Mitteilung vom 25.09.12
Presse-Infos | Psychiatrie
Zimmer frei?
Paderborn (lwl). Familien nehmen bei sich zu Hause fremde psychisch oder geistig behinderte Menschen auf, die sonst in Heimen wohnen müssten. Und dafür bekommen sie Geld. Kann das gut gehen? ¿Ja ¿ und wie!¿, sagt Alexandra Mader vom Fachteam des LWL-Wohnverbundes in Paderborn.
Seit 2003 gibt es das Angebot der Familienpflege von Seiten des Wohnverbundes Paderborn ¿ wie andernorts auch im Psychiatrieverbund des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Momentan leben im Kreis Paderborn 16 Menschen mit Behinderung in neun Familien. Sie werden von einem Wohnverbund-Fachteam betreut. Betreutes Wohnen in Familien ist ein weltweites und seit langem gelebtes, längerfristiges Betreuungsangebot für volljährige Menschen mit psychischer oder geistiger Behinderung. Es stellt damit eine Alternative zum klassischen Heimaufenthalt dar. In Deutschland leben mehr als 1000 Menschen in einer solchen Wohnform. Dennoch ist dieses Angebot vielen Menschen noch unbekannt.
Ein Beispiel aus der Praxis
Herr N. (50) lebte bis vor kurzem mit seiner Mutter zusammen in einem Haus. Seit langem leidet er an einer psychischen Erkrankung, die immer wieder mit Klinikaufenthalten einherging. Nach dem Tod der Mutter stellte sich die Frage, wie es für ihn weitergehen sollte. Alleine leben konnte er nicht, eine Heimunterbringung kam nicht in Frage. Sein gesetzlicher Betreuer nahm daraufhin Kontakt zum Team der Familienpflege des LWL-Wohnverbundes Paderborn auf. So konnte Herr N. in eine Familie vermittelt werden und wird seitdem dort betreut. Durch die Familie erhält Herr N. Unterstützung im Alltag und ein Gefühl des Dazugehörens. Gemeinsame Mahlzeiten oder auch Unternehmungen, wie zum Beispiel der Besuch des Schützenfestes im Ort, tragen dazu bei. Regelmäßig besucht eine Fachteam-Mitarbeiterin Herrn N. und die Familie, berät unter anderem bei Konflikten oder auch bei organisatorischen Dingen. Herr N. hat mittlerweile eine Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen aufgenommen und fühlt sich in seinem neuen Lebensumfeld sehr wohl.
Als Gastfamilien kommen sowohl klassische Familien als auch Alleinerziehende, Paare, Lebensgemeinschaften und Einzelpersonen in Frage. Voraussetzung ist die Bereitschaft, den ¿Gast¿ in den Lebensalltag zu integrieren und genügend Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Eine besondere fachliche Qualifikation ist nicht erforderlich, da sich gerade der ¿normale¿ Alltag positiv auf die neuen ¿Mitglieder¿ auswirkt. Die Erkrankung bzw. Behinderung rückt hierbei in den Hintergrund. Für die Versorgung und Betreuung der Gäste erhält die Familie ein monat-liches steuerfreies Entgelt. Zudem hat jede Familie einen Anspruch auf 28 Tage Urlaub im Jahr.
Familienpflege eignet sich für Menschen mit fast allen psychischen und geistigen Behinderun-gen, die sich eine Alternative zur stationären Unterbringung wünschen. Ausgenommen sind hierbei gewalttätige oder suizidgefährdete Personen.
Haben Sie noch ein Zimmer frei? Zurzeit sucht der LWL-Wohnverbund Paderborn interessierte Familien, die sich gerne sozial engagieren, Interesse daran haben, einen Menschen im Alltag zu unterstützen und bereit sind, ihn oder sie unter fachlicher Begleitung zu integrieren.
Kontakt:
LWL Wohnverbund Paderborn
Bereich Familienpflege
Agathastraße 1
33098 Paderborn
Telefon 05251/295 362
Ansprechpartnerin: Adelheid Aßmuth
Achtung Redaktionen:
Kompakte Hintergrund-Infos zum Thema Gastfamilien/Familienpflege inklusive Fallbeispiel finden Sie in Text und Film unter
http://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?urlID=23911
Pressekontakt:
Karl G. Donath, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org
LWL-Einrichtung:
LWL-Wohnverbund Paderborn
■Stationäres Wohnen ■Ambulant Betreutes Wohnen ■Tagesstrukturierende Angebote ■Betreutes Wohnen in Familien/Familienpflege
Westernstraße 19-21
33098 Paderborn Karte und Routenplaner
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 20.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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