LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 14.04.11

Foto zur MitteilungSzene aus dem LWL-Film "Lancasterbomber".
Foto: LWL
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Foto zur MitteilungWährend der Bergung versucht das Ausgrabungsteam, die einzelnen Teile des abgestürzten Bombers zu identifizieren und zuzuordnen. Rechts im Bild: Heimatforscher H. Klötzer.
Foto: LWL/M. Baales


Foto zur MitteilungDie Crew des abgestürzten Bombers auf einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1945.
Foto: LWL/H. Klötzer


Foto zur MitteilungMühsam nährt sich der Urzeit-Hamster: Vor etwa 17 Millionen Jahren legte ein Nager diesen Wintervorrat an - es ist die älteste bekannte Vorratskammer eines Nagetiers.
Foto: Universität Bonn/Georg Oleschinski


Foto zur MitteilungDieser aufwändige Kopfschmuck einer römischen Frau (3 Jh. n. Chr.) wurde von den Forschern rekonstruiert. In der Ausstellung kann man Originalfund und Rekonstruktion direkt miteinander vergleich.
Foto: LVR/M. Thuns


Foto zur MitteilungEines der größten Exponate: Das originalgetreue Modell eines Rennfeuerofens.
Foto: A. Eichler/Ruhr-Universität Bochum


Foto zur MitteilungEin LWL-Restaurator bei der Freilegung einer sogenannten "Totenkrone". Mit diesem Kopfschmuck bestattete man im 17. und 18 Jahrhundert unverheiratet Verstorbene.
LWL/S. Brenführer


Foto zur MitteilungDie Archäologen bei der Erstuntersuchung des "Lochs im Acker".
Foto: Naturzentrum Eifel, Nettersheim/I. Ristow
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Foto zur MitteilungBeim Pflügen löste sich eine Steinplatte unter dem Ackerboden - zum Vorschein kam ein seit 130 Jahren unberührtes Grab eines Frankenfürsten.
Foto: Naturzentrum Eifel, Nettersheim/I. Ristow


Foto zur MitteilungDiese höchst seltene keltische Goldmünze stammt aus dem beschlagnahmten Besitz eines bekannten Raubgräbers in Köln.
Foto: LVR/M. Thuns
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Foto zur MitteilungDie 131 Münzen aus dem 17. Jahrhundert sind bestens erhalten und glänzen nach der Restaurierung wieder wie neu.
Foto: LWL/P. Ilisch
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Foto zur MitteilungAus der Erde in die Brottüte: die Finder verstauten den Münzschatz zunächst in einer leeren Brotverpackung.
Foto: Stefan Preck


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Presse-Infos | Kultur

Exponate (Auswahl) der Ausstellung "Fundgeschichten" im LWL-Museum für Archäologie

Bewertung:

• Lancasterbomber

Zweiter Weltkrieg, bei Hagen: In der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 1945 stürzt ein britischer Lancaster-Bomber in einem Waldstück ab. Die Reste der Maschine werden nach und nach vom Erdreich bedeckt.

65 Jahre später: Der Heimatforscher Horst Klötzer begibt sich auf die Suche nach der Absturzstelle - und findet mehr als nur ein Flugzeugwrack.

Weit im Waldgebiet verstreut fanden die Archäologen nicht nur Maschinenteile des abgestürzten Bombers, sondern auch zahlreiche Ausrüstungsbestandteile und persönliche Gegenstände der Crew - darunter ein Kruzifix, ein Taschenmesser, die Lederhaube des Piloten und einen Revolver. Offensichtlich hatten bereits Raubgräber das Wrack entdeckt - denn Teile der Ausrüstung waren schon kurz vor der Bergung auf einer Auktionsseite im Internet angeboten worden.

Der Lancaster-Bomber bildet Anfangs- und Endpunkt der Sonderausstellung "Fundgeschichten". Er zeigt, mit was für ungewöhnlichen Aufgabenstellungen sich die Archäologie befasst - und wie aktuell die vermeintliche "Altertumsforschung" sein kann.

Denn nicht nur der Umgang mit Angehörigen der abgestürzten Crew, sondern auch die rechtlichen Fragen stellten die Archäologen hier vor Herausforderungen.

Kriegsrelikte sind stets "Hoheitsgebiet und Eigentum des entsendenden Landes", in diesem Fall Großbritanniens, so dass enge Abstimmung mit den britischen Behörden nötig war.

Fundort: Stadt Hagen
Datierung: 21. Februar 1945


• Schwarzer Schatz - der Wintervorrat eines Urzeithamsters

Schätze vergraben nicht nur Menschen. Vor etwa 17 Millionen Jahren legte ein Hamster einen Wintervorrat aus Nüssen an. Dieser Bau befand sich in einem Dünental an der Küste der Ur-Nordsee, die damals nordwestlich von Köln lag.
Der Nager nutzte seinen Vorrat nicht. So blieben die nussgefüllten Kammern und Gänge erhalten, Paläontologen konnten sie im heutigen Tagebau Garzweiler bergen.
Dieser Fund ist die älteste bekannte Vorratskammer eines Nagetieres. Sie enthält die Nüsse von Castanopsis pyramidata, einem Buchengewächs. Castanopsis-Sträucher mit ähnlichen Nüssen kommen noch heute an der Westküste von Nordamerika und in Ostasien vor.

Fundort: Tagebau Garzweiler, Kreis Neuss
Datierung: 17 Millionen Jahre v. heute


• Rekonstruierter römischer Kopfschmuck

Im Rahmen einer Frauenbestattung des 3. Jahrhunderts n. Chr. fanden die Archäologen Reste eines kostbaren Haarschmuckes. Der Schmuck hatte sich zwar in einzelne Bestandteile aufgelöst und konnte nicht mehr als Ganzes geborgen werden, die einzelnen Teile hatten sich jedoch so in der Erde in ihrer ursprünglichen Anordnung erhalten, dass eine Rekonstruktion möglich war. Die Analyse der Lage der einzelnen Elemente ließ ein Stirn- oder Scheitelband erkennen, das mit einem Haarnetz kombiniert war. Durch eine Röntgenaufnahme des Befundblockes zeigte sich, dass das Haarnetz mithilfe einer Metallnadel in seiner Weite verändert werden konnte und so das Tragen unterschiedlichster Frisuren erlaubte.

Fundort: Rommerskirchen, Kreis Neuss
Datierung: 3. Jahrhundert n. Chr.


• Experimentalarchäologie: Modell eines Rennfeuerofens in Originalgröße

Ab etwa 600 v. Chr. erfuhr die Metallproduktion in Mitteleuropa einen Aufschwung. Die Kelten bauten ihre Verhüttungsöfen und Schmiedewerkstätten in der Nähe der Erzvorkommen - zum Beispiel im Siegerland. Sie nutzten die Öfen mehrfach und erzielten die höchsten Produktionsraten in ganz Europa. Der Vorgang der Verhüttung von Eisenerz zu Eisen wurde nach historischen Befunden von Forschern in einem Experiment nachvollzogen. Aus diesem experimentalarchäologischen Projekt stammt das Modell des Rennofens in der Ausstellung.


• Grabkult: eine Totenkrone

Bei Ausgrabungen in Heiden fanden Archäologen an dem Schädel einer Frauenbestattung Reste von Metall. Wie sich herausstellte trug die Verstorbene einen eisernen Reif mit filigranen Details aus Buntmetall - eine sogenannte "Totenkrone". Mit Totenkronen schmückte man vor allem im 17. und 18. Jahrhundert unverheiratet Verstorbene. Eventuell sah man ihren Lebensweg als unvollendet an und wollte diesen Makel durch eine "Brautkrone" beheben.

Fundort: Heiden, Kreis Borken
Datierung: 17./18. Jahrhundert


• Grab eines Frankenfürsten

Im September 2008 pflügt Landwirt Karl Berekhoven mit dem Traktor ein Feld in Nettersheim bei Euskirchen. Plötzlich tut sich unter seinem Traktor ein Loch auf - ein alter Wasserleitungsschacht, denkt er zunächst. Aber unter Kartoffeln und Rüben hat Berekhoven das seit über 1300 Jahren unberührte Grab eines Frankenfürsten aus dem 7. Jh. nach Chr. wiederentdeckt.

Der fränkische Krieger wurde in typischer Tracht und voller Bewaffnung bestattet, eine Goldmünze im Mund. Das Grab besteht aus acht massiven Sandsteinplatten, die bereits aus römischer Zeit stammen und für das Grab umgenutzt wurden. Es ist eine der ganz wenigen Gräber dieser Zeit, das nicht ausgeraubt wurde - und damit eine absolute Besonderheit.


• Raubfund: Keltische Goldmünze

Es war ein salomonisches Urteil zur Archäologie in NRW, das eine kleine keltische Goldmünze in Museumsbesitz gebracht hat. Die Münze wechselte durch einen höchst ungewöhnlichen Vergleich im Jahr 2008 aus dem Besitz eines Raubgräbers in das Eigentum der öffentlichen Hand. Mithilfe einer Ein-Euro Münze entschieden die Richter per Münzwurf über das Schicksal des Fundes.

Funde von keltischen Goldmünzen sind in NRW sehr selten. Umso bedeutender ist diese Münze, ein sogenanntes keltisches Regenbogenschüsselchen oder "Goldstater", das die Polizei im Jahr 2008 zusammen mit zahlreichen weiteren Objekten aus der Sammlung eines bekannten Raubgräber aus Frechen (bei Köln) beschlagnahmte.

Die Münze wurde im 1. Jahrhundert vor Christus in Britannien erstellt und zeigt auf der Vorderseite das lorbeerbekränzte Haupt des Gottes Apollo, auf der Rückseite ein Pferd in vollem Lauf. Wo und wann die Münze gefunden wurde, konnte auch im Laufe des aufwändigen Gerichtsverfahrens gegen den Raubgräber nicht geklärt werden - und damit bleiben zahlreiche wissenschaftliche Fragen unbeantwortet. Denn der gesamte Fundzusammenhang ist unbekannt - und damit gehen eventuell neue Erkenntnisse über Handelswege oder die Verbreitung und Ausdehnung der keltischen Kultur im Rheinland in Zusammenhang mit diesem Fund verloren.

So klein diese keltische Goldmünze mit ihren knapp zwei Zentimetern Durchmesser und 5,36 Gramm auch ist - sie ist für die Archäologie ein "doppeltes Schwergewicht", wie Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock meint. "Weil sie selten ist und weil sie deutlich macht, was für ein großer Schaden Raubgräberei für Wissenschaft und Öffentlichkeit bedeutet."


• Münzschatz am Wegesrand

Es ist einer der letzten Urlaubstage, den die Familie Preck in Schmallenberg im Hochsauerlandkreis verbringt. Auf einem Spaziergang sieht der neunjährige Sohn der Familie etwas am Wegesrand blitzen - ein goldener Schokotaler, denken alle. Aber nach und nach kommen 131 bestens erhaltene Silbermünzen aus dem 17. Jahrhundert zum Vorschein - der größte Münzschatz, der in den vergangenen fünf Jahren in NRW gefunden wurde.

Irgendwann gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Münzschatz in einem Keramikgefäß verborgen und in dem Waldstück bei Schmallenberg vergraben, das Versteck zusätzlich noch mit einer Schieferplatte abgedeckt. Was seinen Besitzer zu dieser Tat getrieben hat, warum und wovor der Schatz in Sicherheit gebracht wurde, ist heute nicht mehr mit Sicherheit zu sagen. Der Wert der Münzen zur damaligen Zeit war jedenfalls beträchtlich: "Wie unsere Münzspezialisten herausgefunden haben, hätte man Ende des 17. Jahrhunderts mit dem Geld mehrere Pferde erwerben können", meint der Leiter des LWL-Museum Dr. Josef Mühlenbrock.



Pressekontakt:
Eva Masthoff, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-8920, und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



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Europaplatz 1
44623 Herne
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