LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 19.05.11

Foto zur MitteilungSchweizerische Bewegung gegen die atomare Aufrüstung, Ostermarsch 1965, Farboffset, Foto.
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Foto zur MitteilungAntiautoritäre Junge Sektion der Partei der Arbeit (Kommunistische Partei der Schweiz), Wir sind eine kleine radikale Minderheit, 1968, Farbsiebdruck.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungAtelier Populaire (Ex École des Beaux-Arts), Mai 68 … (Der Beginn eines fortwährenden Kampfes), 1968, Siebdruck-
Foto: LWL


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Presse-Infos | Kultur

"Globale Protestkulturen"

Zweiter Teil der Ausstellungsserie über die Plakatszene um 1968 wird eröffnet

Bewertung:

Münster (lwl). Der zweite Teil der Ausstellungsserie "Visuelle Revolten" im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster, der sich mit den Studentenprotesten beschäftigt, wird am Donnerstag (19.5.) mit über 100 Exponaten eröffnet.

Ausgehend von Münster und den dortigen Protesten wirft "Globale Protestkulturen" (19. Mai bis 21. August 2011) den Blick über die Landesgrenzen hinaus. Für die linksalternative Szene wurde es immer bedeutsamer, gegen eine von der Supermacht USA gesteuerte Welt des Kapitals, der Krisen und Kriege Partei zu ergreifen. Auf Plakaten, Manifesten und Flugblättern lautete die Hauptforderung nach "Antiimperialistischer Solidarität" mit den Unterdrückten in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Bereits der erste Teil der Ausstellungsserie ("Münster - Mehr als ein Nebenschauplatz", 21.1. bis 1.5.2011) hatte großes Interesse bei Medien und Besuchern hervorgerufen. Viele Besucher erinnerten sich an die eigene Jugend- oder Studentenzeit beim Betrachten der Plakate. "Besonders freut uns das Interesse von jungen Besuchern, die in der Ausstellung aktuelle Themen finden, die schon vor 40 Jahren eine große Rolle für das Weltgeschehen gespielt haben, z. B. die Proteste gegen Atomkraftwerke und Umweltzerstörung oder die Bildungsdebatte", sagte Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold.

Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen ab Donnerstag die Bildbotschaften, die sich den Befreiungsbewegungen in Vietnam, Lateinamerika und dem Nahost-Konflikt, in dem die Parteinahme für die palästinensische PLO im Vordergrund stand, widmeten. Bemerkenswert ist dabei die erstmals (fast schon) globale Vernetzung der Protest-Bewegungen.

Jahrzehnte vor dem World Wide Web schlossen sich lokale, nationale und globale Protestkampagnen zu einem wirksamen Informations-Netzwerk zusammen. "Schon damals waren die Aktionen engagierter Protestgruppen aus der Bundesrepublik bei Gewaltregimes in anderen Ländern nicht nur verhasst, sondern auch gefürchtet", berichtete der Kurator der Ausstellung, Dr. Jürgen Krause.

Hintergrund
Die schwarze Bürgerrechts-Bewegung und die Studentenrevolte in den USA (z. B. Berkeley) entwickelten neue Protestformen: Die Demonstranten besetzten Universitäten bei "Go-Ins" und "Teach-Ins" oder riefen zum "Marsch auf Washington" auf. In Deutschland dienten die amerikanischen Bewegungen als Vorbild: So planten deutsche Studierende unter anderem den "Marsch auf Bonn".

Neben den Themen dieser Zeit zeigen die Exponate der Ausstellung, wie sich übernationale grafische Trends und Parallelen entwickelten, aber auch nationale und regionale Bildtraditionen fortlebten. Vor allem die Plakatmotive, die im "Atelier Populaire" an der Pariser Universität entstanden und in der Satire-Zeitschrift "Enragé" abgedruckt wurden, setzten Qualitätsmaßstäbe weit über das "Jahrzehnt der Revolte" hinaus.

Ebenso überzeugend behaupten sich bis heute die Plakate der "Organisation für die Solidarität mit den Völkern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas" (OSPAAAL), die von Kennern weltweit gesammelt werden. Diese Plakate beschäftigten sich mit allen Konfliktherden von Angola bis Korea und finden sich deshalb über die gesamte Ausstellung verteilt. Spitzenkräfte in Grafik und Design aus Kuba, aber auch aus der gesamten "Dritten Welt" sollten dem von Che Guevara verkörperten "heldenhaften Weg der Volksbefreiungskriege" ein eigenes grafisches Gesicht verleihen. Das Ziel war, Selbstvertrauen in eigene kulturelle Traditionen der "Dritten Welt" wiederzugewinnen, unabhängig vom Konsum-Leitbild des "American Way of Life".

Erfreulich ist der Zuwachs an hochwertigen Plakaten, den das LWL-Landesmuseum aus Schenkungen verzeichnet: Unter anderem schenkte der Berliner Künstler Ernst Volland, der bereits im ersten Teil "Münster - Mehr als ein Nebenschauplatz" mit Werken vertreten war, dem Museum nach einem Besuch der ersten Ausstellung spontan über ein Dutzend Arbeiten. Einige dieser Plakate sind in der aktuellen Schau zu sehen.

Ausblick auf dritten Teil
Die dritte Sequenz widmet sich unter dem Titel "Langzeitwirkung '‘68‘ - Der visuelle Umbruch" (15. Dezember 2011 bis 11. März 2012) dem langen Schatten von "‘68", vor allem dem tiefen Einschnitt in den Seh- und Konsummentalitäten der Plakat-Adressaten seit "‘68": Wenigstens ansatzweise soll der um zwei Jahrzehnte verschleppte kulturelle Bruch nach dem Ende der NS-Diktatur sichtbar werden.

Als Bahnbrecher avantgardistischen Grafik-Designs verdienen hierbei die Plakate der Jazz-Szene der frühen Bundesrepublik einen besonderen Ehrenplatz. In den späten 1960er Jahre setzte sich die US-amerikanisch dominierte POP-Art in der westlichen Welt durch. Spannend sind die Wechselwirkungen zwischen weltweiter Pop- und Protestkultur vom New York Andy Warhols über das Düsseldorf von Joseph Beuys bis zur Vermarktung Westberliner Wohnkommunen um die Kommunarden Teufel, Langhans und Kunzelmann.

Auch Unternehmen benutzten jetzt den angriffslustigen, frech-ironischen Stil der außer-parlamentarischen Oppositionellen aus der "Neuen Linken". So warb die Bundesbahn mit ungewohnt flapsigen Sprüchen wie "Unsere Loks gewöhnen sich das Rauchen ab".

Münster - Mehr als ein Nebenschauplatz: 20.1.-1.5.2011
Globale Protestkulturen: 19.5.-21.8.2011
Langzeitwirkung "‘68" - Der visuelle Umbruch: 15.12.2011-11.3.2012

Eröffnung "Globale Protestkulturen": 19. Mai, 19 Uhr

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr
Montag geschlossen

Informationen unter
http://www.lwl-landesmuseum-muenster.de



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Nina Heinrich, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Telefon: 0251 5907-209, nina.heinrich@lwl.org
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Westfälisches Landesmuseum
Domplatz 10
48143 Münster
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