LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 16.02.12

Foto zur MitteilungErich Beermann mit drei Italienischen Gastarbeitern vor dem Ringofen der Ziegelei, um 1960.
Foto: LWL-Archiv


Foto zur MitteilungElse Tasche, Tochter von Gustav Beermann, an der Kochmaschine in der Küche der Ziegelei Beermann, ca. 1935.
Foto: LWL-Archiv


Foto zur MitteilungDie Kinder von Gustav und Emilie Beermann vor dem Eingang zur Firmenvilla, um 1930.
Foto: LWL-Archiv


Foto zur MitteilungDie Belegschaft der Ziegelei Beermann von 1912. Gustav Beermann steht als 2. von links.
Foto: LWL-Archiv


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Presse-Infos | Kultur

Familie und Firma unter einem Dach

LWL-Ziegeleimuseum eröffnet Dauerausstellung in der Villa Beermann

Bewertung:

Lage (lwl). 70 Jahre lang produzierte die Ziegelei Beermann in der kleinen Ortschaft Sylbach bei Lage (Kreis Lippe) Ziegel für die Region. Millionen der roten Backsteine wurden im Ringofen der Fabrik gebrannt. Wie das funktioniert, macht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seit zehn Jahren in seinem Industriemuseum anschaulich. Ab kommenden Sonntag, 19. Februar, lernen Besucher auch die Familien- und Firmengeschichte näher kennen. In fünf Räumen im Erdgeschoss der ehemaligen Villa des Gründers Gustav Beermann zeigt die neue Dauerausstellung, wie die Familie lebte und arbeitete, welchen Belastungen die Belegschaft bei ihrer täglichen Arbeit ausgesetzt war und warum die Ziegelei nach 90 erfolgreichen Jahren ihren Betrieb einstellen musste.

Die ehemalige Firmenvilla wurde 1922 an Stelle eines Pferdestalls errichtet. Dort wohnte zunächst der Ziegeleibesitzer mit seiner Ehefrau Emilie und den fünf Kindern. Später zogen auch die beiden Söhne und Nachfolger Gustav Beermanns, Friedel und Erich, mit ihren Familien in das Haus ein. Zuletzt lebte nur noch Enkel Lothar Beermann in dem Gebäude. Als dieser 2003 verstarb, kaufte der Landschaftsverband das Gebäude. "Bei der anschließenden Sanierung stand der Erhalt von möglichst vielen historischen Spuren im Vordergrund", so LWL-Museumsleiter Willi Kulke. Gleichzeitig galt es, im Erdgeschoss und im Obergeschoss moderne Ausstellungsräume zu schaffen.

Willi Kulke: "Angesichts der knappen Mittel war es ein besonderer Glücksfall, mit der Euwatec einen Beschäftigungsträger als Partner für dieses Projekt zu gewinnen, der hier fünf Jahre lang Wiedereingliederungsmaßnahmen durchführte und dabei das Gebäude von außen und innen sehr behutsam restaurierte. Das Projekt wäre allerdings auch nicht ohne die finanzielle Unterstützung des Fördervereins des Ziegeleimuseums möglich gewesen."

Die Familie Beermann

Gustav Beermann gründete 1909 zusammen mit dem Sylbacher Bauunternehmer Friedrich Bobe die Ziegelei. Gemeinsam investierten sie in den Bau eines Ringofens. Wie viele andere lippische Ziegeleibesitzer betrieb auch Gustav Beermann mit seiner Frau Emilie Ruthe zusätzlich einen landwirtschaftlichen Betrieb. Dafür bearbeiteten sie die Flächen, die nicht zur Tonausbeute benötigt wurden.
Die Söhne Friedel und Erich Beermann übernahmen Anfang der 1960er Jahre die Ziegelei von ihrem Vater. Die Villa blieb Zentrum des Familienclans. Während Gustav und Emilie im Untergeschoss der Firmenvilla wohnten, lebte Erich zusammen mit seiner Frau Hildegard und Sohn Lothar im Obergeschoss. Friedel wohnte mit seiner Frau Waltraud unweit des Elternhauses. In der Ausstellung erfahren Besucher an sieben Hörstationen und auf vielen Bildern und Dokumenten, wie die Familie lebte und arbeitete.

Die Belegschaft der Ziegelei

Die Arbeit in der Ziegelei war eine Saisonbeschäftigung. Im Frühjahr begannen einige wenige Beschäftigte mit der Arbeit in der Tongrube. Erst Ende März wurden tatsächlich Ziegel gestrichen. Die Beschäftigung erreichte im Spätsommer ihren Höhepunkt. Ab November arbeiteten nur noch wenige Männer in der Ziegelei. Sie setzten die getrockneten Steine im Ofen ein, arbeiteten als Brenner auf dem Ringofen oder holten die fertigen Steine aus dem Ringofen. Ab Ende November wurden alle Maschinen gereinigt, repariert und überholt. "Die Zahl der Beschäftigten war im Laufe der Firmengeschichte starken Schwankungen unterworfen. Deutliche Kürzungen ergaben sich durch die Umstellung auf den Maschinenbetrieb 1922 und durch die Anschaffung des Eimerkettenbaggers, der die Arbeit in der Tongrube mechanisierte", erklärt der LWL-Museumsleiter. In der Ausstellung können die Besucher erstmals zwei Belegschaftsbilder aus den Jahren 1912 und 1914 sehen, die dem Museum erst im letzten Jahr von Nachkommen des ehemaligen Buchhalters der Ziegelei geschenkt wurden. Ehemalige Belegschaftsmitglieder berichten an zwei Hörstationen in der Ausstellung über das Leben und Arbeiten in der Ziegelei Beermann.

Ziegeleien in der Region

Die Ziegelei Beermann war eine typische Ziegelei, wie es sie zu Dutzenden in der Region gab. 1979, als sich der Betrieb nicht mehr rentierte, schloss die Firma. Nur wenige große Betriebe blieben bis heute erhalten. Dafür erinnern Straßennamen oder die landschaftlichen Veränderungen wie Kuhlen, Teiche und Deponien an den einst so bedeutenden Wirtschaftszweig. In der Ausstellung sehen die Besucher in einer Bildershow viele einmalige und noch nie gezeigte Bilder der Ziegeleien, der Belegschaften und der Arbeitsplätze in den letzten über 100 Jahren.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org



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32791 Lage
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Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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