LWL-Newsroom

Mitteilung vom 02.05.16

Foto zur MitteilungProsit! Museumsleiter Robert Laube und Kuratorin Astrid Blum an der Ausstellungsstation zum Thema Schnaps.
Foto: LWL/Appelhans


Foto zur MitteilungDie Knickerflaschen, deren Name auf die Verschlusskugel im Hals zurückgeht, waren bis in die 1950er Jahre für Limonade und Mineralwasser in Gebrauch.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungEmmy Olschewsky vor ihrer Trinkhalle in Castrop-Rauxel 1981.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungAus den 1930er Jahren stammt dieses Emailleschild, das Werbung für Milch macht.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungJunger Bergmann nach der Schicht mit Milchflasche, Kamp-Lintfort, ca. 1955.
Foto: LWL/Ludwig Windstosser


Foto zur MitteilungDie Bude von Emmy Olschewski steht jetzt auf der Henrichshütte. Im Innern laufen historische Werbefilme.
Foto: LWL/Appelhans


Foto zur MitteilungPeter Oberdellmann vom örtlichen Landwirtschaftsverband brachte eine Kuh mit ins Museum. Sie ist mit Fotos aus Hattinger Betrieben beklebt und kann sogar gemelkt werden.
Foto: LWL/Appelhans


Foto zur MitteilungHopfen fürs Bier. An Tast- und Riechstationen werden die Rohstoffe für die einzelnen Getränke vorgestellt.
Foto: LWL/Appelhans


Foto zur MitteilungSpeziell zur Ausstellung hat das Museum gemeinsam mit der Hattinger "Potteery" den "Hüttentee" aufgelegt. Er kann im Shop gekauft werden.
Foto: LWL/Appelhans


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Presse-Infos | Kultur

Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum

Ausstellung im LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen

Bewertung:

Hattingen (lwl). Bier für das Ruhrgebiet, Schnaps für Westfalen - was ist dran an den regionalen Vorlieben für spezielle Getränke? Die Ausstellung "Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum" geht auf Spurensuche. Sie zeigt die Entwicklung der Trinkkultur und Kultgetränke in Westfalen und dem Ruhrgebiet im Industriezeitalter. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eröffnet die Schau am Freitag (6.5.) um 19.30 Uhr in seinem Industriemuseum Henrichshütte Henrichshütte, wo sie bis zum 17. April 2017 zu sehen sein wird.

Mit zahlreichen Exponaten, Fotos und Dokumenten gibt die Ausstellung am Beispiel von Wasser, Limonade, Bier, Schnaps, Wasser, Milch, Kaffee und Tee einen Einblick in die Produktion, das Image und den Konsum des flüssigen Kulturguts im Wandel der Zeit. Welche Rolle spielten Getränke im Alltag? Wie haben sich die Trinkgewohnheiten in den letzten Jahrhunderten verändert? Welche Getränke haben Zuwanderer mit nach Deutschland gebracht? Gibt es typische regionale Trinkgewohnheiten? Diesen Fragen geht die Schau nach.

Beispiel Ruhrgebiet: "Die Versorgung von über fünf Millionen Menschen im Ruhrgebiet mit sauberem Trinkwasser war eine der größten infrastrukturellen Herausforderungen in der Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts", erläuterte LWL-Museumsleiter Robert Laube am Montag (2.5.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Hattingen. Dabei kam das Wasser nicht nur aus dem Hahn, sondern - mit Kohlensäure versetzt - aus der Seltersbude, die zu einem regionaltypischen Mittelpunkt des Siedlungslebens wurde. Zeitgleich komplettierte neben Kohle und Stahl das Bier den Dreiklang der Produktpalette aus dem Pott. "Dieser Dreiklang ist heute Geschichte, ebenso wie das Herrengedeck aus westfälischem Schnaps und Bier aus dem Revier", ergänzt Kuratorin Astrid Blum.

Wasser ist das natürlichste aller Getränke und heute doch ein High-Tech-Produkt. Maschinelle Produktion und künstliche Kohlensäure machten das Mineralwasser Ende des 19. Jahrhunderts im Ruhrgebiet populär. Aus den Verkaufsständen der Mineralquellen aus der Eifel entwickelten sich die Trinkhallen im Revier - bis heute eine weit verbreitete und hoch geschätzte Institution im Ruhrgebiet.

Die originale historische Trinkhalle von Emmy Olschewski aus dem Jahr 1921 bildet entsprechend den Mittelpunkt der Ausstellung. Bis 1998 stand sie in der Bergarbeitersiedlung Schwerin in Castrop-Rauxel. Die Trinkhalle sicherte der Bergmannswitwe Anna Jaeger und ihrer Tochter Emmy Jahrzehnte lang das Einkommen und galt als wichtiger Ort der Nahversorgung sowie Nachrichtentreff der Nachbarschaft.

Limonade wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Zuge der Mäßigkeitsbewegung als alkoholfreie Alternative zu Schnaps und Bier propagiert. Die Marke Sinalco - ein Kunstwort aus dem lateinischen "sine alcohol" - ohne Alkohol - trat ab 1905 aus dem ostwestfälischen Städtchen Lage und später Detmold ihren Siegeszug durch ganz Deutschland und Europa an.

Schnaps diente bis in die Anfänge der Industrialisierung als günstiger und haltbarer Energielieferant für die Ärmsten der Gesellschaft. Im Maschinenzeitalter brachten die berauschende Wirkung und drohende Alkoholsucht hochprozentigen Alkohol in Verruf. Vor allem in den ländlichen Regionen Westfalens haben Konsum und Herstellung von Schnaps bis heute jedoch ihre Bedeutung bewahrt.

Bier erlebte als erfrischendes Getränk mit geringem Alkoholgehalt im Industriezeitalter eine einzigartige Hochkonjunktur. Neue Brau- und Kühlverfahren machten Bier zum beliebten Massengetränk im Ruhrgebiet. Die Biermetropole Dortmund war Anfang der 1970er Jahre mit mehr als siebeneinhalb Millionen Hektolitern Bierausstoß pro Jahr in Europa Spitze. Mit dem Niedergang von Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie schwanden seit Mitte der 1960er Jahren die Massenarbeitsplätze, und auch der Bierkonsum ging deutlich zurück. Heute dominieren wenige Großbrauereien den deutschen Markt. Viele der bekannten Biersorten und Biermarken sind verschwunden. Einige wenige kleinere können sich jedoch am Markt behaupten.

Milch ist nahrhaft, galt aber wegen der geringen Haltbarkeit bis Anfang des 20. Jahrhunderts als riskant. Mit verbesserten Möglichkeiten zur Kühlung und Vorbeugung gegen Keime entwickelte sich die Milch schließlich vom Risikogetränk zum gesunden Grundnahrungsmittel. Der Mythos vom Gegenmittel bei Vergiftungen verankerte die Milch nicht nur in der Hausapotheke, sondern auch an gefährlichen Arbeitsplätzen in Kokereien und an Hochöfen.

Kaffee galt lange als teures Luxusgut für die "bessere Gesellschaft". Erst im 20.Jahrhundert breitete sich der Kaffeekonsum in allen Gesellschaftsschichten aus. Aus den Bergwerken des Ruhrgebiets war die "Kaffeepulle" bald nicht mehr wegzudenken. Heute ist Kaffee in seinen vielfältigen Formen das am meisten konsumierte Getränk in Deutschland.

Tee gelangte mit den Entdeckungsreisen aus Fernost nach Europa. Im Industriezeitalter entwickelte sich die Luxusware zum Massenprodukt. Hochofenarbeiter schätzten den Tee als Hilfe gegen hohen Flüssigkeitsverlust. Für viele Arbeiter aus Südeuropa bedeutete das Teetrinken in vertrauter Runde ein Stück Heimat in Deutschland.

Hattinger Trinkkultur
Wo wurden in Hattingen Getränke produziert? Wie kamen sie zu den Verbrauchern? Und wo wurden sie genossen? Was sich zwischen damals und heute vor Ort verändert hat, zeigt "Prost, Hattingen!", eine Ausstellungseinheit über Hattinger Trinkkultur. Sie führt in Kneipen, zu Altstadt-Festen, ins Hügelland und auf die Hütte.

Getränke spielten auf der Henrichshütte eine besondere Rolle. Ob am Hochofen, im Walzwerk oder in der Schmiede: überall wurde hier körperlich schwer gearbeitet und das meist an einem hitzigen Arbeitsplatz. Daher verlor der Körper eines Hochöfners etwa zehn Liter Flüssigkeit pro Schicht. Dem Betrieb war es wichtig, dass ein Arbeiter trotzdem weiter gut "funktionierte" und die Produktion auf der Hütte optimal ablief. Der enorme Flüssigkeitsverlust musste stets wieder ausgeglichen werden. "Deshalb wurde 1926 für die ausreichende Versorgung der Arbeiter mit gesunden, also nicht alkoholischen Getränken eine Mineralwasseranlage auf dem Hüttengelände eingerichtet. Dort konnte jeder gegen Pfand den eigenen Durst mit dem vor Ort abgefüllten Sprudel löschen", erklärt Astrid Blum.

1957 empfahl der Werksarzt der Henrichshütte den Arbeitern Tee zu trinken, da kühles Mineralwasser häufig zu Magen-Darm-Störungen führe. Dass dieses Hüttentee-Rezept mit reichlich Zucker schließlich ganz andere Auswirkungen hatte, merkten die Arbeiter später beim Gang auf die Waage. Eine zeitgemäße Version des "Hüttentees" wurde für die Ausstellung entwickelt und kann im Museumsshop erworben werden.

Aber nicht nur die Hütte liefert Geschichten zur Trinkkultur Hattingens. Die Stadt und ihre Bewohner selbst bieten Einblicke in die historische Kultur der Getränke: 195 Jahre lang wurde in Hattingen Schnaps im Familienbetrieb Weygand produziert. An der ehemaligen Produktionsstätte des bekannten "Weygänders" steht heute das Reschop Carré. Kaffee wurde und wird wieder in Hattingen geröstet. Die Kaffeerösterei Hildebrandt, die von 1911 bis 1972 bestand, röstete Kaffee aus bis zu 20 verschiedenen Kaffee-"Partien". Heute gibt es "Mayola", einen kleinen Röstbetrieb, der 500 Metern von der damaligen Rösterei Hildebrandt entfernt steht. Ein kleiner und erfolgreicher Betrieb: zwei Röstmischungen machten beim Verkostungswettbewerb der Deutschen Röstergilde den ersten Platz.

Gewandelt hat sich auch die Kneipenkultur in Hattingen. Werner Traxler und Friedel Diergardt, die Inhaber vom "Odeon" und "Kühlem Grund", berichten von "Bierschwemmen" der Arbeiter, Eckkneipen in den 1970ern und dem Gastronomiebesucher von heute. Damals gab es zum Herrengedeck oder den zehn Pils vielleicht eine Frikadelle oder Mettwurst dazu. Heute ist das Getränk, ob angesagter Longdrink oder rares Craft-Beer, eher Ergänzung zum gewünschten kulinarischen Hochgenuss. Gestern wie heute ziehen Hügelland und Altstadt Ausflügler wie Einwohner an und in die dortigen gastronomischen Betriebe. Nicht mehr täglich, eher zum gepflegten Essen oder attraktivem Event wie dem alljährlichen Altstadtfest. Zumindest dann ist die Theke wieder der Ort, wo Hattingen sich trifft.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, eine Broschüre "Prost, Hattingen!" folgt im Juni. Die Ausstellung wird begleitet von Filmen und Vorträgen, Verkostungen und Exkursionen.


Begleitprogramm (2016):

Mittwoch, 11. Mai, 19 Uhr
Filmabend: Eins Zwei Drei (US 1961, 115 Min.). Eintritt frei

Mittwoch, 8. Juni, 19 Uhr
Filmabend: Cocktail (US 1988, 99 Min., FSK 16). Eintritt frei
Mittwoch, 13. Juli, 19 Uhr

Mittwoch, 13. Juli, 19 Uhr
Filmabend: Angels‘ Share - Ein Schluck für die Engel (GB/FR/BE/IT 2012,
101 Min., FSK 12). Eintritt frei

Freitag, 29. Juli, 15.30 Uhr Exkursion; 18.30 Uhr Vortrag
Exkursion zum Milchbauern Martin Schlenkermann, Dauer: ca. 2,5 Std.,
Anmeldung erforderlich, kostenfrei (max. 20 Teilnehmer).
Vortrag zum Thema Milch von Robert Laube

Mittwoch, 10. August, 19 Uhr
Filmabend: Sideways (US 2004, 127 Min., FSK 12). Eintritt frei

Freitag, 26. August, 19 Uhr
Bierverkostung mit Biersommelier Matthias Kliemt, Anmeldung erforderlich,
15 Euro p. P. (max. 25 Teilnehmer)

Mittwoch, 7. September, 19 Uhr
Filmabend: Wasser - Der Film (GB 1985, 85 Min., FSK 12);
Durst! (DE 2014, 100 Min.). Eintritt frei

Freitag, 16. September, 23. September und 30. September, jeweils 19 Uhr
Whisky-Tasting: das flüssige Gold Schottlands mit Hartmut Kreienbrock, Anmeldung
unter whiskytreff@email.de, 40 Euro p. P. (max. 25 Teilnehmer)

Mittwoch, 19. Oktober, 19 Uhr
Filmabend: Beerland (DE 2012, 85 Min.);
Drinking Buddies (US 2013, 90 Min., FSK 12). Eintritt frei

Donnerstag, 27. Oktober, 18.30 Uhr
Film & Vortrag: "Der Brunnenbauer" & "Der Fassbinder" von und mit Benedikt Kuby

Freitag, 28. Oktober, 15.30 Uhr
Exkursion zur Brennerei Hegemann, Dauer: ca. 2 Std., Anmeldung
erforderlich, 5 Euro p.P. (max. 20 Teilnehmer)

Mittwoch, 9. November, 19 Uhr
Filmabend: Herr Lehmann (DE 2003, 109 Min., FSK 12)

Freitag, 25. November, 17 Uhr
Kaffeeseminar: "Cupping" mit Kaffeeröster und Mayola-Chef Olaf Scherff,
Anmeldung erforderlich, 15 Euro p. P. (max. 20 Teilnehmer)

Mittwoch, 7. Dezember, 19 Uhr
Filmabend: "Schnaps, das war sein letztes Wort"
Nord (NO 2009, 82 Min., FSK 12)
Der Trinker (DE 1995, 99 Min., FSK 16) Eintritt frei

Freitag, 16. Dezember, 12 Uhr Exkursion; 18.30 Uhr Vortrag
Exkursion zu den Mineralquellen Hövelmann, Dauer: ca. 4 Std.,
Anmeldung erforderlich, 5 Euro p. P. (max. 20 Teilnehmer).
Vortrag zum Thema Wasser von Dietmar Osses


Zum Wohl. Getränke zwischen Kultur und Konsum
6.5.2016-17.4.2017
LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen
Geöffnet Do-So 10.18 Uhr, Fr 10-20 Uhr
http://www.lwl-industriemuseum.de



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Werksstr. 31-33
45527 Hattingen
Karte und Routenplaner



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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