LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 25.04.13

Presse-Infos | Kultur

Wanderarbeit: Mensch - Mobilität - Migration

LWL zeigt neue Sonderausstellung im Ziegeleimuseum Lage

Bewertung:

Lage (lwl). In den nächsten Wochen, wenn der Spargel auf den Feldern zur Ernte ansteht, sieht man sie wieder: Kolonnen von Spargelstechern, die von früh bis spät auf den Feldern arbeiten und in Wohnwagen leben, solange die Saison läuft. Die polnischen Wanderarbeiter stehen für ein Phänomen, das heute genauso wie in der Geschichte zu beobachten ist. Den Gründen und Folgen der Arbeitswanderung damals wie heute geht eine Ausstellung nach, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 28. April bis 29. September 2013 in seinem Ziegeleimuseum Lage (Kreis Lippe) zeigt. "Wanderarbeit. Mensch - Mobilität - Migration" heißt die neue Schau.

"Das Thema brannte uns schon lange auf den Nägeln", so LWL-Museumsleiter Willi Kulke. Denn es knüpfe direkt an ein zentrales Thema des LWL-Museums an. Über Jahrhunderte zogen Wanderziegler während der Kampagne von Frühjahr bis Herbst los, um in auswärtigen Ziegeleien zu arbeiten.

Die Ausstellung "Wanderarbeit" setzt acht historische Wanderberufe in Szene und stellt ihnen sieben aktuelle Berufsfelder entgegen: Schäfer, Schausteller, lippische Ziegler, Scherenschleifer, ostwestfälische Heringsfänger, Amerikaauswanderer, italienische Eismacher, spanische Gastarbeiter - dies sind die klassischen Wanderarbeitsberufe in der Geschichte. Als Arbeitsmigranten heutiger Tagen werden Bauarbeiter, polnische Spargelstecher, rumänische Pflegekräfte, Pendler, Beschäftigte in Callcentern, Auswanderer und Flüchtlinge auf Lampedusa vorgestellt.

Das Spektrum der Exponate reicht von historischen Schleiferkarren aus dem 19. Jahrhundert über das funktionsfähige Spielkarussell eines Schaustellers bis zu den angeschwemmten Habseligkeiten der Lampedusa-Flüchtlinge. Zu sehen ist auch der silberne Löffel des Zieglers Christoph Friedrich Karl Schweppe, den ihm der Ziegeleibesitzer für 25-jährige treue Arbeit schenkte. Der ausgestellte Eiswagen von 1903 stammt aus Recklinghausen und steht heute normalerweise in einem Museum in Zoldo (Dolomiten).

Eins ist den Arbeitsmigranten damals wie heute gemeinsam: Sie wandern, weil ihr Beruf es erfordert oder weil sie in der Heimat nicht genügend Arbeit finden. Neben wirtschaftlicher Not, Armut, Karriere oder der Lust auf Abenteuer und Veränderung spielt heute auch die Globalisierung des Arbeitsmarktes eine große Rolle. Willi Kulke: "Angebot und Nachfrage sind die hauptsächlichen Beweggründe, warum Menschen für ihre Arbeit den Wohnort oder das Land wechseln müssen. Sie werden damit zu dauerhaften oder temporären Wanderarbeitern."

Historische und moderne Arbeitswelten

Im Mittelpunkt der 15 Ausstellungsbereiche stehen das Leben der Menschen und die Folgen der Arbeitswanderung für die Gesellschaft. Jede Abteilung greift zentrale Begriffe wie Heimat, Fernweh, Heimweh, Aufbruch, Angst, Hoffnung, Sehnsucht, Mobilität, Einsamkeit, Fremde, Gemeinschaft, Flucht, Neubeginn, Abenteuer und Außenseiter auf und stellt sie in einen historischen und in einen aktuellen Zusammenhang.

Die Ausstellung stellt auch Fragen an die Zukunft: Welche Folgen hat es für Familien und Freundschaften, wenn sich Arbeit weiter globalisiert? Was bedeutet die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren? Wird sich die Konkurrenz zwischen unterschiedlich bezahlten Arbeitskräften in Europa und Asien noch weiter verstärken? Konkurrieren die polnischen Erntehelfer bereits mit noch günstigeren Arbeitern aus der Ukraine oder aus Aserbaidschan? "Die Mobilität der Arbeit hat soziale und ökonomische Auswirkungen und bedeutet gleichzeitig den Verlust von Heimat, Sicherheit und langfristiger Lebensplanung. Die Folgen dieser Entwicklung tragen nicht nur die Beschäftigten selbst, sondern auch ihre Familien und ihr soziales Umfeld", so der LWL-Museumsleiter.

Am Ende können die Besucher selbst aktiv werden: In der Abteilung über die im Fernsehen so beliebten Doku-Soaps zu Auswanderern werden Gäste aufgefordert, ihre eigenen Vorstellungen und Auswandererträume zu Papier bringen und an eine Pinnwand zu stecken.

"Wanderarbeit" gehört zu einer Reihe von Ausstellungen, die das LWL-Industriemuseum mit seinen insgesamt acht Standorten in Westfalen-Lippe in den vergangenen Jahren zu verschiedenen Aspekten von Migration gezeigt hat. Die Präsentation in Lage ist als Wanderausstellung konzipiert. Weitere Stationen sind das LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) und die Zeche Hannover in Bochum.


Die Ausstellung wird am Sonntag, 28. April, um 11 Uhr eröffnet. Ein Grußwort wird Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, sprechen. Gäste sind herzlich willkommen.


Begleitbuch
LWL-Industriemuseum (Hg.):
Wanderarbeit. Mensch - Mobilität - Migration
Klartext Verlag , Essen 2013.
ISBN 978-3-8375-0957-1, 160 Seiten, Preis 14,95 Euro.

Begleitprogramm (Auswahl)

9. Juni, 14 Uhr
Wie wollen wir alt werden?

Vortrag mit dem geschäftsführenden Vorstand des Vereins "Ambulante Dienste e.V." Harald Wölter aus Münster über Konzepte des Lebens im eigenen Quartier.

4. August, 14 Uhr
Erzählcafé mit ostwestfälischen Heringsfängern

Die Petershagener Brüder Koch waren über Jahre als Heringsfänger auf der Nordsee tätig. Wie sah der Arbeitsalltag eines Heringsfängers auf See aus? Welche Auswirkungen hatte die Saisonarbeit für das Familienleben der Familie Koch? Diese und weitere Seefahrtsgeschichten werden in einer gemütlichen Runde bei Kaffee und Kuchen im Museumscafé erzählt.

21. Juli 2013, 14-17 Uhr
Scheren schleifen lassen

Der Augustdorfer Messer- und Scherenschleifer Guido Morsbach ist vor Ort am LWL-Ziegeleimuseum Lage und wartet auf Arbeit. Museumsbesucher können ihre Messer und Scheren mit ins Museum bringen und sie für ein kleines Entgelt vom Fachmann schleifen lassen. Verkauft werden auch Qualitätsprodukte aus Solingen. Nebenbei erfahren die Besucher Interessantes zum historischen Berufsfeld des Scherenschleifers.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Willi Kulke, LWL-Industriemuseum Ziegelei Lage, Tel. 05232 9490-11
presse@lwl.org



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32791 Lage
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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