LWL-Newsroom

Mitteilung vom 02.05.17

Foto zur MitteilungMuseumsleiter Dr. Arnulf Siebeneicker, LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale und Volontär Michael Grünwald an der Bude von Emmy Olschewski.
Foto: LWL/Hudemann


Foto zur MitteilungInstallation zum Thema Bier in der Ausstellung "Zum Wohl".
Foto: LWL/Hudemann


Foto zur MitteilungDer Kaffeeröster von 1935 steht im Mittelpunkt des Ausstellungsbereichs zum Thema Kaffee.
Foto: LWL/Hudemann


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Presse-Infos | Kultur

Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum

Ausstellung im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg

Bewertung:

Waltrop (lwl). Bier für das Ruhrgebiet, Schnaps für Westfalen - was ist dran an den regionalen Vorlieben für spezielle Getränke? Die Ausstellung "Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum" geht auf Spurensuche. Sie zeigt die Entwicklung der Trinkkultur und Kultgetränke in Westfalen und dem Ruhrgebiet im Industriezeitalter. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eröffnet die Schau im Rahmen des Museumsfestes am Sonntag (7.5.) um 14 Uhr in seinem Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop (Kreis Recklinghausen), wo sie bis zum 14. Januar 2018 zu sehen sein wird.

Mit zahlreichen Exponaten, Fotos und Dokumenten gibt die Wanderausstellung am Beispiel von Wasser, Limonade, Bier, Schnaps, Wasser, Milch, Kaffee und Tee einen Einblick in die Produktion, das Image und den Konsum des flüssigen Kulturguts im Wandel der Zeit. Welche Rolle spielten Getränke im Alltag? Wie haben sich die Trinkgewohnheiten in den letzten Jahrhunderten verändert? Welche Getränke haben Zuwanderer mit nach Deutschland gebracht? Gibt es typische regionale Trinkgewohnheiten? Diesen Fragen geht die Ausstellung nach.

"Die Versorgung von über fünf Millionen Menschen im Ruhrgebiet mit sauberem Trinkwasser war eine der größten infrastrukturellen Herausforderungen in der Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts", erläuterte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale am Dienstag (2.5.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Waltrop. Dabei kam das Wasser nicht nur aus dem Hahn, sondern - mit Kohlensäure versetzt - aus der Seltersbude, die zu einem regionaltypischen Mittelpunkt des Siedlungslebens wurde. Zeitgleich komplettierte neben Kohle und Stahl das Bier den Dreiklang der Produktpalette aus dem Pott. "Dieser Dreiklang ist heute Geschichte, ebenso wie das Herrengedeck aus westfälischem Schnaps und Bier aus dem Revier", ergänzt LWL-Museumsleiter Dr. Arnulf Siebeneicker.

Die originale historische Trinkhalle von Emmy Olschewski aus dem Jahr 1921 bildet entsprechend den Mittelpunkt der Ausstellung. Bis 1998 stand sie in der Bergarbeitersiedlung Schwerin in Castrop-Rauxel. Die Trinkhalle sicherte der Bergmannswitwe Anna Jaeger und ihrer Tochter Emmy Jahrzehnte lang das Einkommen und galt als wichtiger Ort der Nahversorgung sowie als Nachrichtentreff der Nachbarschaft.

Wasser ist das natürlichste aller Getränke und heute doch ein High-Tech-Produkt. Maschinelle Produktion und künstliche Kohlensäure machten das Mineralwasser Ende des 19. Jahrhunderts im Ruhrgebiet populär. Aus den Verkaufsständen der Mineralquellen aus der Eifel entwickelten sich die Trinkhallen im Revier - bis heute eine weit verbreitete und hoch geschätzte Institution im Ruhrgebiet.

Limonade wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Zuge der Mäßigkeitsbewegung als alkoholfreie Alternative zu Schnaps und Bier propagiert. Die Marke Sinalco - ein Kunstwort aus dem lateinischen "sine alcohol" - ohne Alkohol - trat ab 1905 aus dem ostwestfälischen Städtchen Lage und später Detmold ihren Siegeszug durch ganz Deutschland und Europa an.

Schnaps diente bis in die Anfänge der Industrialisierung als günstiger und haltbarer Energielieferant für die Ärmsten der Gesellschaft. Im Maschinenzeitalter brachten die berauschende Wirkung und drohende Alkoholsucht hochprozentigen Alkohol in Verruf. Vor allem in den ländlichen Regionen Westfalens haben Konsum und Herstellung von Schnaps bis heute jedoch ihre Bedeutung bewahrt.

Bier erlebte als erfrischendes Getränk mit geringem Alkoholgehalt im Industriezeitalter eine einzigartige Hochkonjunktur. Neue Brau- und Kühlverfahren machten Bier zum beliebten Massengetränk im Ruhrgebiet. Die Biermetropole Dortmund war Anfang der 1970er Jahre mit mehr als siebeneinhalb Millionen Hektolitern Bierausstoß pro Jahr in Europa Spitzenreiter. Mit dem Niedergang von Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie schwanden seit Mitte der 1960er Jahren die Massenarbeitsplätze, und auch der Bierkonsum ging deutlich zurück. Heute dominieren wenige Großbrauereien den deutschen Markt. Viele der bekannten Biersorten und Biermarken sind verschwunden. Doch gerade in letzter Zeit finden auch kleine Brauereien mit Nischenprodukten vermehrt neue Kunden.

Milch ist nahrhaft, galt aber wegen der geringen Haltbarkeit bis Anfang des 20. Jahrhunderts als riskant. Mit verbesserten Möglichkeiten zur Kühlung und Vorbeugung gegen Keime entwickelte sich die Milch schließlich vom Risikogetränk zum gesunden Grundnahrungsmittel. Der Mythos vom Gegenmittel bei Vergiftungen verankerte die Milch nicht nur in der Hausapotheke, sondern auch an gefährlichen Arbeitsplätzen in Kokereien und den Gasschleppern des Bundesschleppbetriebes.

Kaffee galt lange als teures Luxusgut für die "bessere Gesellschaft". Erst im 20. Jahrhundert breitete sich der Kaffeekonsum in allen Gesellschaftsschichten aus. Aus den Bergwerken des Ruhrgebiets war die "Kaffeepulle" bald nicht mehr wegzudenken. Heute ist Kaffee in seinen vielfältigen Formen das am meisten konsumierte Getränk in Deutschland.

Tee gelangte mit den Entdeckungsreisen aus Fernost nach Europa. Im Industriezeitalter entwickelte sich die Luxusware zum Massenprodukt. Hochofenarbeiter schätzten den Tee als Hilfe gegen hohen Flüssigkeitsverlust. Für viele Arbeiter aus Südeuropa bedeutete das Teetrinken in vertrauter Runde ein Stück Heimat in Deutschland.


Begleitprogramm

Führungen, Vorträge, Verkostungen und Exkursionen begleiten die Ausstellung:

Führungen durch die Sonderausstellung
Sonntag, 4. Juni, 18. Juni, 2. Juli, 16. Juli, 6. August, 20. August, 3. September, 17. Septem-ber, 15. Oktober, 19. November, 17. Dezember, 7. Januar sowie Dienstag, 3. Oktober, immer um 14.30 Uhr; nur Museumseintritt, keine Anmeldung erforderlich

Samstag, 3. Juni, 19.30 Uhr
Whisky-Tasting: Die Whisky Universität - 1. Semester: Einsteigerseminar - Von der Gerste bis Single Malt, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Samstag, 24. Juni, 18-2 Uhr
Extraschicht - Die lange Nacht der Industriekultur. Mit Musik, Thea¬ter, einem ganz speziell beleuchteten Hebewerk und Aktio¬nen rund um die Ausstellung "Zum Wohl!". Sondereintritt Infos: www.extraschicht.de

Samstag, 15. Juli, 17 Uhr
Whisky-Tasting: Irish Folk meets Irish Whiskey, Leckeres von der grünen Insel, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Freitag, 21. Juli, 15.30 Uhr
Exkursion: Bier, zur Privatbrauerei Moritz Fiege, max. 25 Teilnehmer, 15,85 Euro pro Person inkl. Verpfle¬gung und ÖPNV. Anmeldung erforderlich

Samstag, 19. August, 19.30 Uhr
Whisky-Tasting: Whisky in Cocktails - Wie kombiniere ich Whisky mit weiteren Zutaten?
mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Samstag, 2. September, 19.30 Uhr
Whisky-Tasting: Die Whisky Universität - 2. Semester: Von Single Malt über Bourbon bis hin zu Blend, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Freitag, 8. September, 15.30 Uhr
Exkursion zum Bauernhof von Familie Billmann, Dauer: ca. zwei Stunden, Eintritt frei (max. 20 Teilnehmer), Anmeldung erforderlich

Dienstag, 26. September, 19 Uhr
Vortrag zum Thema Bier von Jorma Wagner, Eintritt frei

Freitag, 6. Oktober, 19.30 Uhr
Whisky-Tasting: Fassstärke - Caskstrength frisch aus dem Fass, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Freitag, 10. November, 19.30 Uhr
Whisky-Tasting: Whiskey aus ungewöhnlichen Holzfässern, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Dienstag, 7. November, 19 Uhr
Vortrag zum Thema Kaffee von Willi Kulke, Eintritt frei

Dienstag, 21. November, 19 Uhr
Vortrag zum Thema Milch von Robert Laube, Eintritt frei

Freitag, 8. Dezember, 19.30 Uhr
Whisky-Tasting: Ein Whisky-Weltreise - Whiskys aus aller Welt und für jeden Geschmack, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Dienstag, 12. Dezember, 19 Uhr
Vortrag zum Thema Wasser von Dietmar Osses, Eintritt frei

Samstag, 6. Januar, 19.30 Uhr
Whisky-Tasting: Old and Rare - Alte Whiskys und Raritäten, mit Sebastian Büssing,
max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 50 Euro pro Person

Zum Wohl. Getränke zwischen Kultur und Konsum
7.5.2017-14.1.2018

LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Geöffnet Di-So 10-18 Uhr (letzter Einlass: 17:30 Uhr)
http://www.lwl-industriemuseum.de


LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Am Hebewerk 26
45731 Waltrop



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Dr. Arnulf Siebeneicker, Telefon: 02363 9707-0, schiffshebewerk@lwl.org.
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Am Hebewerk 26
45731 Waltrop
Karte und Routenplaner



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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