LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 30.11.12

Foto zur MitteilungKirschblüten an Weihnachten sollen Glück bringen.
Foto: LWL-Archiv/Theo Klein-Happe


Foto zur MitteilungDenkmal der heiligen Barbara in Hörstel-Bevergern im Kreis Steinfurt.
Foto: LWL-Archiv/Erich Brune


Foto zur MitteilungFeierlicher Einzug zum letzten Bergmannsgottesdienst in Bochum-Langendreer im Jahr 1966. Auf der Fahne dieses Knappenvereins aus Geldern ist die heilige Barbara zu sehen.
Foto: LWL-Archiv/Karl Schmidthaus


Zum Herunterladen bitte mit der linken Maustaste auf das Foto klicken. Nachdem sich das neue Fenster geöffnet hat, bitte das Foto mit der rechten Maustaste speichern.

Die zum Download angebotenen Fotos dürfen nur mit Fotonachweis und gemeinsam mit der Pressemitteilung oder dem Thema verwendet werden, in deren Zusammenhang sie veröffentlicht wurden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht gestattet. Bei Ausstellungen ist die Reproduktion nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Ausstellung erlaubt. Bei einer anderweitigen Nutzung sind Sie verpflichtet, selbständig die Fragen des Nutzungsrechts zu klären.

Presse-Infos | Kultur

Am Barbaratag Zweige schneiden

LWL-Volkskundler beleuchten vorweihnachtlichen Brauch

Bewertung:

Westfalen (lwl). Gewöhnlich handelt es sich bei den Barbarazweigen um Zweige des Kirschbaums, aber das wird in Westfalen nicht so eng gesehen: In den Berichten der Volkskundlichen Kommission beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ist auch von Forsythien, Pflaume, Apfel, Weißdorn, Birne, Kastanie, Mandel oder Pfirsich die Rede. "Einer alten Tradition zufolge werden die Zweige am 4. Dezember, dem Barbaratag, abgeschnitten und in einem beheizten Raum in eine Vase gestellt, in der Hoffnung, dass sie an Weihnachten blühen", so die LWL-Kulturwissenschaftlerin Evelyn Hammes.

Vor allem Kinder waren gespannt, wie sich ihre Äste entwickelten, denn die blühenden Zweige galten als Glücks- und Ernteorakel, wie der Bericht aus dem Jahr 1959 eines Zeitzeugen aus Sundern (Sauerland) zeigt: "Kurz vor Weihnachten besuchten wir uns schon gegenseitig, um festzustellen, wessen Knospen am ersten aufsprangen, denn dieser hatte auch wie wir damals glaubten im neuen Jahr das meiste Glück. Trugen die aufgesprungenen Knospen reichlich Blüten, so deutete das, wie meine Eltern sagten, die auch sehr an dieser unserer Spielerei interessiert waren auf ein gutes Obstjahr und vor allen Dingen eine schöne Blütezeit."
Aus dem Kreis Paderborn und aus Dortmund liegen Quellen vor, die auf eine romantischere Art der Vorhersage abzielen. Hier galten die Barbarazweige als Liebesorakel: "Barbarazweige im Hause bringen Glück, sagt der Volksmund. Den jungen Mädchen sollen sie bedeuten, daß sie im kommenden Jahr den Gefährten fürs Leben finden!"

Als Weissagung reiht sich dieser Brauch ein in die Riege der Los-Tage. Das sind Tage, an denen nach dem Volksglauben Vorhersagen möglich sind. So gab es beispielsweise die Tradition, an Heiligabend rückwärts die Diele entlangzugehen. Man glaubte dabei zu sehen, was den Bewohnern des Hauses im kommenden Jahr widerfahren würde. In der Silvesternacht stellten sich die Töchter eines Hauses mit dem Rücken zur Tür auf und warfen einen Pantoffel über ihren Kopf. Wessen Pantoffel mit der Spitze zur Tür zeigte, der würde als nächstes heiraten. "So befremdlich manche dieser Vorstellungswelten heutzutage auf uns wirken mögen, letztlich verweisen sie doch auf das grundlegende Bedürfnis mehr über die Zukunft zu erfahren", so Hammes. "Außerdem muss man sich vergegenwärtigen, dass es noch vor wenigen Jahrzehnten für eine Frau weitaus elementarer war zu heiraten als heute."
Doch auch vor 50 Jahren verband nicht jeder mit den Barbarazweigen eine besondere (prophetische) Bedeutung. Viele freuten sich einfach nur darüber, an Weihnachten etwas Blühendes auf dem Tisch stehen zu haben. Übrigens gelingt es nicht immer, die Zweige rechtzeitig zum Blühen zu bringen. So sollen vor allem Forsythien oftmals vorher aufbrechen, während Kirschen und Apfel manchmal gar nicht blühen, sondern nur Blätter austreiben.


Hintergrund

Historisch gesichert ist die Existenz der Heiligen Barbara nicht. Der Legende nach wurde sie im 3. Jahrhundert in Nikomedien im nördlichen Kleinasien (heutige Türkei) geboren und bekannte sich gegen den Willen ihres Vaters als junge Frau zum Christentum. Zur Strafe wurde sie in einem Turm gefangen gehalten und schließlich von ihrem Vater enthauptet. Die Legende ist in verschiedenen Versionen überliefert und mit vielen, teilweise grausamen Details versehen.

"Als eine der populärsten Heiligen in Deutschland war die heilige Barbara aufgrund ihrer Legende vor allem für Bergleute und Artilleristen, die sich von einem plötzlichen Tod bedroht sahen, von besonderer Bedeutung", so Evelyn Hammes. "Noch heute bitten viele Katholiken die heilige Barbara um eine gute Sterbestunde."
Knappenvereine und Bergwerksgesellschaften veranstalteten Barbarafeiern und Bergmannsgottesdienste, manche katholischen Bergarbeiter begannen am 4. Dezember ihre Schicht mit einem Barbaragebet und der Opferung einer sogenannten Barbarakerze; auch Statuen der heiligen Barbara vor Zechen zeugen von diesem Barbarakult, der im 19. Jahrhundert durch zugewanderte Bergmänner aus dem oberschlesischen Raum nach Westfalen gebracht wurde.

Doch was hat es nun mit dem Brauch der Barbarazweige auf sich? Auch wenn Ausschmückungen der Legende kursieren, in denen die heilige Barbara auf ihrem Weg in die Gefangenschaft an einem Kirschzweig hängen bleibt: "Wahrscheinlich ist, dass diese Erweiterung der Legende lediglich dem Bedürfnis entspricht, dem Brauch nachträglich Sinn zu verleihen", erläutert die Geschäftsführerin Christiane Cantauw. "Es ist daher eher anzunehmen, dass die blühenden Barbarazweige als Sinnbild für die Geburt Christi und als Vorgeschmack auf das Erwachen der Natur im Frühjahr zu interpretieren sind."



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
Volkskundliche Kommission für Westfalen
Scharnhorststr. 100
48151 Münster
Karte und Routenplaner



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
http://www.facebook.com/LWL2.0







Ihr Kommentar




zu den aktuellen Presse-Infos