LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 31.05.12

Foto zur MitteilungEin Baumriese wird zur Sägemühle gebracht, Möbelfabrik Josef Günther, Steinheim, ohne Jahr,
Foto: Möbelmuseum Steinheim


Foto zur MitteilungHolzbildhauer-Meister Höbel in der Möbelfabrik Anton Spilker, Steinheim, um 1965,
Foto: Möbelmuseum Steinheim


Foto zur MitteilungKunsttischlermeister Johann Spilker mit seinen Mitarbeitern, Steinheim, um 1890,
Foto: Möbelmuseum Steinheim


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Presse-Infos | Kultur

"Wo gehobelt wird.."

LWL zeigt Ausstellung zur Geschichte der Möbelindustrie im Ziegeleimuseum Lage

Bewertung:

Lage (lwl). Ostwestfalen-Lippe ist heute die Möbelregion Deutschlands. Fast alle großen Hersteller von Küchen-, Schlaf- und Wohnzimmermöbeln haben hier ihren Sitz. Über die Anfänge der Branche informiert eine neue Fotoausstellung im LWL-Ziegeleimuseum Lage. Unter dem Titel "Wo gehobelt wird..." zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Industriemuseum vom 3. Juni bis zum 9. September rund 40 Fotografien aus der Geschichte der Möbelindustrie in der Region. Sie ist Teil des Themenjahrs der Museumsinitiative Ostwestfalen-Lippe mit dem Titel "Astrein" mit vielen weiteren Ausstellungen zum Thema Holz.

Hintergrund
Die Entstehung der Möbelindustrie in der Region ging einher mit dem Niedergang des vorindustriellen Leinengewerbes Mitte des 19. Jahrhunderts. 1849 wurde Ostwestfalen-Lippe an das Eisenbahnnetz der Köln-Mindener-Eisenbahn angeschlossen. "Seitdem konnte die Region preiswert mit Kohle für den Betrieb von Dampfmaschinen und mit Eisen und Stahl zu Weiterverarbeitung in den Betrieben Ostwestfalens versorgt werden", erklärt LWL-Museumsleiter Willi Kulke. Gleichzeitig stellte die Bahnlinie die Verbindung zu den großen Absatzmärkten im Ruhrgebiet her.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Ostwestfalen-Lippe vorindustriell geprägt. Tausende kleine ländliche Leinenspinner und Weber produzierten Leinen, das sie in den Städten Bielefeld und Herford an die Händler verkauften. Mit der Entstehung der industriellen Textilproduktion in den großen dampfbetriebenen Spinnereien und Webereien seit 1849 verloren viele Menschen auf dem Land ihre Arbeitsplätze. Immer mehr zogen in die Städte. Die Zahl der Haushalte und der Bedarf an Möbeln stiegen an. Ostwestfalen-Lippe mit seinem Holzreichtum, der inzwischen guten verkehrstechnischen Anbindung an das Ruhrgebiet und einem großen Potential billiger Arbeitskräfte bot die ideale Grundlage für eine entstehende Möbelindustrie.

Mit der zunehmenden Verstädterung und steigenden Einkommen veränderten sich nach und nach auch die Einrichtungsgewohnheiten. Die handwerkliche Produktion allein konnte den Bedarf nicht decken. Kulke: "Viele Tischlereien in der Region erweiterten ihre Produktionsstätten und gingen schließlich zur Serienfertigung von Möbeln in arbeitsteiliger Herstellung über." So entstanden überall in der Region zwischen Rheda-Wiedenbrück und Bünde sowie zwischen Enger und Steinheim Fabriken, die sich auf die Produktion von Holzwerkstoffen, Küchenmöbeln und anderen Einrichtungsgegenständen konzentrierten.

Eines der ersten Unternehmen dieser Art war in den 1890er Jahren die Möbelfabrik Kopka in Herford, die aus einer Holzhandlung hervorging. Kopka lieferte nicht nur in die Region, sondern in großem Umfang in das bevölkerungsreiche Ruhrgebiet. Aus der 1893 ebenfalls in Herford gegründeten Bautischlerei Heinrich Monke entwickelte sich in den folgenden Jahren die Möbelfabrik Herz-Küchen. Anders als die Herforder Fabriken stellten die Steinheimer Möbelwerke im Kreis Höxter teure Stilmöbel für das gehobene Bürgertum her. Auch hier wuchsen kleine ortsansässige Tischlereien zu Fabriken, in denen Maschinenkraft dazu beitrug, die Handarbeit zu rationalisieren. Zu den ersten bedeutenden Unternehmern zählte Anton Spilker, der 1864 die väterliche Tischlerei übernahm und zur Fabrik ausbaute. In den folgenden Jahren weiteten die Tischler Josef Günther, Gerhard Strato und Franz Finkeldei ebenfalls ihre Produktion aus. Noch heute nennt sich Steinheim die "Möbelstadt".

Seit 1893 konnten sich Tischlergesellen in Detmold weiterbilden und neben praktischem Unterricht Kurse in theoretischen Fächern belegen. Die Tischlerfachschule vermittelte das Wissen für die Werkmeister und Techniker der neuen Industriezweige.

Die Zahl der Fabriken in der Möbelindustrie ist seit den 1970er Jahren zurückgegangen. Doch auch heute noch ist Ostwestfalen-Lippe eine der wichtigsten Regionen dieser Branche in Deutschland. Die Ausstellung in der Villa Beermann, dem ehemaligen Fabrikantenwohnhaus der Ziegelei, zeigt Fotografien der Fabriken, der Arbeitsplätze und der Belegschaften aus den letzten 120 Jahren.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org



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32791 Lage
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Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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