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Mitteilung vom 13.02.12

Foto zur MitteilungLogo der Ausstellung "Goldene Pracht"

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Presse-Infos | Kultur

"Das wichtigste gotische Werk westfälischer Schatzkunst"

Ausstellung "Goldene Pracht" in Münster zeigt den einzigartigen Soester Patroklus-Schrein

Bewertung:

Münster/Soest im Februar 2012 (exc). Die einzigartigen Figuren des Soester Patroklus-Schreins reisen nach langer Zeit wieder in ihre westfälische Heimat: Die Ausstellung "Goldene Pracht - Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen" präsentiert die acht kostbaren Statuetten, die seit 1841 die Staatlichen Museen zu Berlin verwahren, im LWL-Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte und in der Domkammer in Münster. Kuratorin Dr. Petra Marx vom LWL-Landemuseum: "Der Soester Patroklus-Schrein ist das wichtigste gotische Werk der westfälischen Schatzkunst. In der Ausstellung zeigen wir die hohe Qualität solcher westfälischen Werke, indem wir sie herausragenden Leihgaben aus dem In- und Ausland gegenüberstellen. So wird auch sichtbar, dass die Stadt Soest im Mittelalter kulturell bedeutsam und keineswegs provinziell war. Ihre Goldschmiede stellten Kunstwerke von internationalem Rang her."

Die Ausstellung "Goldene Pracht" ist ein Kooperationsprojekt des Bistums Münster, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des Exzellenzclusters "Religion und Politik" der Universität Münster. Vom 26. Februar bis 28. Mai 2012 präsentiert sie auf 1.500 Quadratmetern 300 herausragende Werke der Goldschmiedekunst des 10. bis 16. Jahrhunderts. Die Kuratoren haben 220 nationale und internationale Leihgaben zusammengetragen, 180 davon stammen aus westfälischen Kirchen, Klöstern, Archiven und Museen.
Der Patroklus-Schrein, den ein Goldschmied namens Sigefridus im 14. Jahrhundert anfertigte, wird in der umfassenden Schau als Rekonstruktion zu sehen sein, an der sowohl die erhaltenen Originalfiguren als auch Nachschöpfungen von stark beschädigten oder verschollenen Statuetten des Schreins aufgestellt sind, wie Marx erläutert. "Diese Nachbildungen, hergestellt von Goldschmieden vom Möhnesee im Sauerland, waren Anlass, die heute kaum noch beherrschte Technik der Treibarbeit, ein spezielles Verfahren Metalle zu verformen, neu zu beleben."

Dem mittelalterlichen Soest, einer zu Reichtum gekommenen Hansestadt, widmet die Ausstellung einen eigenen Raum mit dem Titel: "Der Heilige Patroklus in Soest. Stift und Stadt im Wettstreit um ihren Schutzpatron". Kuratorin Marx: "Wir sprechen von 'Wettstreit‘, weil der Patroklus-Schrein das Ergebnis einer Konkurrenz zwischen der mächtigen Bürgerschaft und dem geistlichen Stadtherren, dem Erzbischof von Köln, war. Als die Soester Bürger 1313 mit der Grundsteinlegung der architektonisch herausragenden Pfarrkirche St. Maria zur Wiese ihre Unabhängigkeit von Köln demonstrierten, antwortete das erzbischöfliche Stift mit der Stiftung des prachtvollen Schreins für Patroklus, dem Gründungsheiligen der Stadt." Bei diesen religiös-politischen Spannungen ging es nach den Worten der Expertin vor allem um die Frage, "wem der Heilige Patroklus ,gehörte‘, dem Stift als Patron oder der Stadt als Symbolfigur für Recht und Freiheit der Bürgerschaft".

Wertvolle Reliquiare wie der Patroklus-Schrein erzählen in der Ausstellung von der hohen Bedeutung der Heiligenverehrung im Mittelalter, wie Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff vom Exzellenzcluster erläutert: "Zur Umhüllung der Gebeine - die theologisch den eigentlichen Kirchenschatz darstellten - kamen nur wertvollste Materialien wie Gold, Silber und Edelsteine in Frage. Ob adlige oder bürgerliche Stifter: Das Beste war gerade gut genug, wenn es galt, Gott und die Heiligen zu ehren." In Soest riefen die Menschen den Heiligen Patroklus, der zunächst Stiftspatron war, zunehmend als städtischen Schutzheiligen an. Seine Reliquien hatte Erzbischof Bruno von Köln (925-965), Bruder Kaiser Ottos des Großen (912-973), 964 im französischen Troyes erworben und nach Soest überführt.

Auch in der Neuzeit erlebten die Figuren des Patroklus-Schrein eine wechselvolle Geschichte: Nach Kriegsende 1945 wurde der Schrein Opfer der Brandkatastrophe im Flakbunker Friedrichshain, einem der Auslagerungsorte der Berliner Museen. Dennoch konnte ein Teil der Statuetten gerettet worden. Marx: "Die stark beschädigten Figuren von Christus und Patroklus zählten zum 1958 von der Sowjetunion zurückerstatteten Kunstgut." Einige entwendete Statuetten, die Muttergottes und fünf Apostel, seien im Kunsthandel wieder aufgetaucht und in den Jahren 1961 und 2003 für die Berliner Sammlung zurückerworben worden. (ska/vvm)

Hinweis: Weitere Informationen unter http://www.goldene-pracht.de

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Im Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) forschen rund 200 Wissenschaftler aus 20 geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern und elf Ländern. Sie untersuchen das komplexe Verhältnis zwischen Religion und Politik von der Antike bis zur Gegenwart und von Lateinamerika über Europa bis in die arabische und asiatische Welt. Es ist der bundesweit größte Forschungsverbund dieser Art und von den deutschlandweit 37 Exzellenzclustern der einzige zum Thema Religionen. Bund und Länder fördern das Vorhaben im Rahmen der Exzellenzinitiative bis 2012 mit 37 Millionen Euro.



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