LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 13.01.11

Foto zur MitteilungAbbau der hölzernen Turmhügelburg vor dem LWL-Museum für Archäologie in Herne. Foto: LWL

Zum Herunterladen bitte mit der linken Maustaste auf das Foto klicken. Nachdem sich das neue Fenster geöffnet hat, bitte das Foto mit der rechten Maustaste speichern.

Die zum Download angebotenen Fotos dürfen nur mit Fotonachweis und gemeinsam mit der Pressemitteilung oder dem Thema verwendet werden, in deren Zusammenhang sie veröffentlicht wurden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht gestattet. Bei Ausstellungen ist die Reproduktion nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Ausstellung erlaubt. Bei einer anderweitigen Nutzung sind Sie verpflichtet, selbständig die Fragen des Nutzungsrechts zu klären.

Presse-Infos | Kultur

Herner Motte geht nach Neuenrade

Abbau der Turmhügelburg beginnt

Bewertung:

Herne (lwl). Nach dem Ende der erfolgreichen Mittelalterausstellung "Aufruhr 1225" (Feb. bis Nov. 2010) wird jetzt die hölzerne Turmhügelburg vor dem LWL-Museum für Archäologie in Herne abgebaut und in Neuenrade (Märkischer Kreis) wieder aufgebaut. Am Donnerstag (13.1.) begann der Abbau, der voraussichtlich bis Ende Januar dauern wird. Wann die Rekonstruktion einer so genannten mittelalterlichen Motte in Neuenrade wieder 25 Meter in den Himmel ragt, steht noch nicht fest.

"Wir freuen uns sehr über die neue Motte, weil wir historischer Standort einer solchen Burg waren", sagte Neuenrades Bürgermeister Klaus Peter Sasse. "Als neue Heimat der Motte kommt ein Platz nahe dem Original-Bodendenkmal in Betracht. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Objekt eine ein-malige Chance bietet, mittelalterliche Geschichte in all ihren Facetten wieder lebendig werden zu lassen."

Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) beglückwünschte die märkische Stadt zu der Initiative: "Was in Herne über 166.000 Museumsbesucher lockte, wird sicher auch in Neuenrade ein Anziehungspunkt werden."

Die Motte wird fachmännisch zerlegt, in der Reihenfolge des Aufbaus abgebaut, auf Lkw zum neuen Standort transportiert und dort bis zum endgültigen Aufbau zwischengelagert. Die Arbeiten übernimmt ein Neuenrader/Küntroper Zimmereiunternehmen, das Erfahrung in der Planung und Errichtung von Holz-Fertighäusern hat. Die Kosten werden nach Angaben von Sasse größtenteils durch Spenden aufgebracht.

Hintergrund

Turmhügelburgen im Mittelalter
Motten prägten wesentlich das Erscheinungsbild der dichten Burgenlandschaft in der Region. Doch keine einzige ist erhalten geblieben. Auch zeitgenössische Abbildungen existieren kaum. Erkenntnisse liefern vor allem noch bestehende Hügel und Spuren im Boden. Die LWL-Archäologen versuchten unter anderem herauszufinden, wie die Holzburgen auf heutigem deutschen Boden aussahen.

Um den wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden, trugen die Ausstellungmacher Forschungsergebnisse über Mottenbauten aus ganz Deutschland zusammen. Auf deren Grundlage entwickelten sie den Idealtypus eines Wohnturms mit Hügel, der mit seinen insgesamt 25 Metern Höhe Besuchern den Weg zur Ausstellung über Ritter, Burgen und Intrigen wies.

Die Motte in Neuenrade
Nur wenige Kilometer östlich der einstigen märkischen Grenzfeste Neuenrade erhebt sich auf einem Wiesengrundstück inmitten der Talsohle des oberen Hönnetals ein mit dichtem Buschwerk bewachsener, von einem Wassergraben umgebener künstlicher Erdhügel, eine sogenannte "Motte". An dieser Stelle befand sich wahrscheinlich schon seit dem 13. Jahrhundert die Wasserburg Gevern, ein befestigter Stützpunkt der Grafen von Arnsberg und Zentrum eines großen wirtschaftlich florierenden Haupthofes, zu dem - neben einer Mühle - eine Reihe stattlicher Güter und deren Kolonnen zählten.

Der Bau dieser Turmhügelburg richtete sich gegen Graf Engelbert III. von der Mark, der - ab 1353 - in eindeutiger Frontstellung gegen Graf Gottfried IV. von Arnsberg - die befestigte Stadt Neuenrade anlegte. Noch vor der sehr wahrscheinlich durch Graf Engelbert persönlich vorgenommenen Überreichung des großen Neuenrader Stadtrechtsbriefes vom 25. Juli 1355 rückte der Märker mit starken militärischen Kräften gegen Arnsberg vor und legte die Turmhügelburg Gevern in Schutt und Asche.

In der Folgezeit scheint es still um den verlassenen Burgplatz geworden zu sein, der ebenso wie das Dorf Gevern mit seinen ausgedehnten Fluren in der Neuenrader Feldmark aufging. 1573 findet die Burg noch einmal Erwähnung. Als die Küntroper aus Fundamentsteinen der Burgruine einen Kalkofen errichteten, griffen die Märker ein und zerstörten ihn.

Wie die Geverner Turmhügelburg ausgesehen haben könnte, wird seit Jahrzehnten - auch in Nichthistoriker-Kreisen - diskutiert. "Erst die anlässlich der Aufruhr-Ausstellung errichtete Turmhügelburg brachte hier neue und überzeugende Erkenntnisse", so Dr. Rolf Dieter Kohl, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Heimatpflege Neuenrade.

In diesem Zusammenhang wurde von historisch interessierten Bürgern überlegt, ob die Herner Turmhügelburg nach ihrem geplanten Abbau in Herne nicht in der Nähe der ehemaligen Burg Gevern als einzigartiges und dauerhaftes Anschauungsobjekt wieder Aufstellung finden könnte.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Museum für Archäologie Herne
Westfälisches Landesmuseum
Europaplatz 1
44623 Herne
Karte und Routenplaner



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
http://www.facebook.com/LWL2.0







Ihr Kommentar




zu den aktuellen Presse-Infos