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Mitteilung vom 26.05.11

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Die Senner - älteste Pferderasse Deutschlands

Neue Dauerausstellung im LWL-Freilichtmuseum Detmold

Bewertung:

Detmold (lwl). Vor mehr als 850 Jahren wurden sie zum ersten Mal schriftlich erwähnt und gelten damit als älteste Pferderasse in Deutschland: die Senner. Am 31. Mai eröffnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Freilichtmuseum Detmold eine neue Dauerausstellung zum Sennergestüt.

"Schnaubte es da nicht laut und wild? Die freien Sennerpferde waren es, wohl dreißig, die da, ledig vom Zaum und Eisen, nackt und ungeschirrt, über die Trift zogen, die Nasen im Wind, wie Wild." So beschrieb sie der Dichter Hermann Löns in seiner Erzählung "Frau Einsamkeit" noch vor 100 Jahren, romantisch verklärend wie es seiner Zeit entsprach. Aber was ist Dichtung, was ist Wahrheit rund um die Geschichte der Pferde in der Senne? Diese und viele weitere Fragen beantwortet das LWL-Freilichtmuseum Detmold in der neuen Dauerausstellung.

Ausgehend von der Landschaft Senne beschäftigt sich die Ausstellung im LWL-Freilichtmuseum Detmold mit der Geschichte des Gestüts in fürstlicher Hand, mit der Übergangszeit, als das Schicksal der edlen Pferde in der Verantwortung des Verbandes der Lippischen Pferdezüchter lag, bis zur jüngeren Vergangenheit, als Privatleute für die Erhaltung dieser vom Aussterben bedrohten Rasse sorgten.

Wer nach dem Rundgang noch mehr von den Senner Pferden sehen möchte, kann einige der seltenen Exemplare auf den Weiden im Freilichtmuseum live erleben: Seit 2001 beteiligt sich das Mu-seum mit zwei Mutterstuten aktiv an der Erhaltung dieser Rasse. Acht Fohlen sind in dieser Zeit im LWL-Freilichtmuseum bereits gezogen worden.

Hintergrund
Das Sennergestüt war eines der ursprünglich zahlreichen sogenannten Wildbahngestüte Westfalens. Zu feuchte oder zu trockene Flächen, die ohne heutige Möglichkeiten der Düngung, Drainage oder Bewässerung landwirtschaftlich unproduktiv waren, dienten als Lebensraum der Pferde. Die Tiere blieben weitgehend sich selbst überlassen, bei Bedarf wurden einzelne gefangen. Die meisten Wild-bahngestüte wurden nach den Markenteilungen im 19. Jahrhundert aufgelöst, Rassen wie die Emscherbrücher oder die Davertnickels sind in-zwischen ausgestorben. Auf ihren angestammten Weideflächen, im Merfelder Bruch, haben allein die sogenannten Dülmener Wildpferde überlebt. Als Rasse sind zudem die Senner Pferde erhalten geblieben.

Das Sennergestüt hat sich schon früh von den übrigen Wildbahngestüten unterschieden. Es gab dort eine exakte Zuchtplanung, die bis heute sehr gut dokumentiert und überliefert ist, auch wenn im 30-jährigen Krieg viel Material verloren ging. Bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts lassen sich die Vorfahren jedes lebenden Senner Pferdes noch heute lückenlos zurückverfolgen.

Die Senner Pferde kamen vielfältig zum Einsatz: Das Gestüt versorgte den fürstlichen Marstall mit Gebrauchspferden und brachte berühmte Jagd- und Militärpferde sowie Renn- und Sportpferde hervor. In Kriegszeiten verhüteten politische Geschenke in Form von Pferden Plünderungen. Schließlich spielten Senner Pferde auch bei der Begründung vieler berühmter Zuchtlinien eine Rolle. Es gibt nur wenige bekannte Gestüte, mit denen das Sennergestüt zwischen 1700 und 1900 keine Berührungspunkte hatte. Seine Bedeutung wird auch deutlich anhand der vielen Kunstwerke, die bis heute von Senner Pferden erhalten sind.

Die Ausstellung in der ehemaligen Fasanerie ist ab dem 31. Mai 2011 für Besucher geöffnet. Füh-rungen durch die Ausstellung werden in der Saison 2011 am 1. Juli und 23. September angeboten.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Ruth Lakenbrink, LWL-Freilichtmuseum Detmold, Tel. 05231/706-110
presse@lwl.org



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