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Mitteilung vom 04.09.20

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Die "brutale Realität" in der Anstaltspsychiatrie sichtbar machen

Ausstellung des LWL und der Universität Münster zeigt psychiatriekritische Fotos aus den 1968er-Jahren

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Lengerich (lwl). Vergitterte Fenster, Bettensäle, heruntergekommene Toiletten: Die deutsche Anstaltspsychiatrie war bis in die 1970er Jahre von zahlreichen Missständen geprägt. Mit der Ausstellung "Die 'brutale Realität' sichtbar machen. Psychiatriekritische Fotografien aus den '68er'-Jahren" thematisiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) die unmenschlichen Lebensverhältnisse in den damaligen Anstalten. Zu sehen sind die Fotos von Sonntag (13.9.) bis Montag (21.9.) auf dem Gelände der LWL-Klinik Lengerich.

"Erst durch die 1971 gestartete westdeutsche Psychiatrie-Enquete-Kommission kam ein Diskurs über Sofortmaßnahmen zur Humanisierung der Krankensituation in Gang. Kommissionsmitglied Eberhard Kluge, der die Leitung des Westfälischen Landeskrankenhauses Warstein - heute: LWL-Klinik - innehatte, prägte diese Diskussion maßgeblich mit", erläutert Prof. Dr. Franz-Werner Kersting, Historiker im LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte. "In der Warsteiner Psychiatrie entstanden 1970/71 durch eine Aktion des Pflegers und Amateurfotografen Karl Klucken 122 Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die die 'brutale Realität' zeigen." Franz-Werner Kersting erarbeitete aus diesem Fotobestand zusammen mit Nicola Willenberg, Mitarbeiterin in der Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO) der WWU, im digitalen Sommersemester mit fünf Studierenden die Ausstellung.

"Die Dokumentation ist eine Form der zeitgenössischen Psychiatriekritik, die nicht primär von außen kam, sondern von innen, aus der 'totalen Institution' selbst. Das Foto-Setting veranschaulicht, wie und warum sich bestimmte Motive in das Bildgedächtnis der Psychiatrie eingeschrieben haben", betont Willenberg. Die Auswahl der Warsteiner Fotos ist erstmals für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich. Aufnahmen aus der LWL-Klinik Lengerich und zeitgenössische Filme ergänzen die Ausstellung. Gezeigt werden die Fotos in der AFO-Wissenschaftsbox im Rahmen der "Expedition Münsterland", die Geschichte und Öffentlichkeit in der Region zusammenführt.

Ausstellungseröffnung und Öffnungszeiten
Die Ausstellungseröffnung wird am "Tag des Offenen Denkmals" (13.9.) veranstaltet. Los geht es auf dem Gelände der LWL-Klinik Lengerich um 11 Uhr mit den Grußworten von Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin, Dr. Wilhelm Bauhus, Leiter der AFO, und Student Dennis Poschmann.

Die Ausstellung in der AFO-Wissenschaftsbox befindet sich auf dem Gelände vor dem Hauptportal der LWL-Klinik Lengerich, Parkallee 10, 49525 Lengerich.

Interessierte haben bis Montag (21.9.) täglich die Möglichkeit, sich die Ausstellung von 14 bis 18 Uhr anzuschauen.



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Pressekontakt:
Kathrin Nolte, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Tel. 0251 591-5706 (Mo bis Do) und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Anlagen:
Anlage 1: Ausstellungsflyer_Brutale Realität.pdf


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