uhr
kostenlose Sonntagsführung durch die Ausstellung, Treffpunkt Ausstellungsgebäude

Dienstag, 17. Juli - Freitag, 20. Juli 2012, jeweils 11 - 15 Uhr
Ferienprogramm:
Es geht um Technik: Gemeinsam bauen die Teilnehmer kleine Maschinen zusammen und experimentieren an technischen Modellen. Gruppen bitte anmelden. Treffpunkt Weißgerberei

Sonntag, 9. September 2012, 12 - 17 Uhr
Aktionstag:
Wir bauen kleine Maschinen, experimentieren und produzieren auf Zeit. Ist der, der schneller und billiger ist, auch besser? Zusätzlich werden Führungen durch die Sonderausstellung angeboten.
Außerdem: Roberta. In der offenen Roboterwerkstatt des zdi-Zentrums technik_mark werden kleine Roboter zusammengebaut und programmiert. Dazu werden zwei einstündige Kurse angeboten. Bitte anmelden.

Mittwoch, 12.September 2012, 19 Uhr
Vortrag im Restaurant "Museumsterrassen", veranstaltet vom Lenne-Bezirksvereins des VDI, Hagen mit dem Förderkreis Westfälisches Freilichtmuseum e. V. Bitte anmelden
Dr. Helmut Lindner, Berlin
Frühe Elektromotoren und ihr Einsatz im Handwerk des 19. Jahrhunderts

Sonntag, 23. September 2012, 14 Uhr
kostenlose Sonntagsführung durch die Ausstellung, Treffpunkt Ausstellungsgebäude
Museumspädagogische Angebote

Suchspiel für Familien, kleine Gruppen und Einzelbesucher: Finden und Wiederkennen!
Eine kostenlose Entdeckertour zur Sonderausstellung
Das Thema "Rationalisierung" erkunden und spannende Fragen beantworten. Wer alle Objekte und Informationen gefunden hat, erhält einen kleinen Button und nimmt an einer Verlosung teil. Aber Achtung! Nicht alle Objekte befinden sich der Sonderausstellung. Das Suchspiel ist an der Kasse und im Krämerladen erhältlich.
Viel Spaß beim Finden und Wiedererkennen!

Gruppenführungen durch die Sonderausstellung
Gruppengröße:
bis 30 Personen
Dauer: 60 Minuten
Kosten: 28,00 € und Museumseintritt

Museumspädagogisches Programm: Wer ist schneller und besser?
für Schulklassen der Primar- und Sekundarstufe sowie Erwachsenengruppen
Gruppengröße: bis 15 Personen
Dauer: 90 Minuten
Kosten: 38,00 € und Museumseintritt

Buchungen und weitere Informationen unter:
02331 7807-0



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Uta Wenning-Kuschel, LWL-Freilichtmuseum Hagen, Telefon: 02331 780-7113, Handy: 0151 40635972,
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Freilichtmuseum Hagen
Westfälisches Landesmuseum für Handwerk und Technik
Mäckingerbach
58091 Hagen-Selbecke
Karte und Routenplaner



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
http://www.facebook.com/LWL2.0







Ihr Kommentar




zu den aktuellen Presse-Infos