LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 10.02.11

Foto zur MitteilungDas Plakat zur Sonderausstellung.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungGoldener Schläfenring aus der Piastenburg Ostrow Lednicki (Polen).
Foto: LWL/Soful


Foto zur MitteilungOhrring vom Kiewer Typ.
Foto: LWL/Soful


Foto zur MitteilungSilberohrring im orientalischen Stil.
Foto: LWL/Soful


Foto zur MitteilungSilberperle vom Typ Wolhyn. Silberkügelchen verzieren die raffinierten Perlen.
Foto: LWL/Soful


Foto zur MitteilungPrunkvoller Halsring, aus Silberdrähten gefertigt.
Foto: LWL/Soful


Foto zur MitteilungKette aus dem Hort von Borucin in Polen.
Foto: LWL/Soful


Foto zur MitteilungArmring aus breiten Blechbändern, die durch ein Scharnier miteinander verbunden sind.
Foto: LWL/Soful


Foto zur Mitteilung

Foto zur MitteilungSilberohrringe, an deren "Kuppel" jeweils sieben Kettchen befestigt sind.
Foto: LWL/Soful


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Presse-Infos | Kultur

Slawische Schätze des Mittelalters

Sonderausstellung im Museum in der Kaiserpfalz

Bewertung:

Paderborn (lwl). Das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn präsentiert ab 12. Februar (bis 8. Mai) die Sonderausstellung "Schätze des Mittelalters - Schmuck aus dem Staatlichen Archäologischen Museum Warschau". 440 Schmuckstücke aus dem 10. bis 13. Jahrhundert zeigen die slawische Kultur des Mittelalters. Die Fundorte erstrecken sich über das heutige Polen, Weißrussland und die Ukraine.

"Schmuck nahm in der menschlichen Kultur schon immer einen wichtigen Platz ein und hat viele Aufgaben - von ästhetischer, sozialer und symbolischer Bedeutung bis hin zur schlichten Gebrauchsfunktion", erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale am Donnerstag (10.2.) bei der Vorstellung der Ausstellung. "Schmuck spiegelt die soziale Position seines Besitzers, etwa Alter und Familienstand, aber auch religiöse Überzeugungen wider." Prof. Dr. Michael M. Rind, Chefarchäologe des LWL: "Die Sonderausstellung zeigt wunderschöne Exponate aus der Glanzzeit der slawischen Schmuckherstellung. Wir freuen uns, diese glanzvolle Epoche des polnischen beziehungsweise des Kiewer Reiches im Mittelalter nun in der Paderborner Kaiserpfalz zu präsentieren. Die Zusammenarbeit mit dem Warschauer Museum war hervorragend."

Von dem Reichtum am polnischen Königshof berichtete bereits der fränkische Mönch Gallus Anonymus zu Beginn des 12. Jahrhunderts: "Die Frauenzimmer des Hofes gingen so belastet mit gol-denen Kronen, Kolliers, Halsketten, Armringen, goldenen Fransen und Kleinodien, dass, wenn Zweite sie nicht stützen würden, sie dieses Gewicht der Metalle nicht hätten heben können."
Ganz in Gallus‘ Sinn zeichnen sich die ausgestellten Schmuckstücke durch einen Formenreichtum aus, der von der hohen Kunstfertigkeit der Hersteller und vom ausgewählten Geschmack und Wohlstand der Besitzer zeugt. Die Schmuckstücke stammen aus Gräberfeldern, Burgwällen oder wurden als Horte versteckt. Oft sind aber auch die Fundorte und die Umstände, unter denen die Kostbarkeiten in die Erde gelangten, unbekannt.

Zu den Exponaten gehören neben typischem Schläfen- und Halsschmuck auch Ohr-, Arm- und Fingerringe aus Silber, Bronze und Gold, Glas, Halbedelsteinen und Bernstein. Die zum Teil sehr aufwändig gearbeiteten Schmuckstücke aus dem 10. bis 13. Jahrhundert stammen aus dem Reich der polnischen Herrscherdynastie der Piasten und aus der Kiewer Rus - einem Großreich, das Teile des heutigen Russland, der Ukraine und Weißrusslands umfasste. Sie lassen den sagenhaften Reichtum an den slawischen Höfen erahnen und geben Einblicke in die mittelalterliche slawische Gesellschaft.

Zur Ausstellung gibt es ein Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen und Workshops sowie vier museumspädagogische Programme für Schulklassen und Erwachsene. In Zusammenarbeit mit dem Warschauer Museum und dem Landesmuseum Brandenburg ist ein Ausstellungskatalog erschienen, der im Buchhandel erhältlich ist.

Hintergrund/Exponate
Schläfenringe

Sehr verbreitet im slawischen Gebiet waren Schläfenringe, die aus Draht oder zusammengedrehten Blechstreifen zu einem offenen Ring gebogen waren. Vorrangig Frauen trugen sie einzeln oder zu mehreren auf beiden Kopfseiten an Leder-, Woll- und Flechtbändern oder an Tüchern. Im Laufe der Zeit wurden sie immer größer und zierten bis ins 14. Jahrhundert die Schläfen vor allem der ostslawischen Frauen.

Ohrringe
In der Ausstellung sind für die ost- und westslawischen Gebiete und sogar für den Orient typische Ohrringe zu sehen. Die schönsten Objekte sind aus Silber und stammen hauptsächlich aus Hortfunden. Manchmal wurden sie allerdings auch als Beigaben mit ins Grab gelegt. Sie wurden entweder im Ohr getragen oder waren wie die Schläfenringe an Bändern oder Kopfbedeckungen befestigt. Besonders aufwändig gefertigt sind die Ohrringe vom Kiewer Typ. Auf deren Bügel sind runde oder walzenförmige Perlen aufgeschoben. Orientalische Formen werden durch Silberohrringe mit einer großen Perle im unteren Bügelbereich repräsentiert, auf die Kegel angelötet wurden.
Einige Exponate fallen auffallend aus diesen Schemata heraus: Silberohrringe, an deren Ring beziehungsweise "Kuppel" jeweils sieben Kettchen befestigt sind. An den Enden der Kettchen hängen Silberperlen und Pressbleche. Es handelt sich dabei um seltene Funde, die zwischen 950 und 1050 in Mode waren.

Halsketten und -ringe
Der in der Ausstellung präsentierte Halsschmuck umfasst Halsringe sowie aus Perlen und Anhängern bestehende Ketten und wurde von Frauen wie auch von Männern getragen. Besonders anspruchsvolle Schmuckelemente aus dem ostslawischen Gebiet sind die Silberperlen vom Typ Wolhyn.

Ihr komplizierter Aufbau besteht aus einem Metallstift, der von drei oder vier flachgedrückten gebogenen Röhrchen umgeben ist. Diese sind mit Silberkügelchen in Doppellinien- und Dreieckmustern reich verziert. Diese raffinierten Silberperlen wurden von der zweiten Hälfte des 10. bis zum 11. Jahrhundert angefertigt.

Die Halsringe sind aus Silberdrähten gefertigt und ausgesprochen prunkvoll. Einige bestehen aus sechs beziehungsweise acht Drahtpaaren. Die Drahtenden wurden zu Platten mit Haken und Öse geschmiedet. Derart gestaltete Halsringe sind unter anderem aus westslawischen Horten der Ostseeküstenzone bekannt und datieren in die Zeit vom ausgehenden 10. bis zum beginnenden 12. Jahrhundert.

Etwas ganz Besonderes ist eine Kette aus dem Mitte des 11. Jahrhunderts niedergelegten Hort von Borucin in Polen. Diese Silberkette besteht aus in der Mitte zusammengebogenen achtförmigen Gliedern, wobei jedes Einzelne mit dem jeweils übernächsten verbunden ist. Die Enden dieser Kette sitzen in einer Tülle in Tierkopfform, was für eine skandinavische Herkunft spricht.

Armringe
Die Armringe sind auf dieselbe Art gefertigt, wie die weitaus häufigeren Finderringe: sie wurden vornehmlich aus Blechstreifen oder Drähten hergestellt. Lediglich zwei Manschettenarmringe heben sich hinsichtlich ihrer Herstellungstechnik ab. Sie bestehen aus zwei breiten Blechbändern, die durch ein Scharnier miteinander verbunden sind. Ihre mit glatten Drähten längsgeteilten Felder füllen ketten- (Kat.-Nr. 164) und zopfförmige Filigrananordnungen, die von Bändern aus S-förmigen Drähten gerahmt sind. Armringe mit Scharnier sind in verschiedener Ausprägung aus vielen Gebieten Europas und des Orients bekannt.

Katalog - Bibliografische Angaben
Schätze des Mittelalters. Schmuck aus dem Staatlichen Archäologischen Museum Warschau, hrsg. von Museum in der Kaiserpfalz/LWL-Archäologie für Westfalen, Archäologisches Landesmuseum Brandenburg, Martin Kroker, Michael Rind, Franz Schopper, Druckverlag Kettler (Bönen 2011), ISBN 978-3-86206-071-9, Buchhandelsausgabe 17,90 Euro (Museumsausgabe 14 Euro).
164 Seiten, ca. 500 farbige Abbildungen.

Ausstellungsdaten:
"Schätze des Mittelalters - Schmuck aus dem Staatlichen Archäologischen Museum Warschau"
12.2.-8.5.2011
Im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn

Öffnungszeiten:
dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr
an jedem ersten Mittwoch im Monat 10 bis 20 Uhr

Eintritt
Erwachsene 2,50 €
ermäßigt 1,50 €
Familien 6,00 €
Erwachsene in Gruppen ab 6 Personen 2,00 €
Schulklassen und Kindergartengruppen haben freien Eintritt.

Museum in der Kaiserpfalz
Am Ikenberg
33098 Paderborn
Tel.: 05251 1051-10
Fax: 05251 1051-25
E-Mail: kaiserpfalzmuseum@lwl.org
http://www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Anlagen:
Anlage 1: Folder.pdf
Anlage 2: 2011-02-10 PI_Schätze_MusPäd.doc
Anlage 3: 2011-02-10 PI_Schätze_Veranstaltungen.doc


LWL-Einrichtung:
Museum in der Kaiserpfalz
Ikenberg 2
33098 Paderborn
Karte und Routenplaner



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