LWL rettet Pfarrarchiv aus Grimma
Gefrorene Dokumente werden in einzigartigem Verfahren getrocknetEverswinkel/Münster (lwl). Das Wasser sinkt und lässt zerstörte Städte in Ostdeutschland zurück. Von den Folgen der Flutkatastrophe machte sich am Wochenende auch Reinhold Sand vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ein Bild. Der Leiter der Restaurierungswerkstatt des LWL-Archivamtes war nach Dresden gereist, um dort durchnässte Akten zu verpacken und nach Münster zu bringen. Im Westfälischen Archivamt werden die Unterlagen in den nächsten Wochen in einem schonenden Verfahren getrocknet und anschließend von Schlamm und Schmutz befreit.
Zwei Kühl-Lastwagen mit insgesamt 80 Euro-Paletten - das entspricht dem Inhalt von etwa 120 Haushaltsgefrierschränken - kamen am Montag vormittag (26. August) aus Dresden in Everswinkel an. Ein weiterer Lkw brachte 22 Paletten mit wertvollen kirchlichen Archivalien aus Grimma in das Kühlhaus. Die erste Begutachtung von Reinhold Sand und Rickmer Kießling vom LWL-Archivamt: "Die Bücher und Akten sind sofort eingefroren worden und deswegen in einem relativ guten Zustand. Schimmel konnte sich so noch nicht bilden. Aber wir müssen die Eisblöcke erst antauen, um sie dann weiter behandeln zu können." Das bedeutet, dass mehr Arbeit auf die Archivare zukommt, als zunächst angenommen.
Mit einer feinen Eisschicht überzogen ist zum Beispiel eine Akte von 1617. Rickmer Kießling entdeckte beim ersten Blick auf die gefrorenen Dokumente auch alte Kirchenbücher, die vor der Zerstörung bewahrt wurden. "Für die Region dort sind das unersetzbare historische Unterlagen", so Kießling.
Das LWL-Archivamt in Münster besitzt als einziges Archiv in Deutschland eine Gefriertrocknungsanlage. Die Akten werden zunächst eingefroren und anschließend dem Vakuum in der Anlage ausgesetzt. Das Eis wird zu Gas und kann abgesaugt werden, ohne dass sich überhaupt wieder Wasser bilden kann. Dadurch werden Schäden am Papier und Schimmelbildung vermieden.
Ein einzigartiges Verfahren, das allerdings viel Zeit kostet: Bei einem Durchlauf, der bis zu einer Woche dauert, können in der Anlage zwei Kubikmeter Papier - also zwei Euro-Paletten - getrocknet werden. Es werden daher Monate, wenn nicht Jahre vergehen, bis die Dokumente aus Grimma und die Akten des Dresdener Unternehmens ihre Rückreise antreten können.
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