LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 10.02.12

Foto zur MitteilungVon den Baracken der Zeche Zollern existieren keine Fotos. Vermutlich waren sie baugleich mit denen dieses Lagers für russische Kriegsgefangene und sogenannte "Ostarbeiter" der Zeche Emscher-Lippe in Datteln (um 1943).
Foto: Stadtarchiv Datteln / LWL-Medienzentrum


Foto zur MitteilungMuseumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus mit dem Schemel aus dem ehemaligen Kriegsgefangenenlager der Zeche Zollern.
Foto: LWL / A. Hudemann


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Presse-Infos | Kultur

Schemel als letztes Relikt der Zwangsarbeiter-Baracken auf Zollern

Vorbereitungen für internationale Wanderausstellung laufen

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Dortmund (lwl). Viele Jahre lang hat der alte Holzschemel Werner Waldminghaus gute Dienste geleistet. Manche Stunde saß der heute 75-Jährige zu Hause in seiner Werkstatt auf dem einfachen Hocker. Als das LWL-Industriemuseum vor einigen Jahren mit einem Aufruf Zeitzeugen suchte, wurde Waldminghaus hellhörig. Er brachte den Schemel zu Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus. Der Hocker ist eines der letzten Relikte der beiden ehemaligen Zwangsarbeiter-Baracken auf dem Gelände der Zeche Zollern im Dortmunder Westen, in denen während des Zweiten Weltkriegs 200 russische Kriegsgefangene untergebracht waren.

Auch ihr Schicksal erzählt die internationale Wanderausstellung "Zwangsarbeit" der Stiftung Gedenk-stätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Gedenkstätte Steinwache der Stadt Dortmund ab 18. März im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern präsentieren.

Auf den Ruhrgebietszechen wurden während des Zweiten Weltkrieges viele ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt. Sie stellten zeitweise 40 Prozent der Belegschaften. Den größten Anteil bildeten nach 1942 sogenannte "Ostarbeiter" und russische Kriegsgefangene. Von allen Gruppen waren sie im Schema der nationalsozialistischen Rassenideologie am schlechtesten gestellt. Körperliche Gewalt gehörte zur Tagesordnung. Harte Arbeit und karge Essensrationen zehrten die Männer aus. Hinzu kamen Kälte und schlechte hygienische Bedingungen, so dass sich in vielen Lagern Krankheiten wie Tuberkulose ausbreiteten. "Wenn die Leistung nachließ, drohte überdies die Abschiebung in ein Sammellager oder schlimmer ins Arbeitserziehungslager der Gestapo, was vielfach einem Todesurteil gleichkam", erklärt LWL-Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus.

Friedrich Waldminghaus war in jenen Jahren auf der Zeche Zollern Vorarbeiter in einem der sogenannten "Russenstrebe". Sohn Werner erinnert sich heute, dass sein Vater manches Mal Kartoffeln vom Vortrag oder andere Lebensmittel mit zur Zeche nahm. "Einmal wurde er erwischt und musste deswegen sogar zum Verhör ins Gestapo-Gefängnis nach Dortmund-Hörde", erzählt der 75-Jährige. Die Russen bedankten sich bei dem Deutschen, indem sie aus Holz und Metallresten kleine Spielzeuge für den Sohn bastelten. "Leider habe ich von diesen Gegenständen keinen mehr", bedauert Waldminghaus heute. Zumindest der Schemel hat überdauert. Ihn holte die Familie, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Zeche wohnte, nach Kriegsende aus den Baracken. Noch 1945 wurden die Holzhütten abgerissen. "Heute existieren nur schriftliche Unterlagen von den Bauten", so Dr. Ulrike Gilhaus. Am Tag des offenen Denkmals (9.9.2012), der in diesem Jahr dem Werkstoff Holz gewidmet ist, wird die Museumsleiterin bei speziellen Führungen Belegung, Arbeitsrhythmus und Alltagsleben im Zwangsarbeiterlager von Zollern und anderen Zechen erläutern.

Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg
Internationale Wanderausstellung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, initiiert und gefördert von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ)
18. März bis 30. September 2012
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5, 44388 Dortmund
http://www.ausstellung-zwangsarbeit.lwl.org



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org



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