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Mitteilung vom 07.02.01

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LWL-Tagung: Rechtsextremismus ist kein reines Jugendphänomen

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"Die Jugendhilfe kann zwar nicht allein Feuerwehr gegen den Rechtsextremismus sein, sie hat aber in ihren Einrichtungen Chancen, demokratische Erfahrungen gegen Extremismus und Hass zu festigen." Darüber waren sich Experten und Praktiker der Jugendhilfe auf einer Tagung des Landesjugendamtes Westfalen-Lippe in Münster am Mittwoch (7. Februar 2001) einig. Sie tauschten sich beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zum Thema "Stärkung von Demokratie und Zivilcourage als Antwort der Jugendhilfe auf Extremismus und Gewalt" aus.

Auch die Fachkräfte der Jugendhilfe müssen ihr Verhältnis zu anderen Ethnien und zum Rassismus überdenken. Deshalb stellte Anne Broden von der Informations- und Dokumentationsstelle gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit Nordrhein-Westfalen (IDA) ein Anti-Rassismus-Training für Fachkräfte der Jugendhilfe vor.

"Jugendliche reagieren auf Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, der in der ganzen Gesellschaft verbreitet ist. Solche Orientierungen nehmen besonders Kinder und Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau auf, die wenig Chancen in der Gesellschaft haben und sich als ‘Verlierer' fühlen. Solche allgemeinen Ursachen von Rechtsextremismus kann Jugendhilfe nicht alleine bekämpfen, hier ist eine gemeinsame gesellschaftliche Anstrengung nötig. Jugendhilfe übernimmt aber ihre Aufgabe, Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung zu selbstständigen Persönlichkeiten und Gesellschaftsmitgliedern zu fördern", darin waren sich die Hauptreferenten Prof. Dr. Rainer Dollase, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld und Dr. Benedikt Sturzenhecker (LWL-Landesjugendamt) einig.

Wer in der Kindheit Selbstvertrauen erlerne, habe es weniger nötig, auf Fremde feindlich zu reagieren. Wer als Jugendlicher erfahre, dass er gesellschaftlich anerkannt werde und politisch mitbestimmen könne, brauche keine Schuldzuweisung und Ausgrenzung anderer. "Um Kindern und Jugendlichen solche Erfahrungen zu ermöglichen, übt Jugendhilfe in Tageseinrichtungen für Kinder, Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit demokratisches Handeln ein.Gemeinsam mit Politikern aus den Kreisen und Gemeinden will Jugendhilfe erfahrbar machen, dass Demokratie funktioniert und Freiheit und Solidarität erst möglich macht", so die Experten weiter.

Auf der Tagung wurden unterschiedliche Projekte der Jugendhilfe präsentiert, die den Jugendlichen Anerkennung vermitteln und versuchen, Erfahrungen gegen Rechtsextremismus zu vermitteln. Zunächst berichtete Marita Ingenfeld vom Verein Frauen unterstützen Mädchenarbeit aus Gladbeck über die Rolle, die Mädchen und junge Frauen im Rechtsextremismus spielen.

"Von klein auf gegen Rassismus", so lautet das Konzept interkultureller Arbeit in Tageseinrichtungen für Kinder, das Gerd Detering vom Jugendamt der Stadt Bad Salzuflen und Peter Buchmann vom AWO-Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe vorstellten. Daniel Binder vom Jugendamt der Stadt Dortmund zeigte eine Videodokumentation über ein Musikprojekt gegen Gewalt aus der Offenen Jugendarbeit: Jugendliche bearbeiten ihre Alltagserfahrungen in Hip Hop-Texten, eignen sich so neue Kompetenzen an und können stolz sein auf ihre Produkte. In den Texten, die sie öffentlich anderen Jugendlichen vorstellen, wenden sie sich gegen Gewalt und setzen so Normen für Gleichaltrige.

Das Berufsorientierungszentrum Ahaus (eine Jugendsozialarbeitseinrichtung der Berufsbildungsstätte Westmünsterland) setzt einen Schwerpunkt auf die Gestaltung von Beziehungen und hilft den Jugendlichen, deutliche Grenzen gegenüber Gewalt und Extremismus zu setzen. Darüber berichtete die hauptamtliche Pädagogin Gabriele Martin. Hermann Kohaus aus der Josefschule für Erziehungshilfe in Wettringen referierte über Methoden des Anti-Gewalt-Trainings mit rechtsextremen Jugendlichen. Mit deutlichen Erfolgen hat das Josefshaus Methoden entwickelt, wie in einem intensiven therapeutischen Ansatz die "Gewaltsucht" von rechtsextremen Jugendlichen (besonders Jungen) "geheilt" werden kann. Ein wichtiges Element der Entwicklung von Zivilcourage gegen Extremismus ist auch die Selbstorganisation von Migranten, die sich für ein gleichberechtigtes Miteinander in einer Vielfaltsgesellschaft engagieren. Dazu stellte Ingibjörg Pétursdóttir das Konzept des Multikulturellen Forums aus Lünen vor.

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