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Mitteilung vom 20.01.10

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Römische Marschlager, ein Münzschatz und ein wanderndes Dorf

LWL veröffentlicht Publikation über Ausgrabungen in Dorsten

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Dorsten (lwl). Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben von 1999 bis 2002 ihre bis dahin größte Ausgrabung durchgeführt. Am Kreskenhof in Dorsten-Holsterhausen haben sie auf 120.000 Quadratmetern fünf römische Marschlager und kaiserzeitliche und mittelalterliche Siedlungsspuren untersucht. Mehrere tausend Funde und Befunde haben die Experten ausgewertet und jetzt in der wissenschaftlichen Publikation "Augusteische Marschlager und Siedlungen des 1. bis 9. Jahrhunderts in Dorsten-Holsterhausen" veröffentlicht. Das 450 Seiten umfassende Buch ist ab sofort für 34 Euro im Buchhandel erhältlich.

"Eine Ausgrabung in dieser Größe hat es bei der LWL-Archäologie bis dahin noch nicht gegeben", so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale beim Pressetermin am Mittwoch (20. Januar) in Dorsten. "Mithilfe modernster Dokumentationstechniken und mit der Unterstützung der Stadt Dorsten und der Bauträger "Wohnen im Park" konnten wir die Arbeiten zügig durchführen."

Die Autoren schlagen einen Bogen von der vorgeschichtlichen Besiedlung über die römische Okkupationszeit und die einheimischen Siedlungsspuren in den Folgejahrhunderten bis hin zu neuzeitlichen Funden. Ausführlich behandeln sie dabei die fünf Marschlager und die germanischen Bauten bis ins 9. nachchristliche Jahrhundert.

Römische Marschlager
Die ersten Zeugnisse der römischen Besatzung stammen aus der Zeit des Drususfeldzuges 12 v. Chr. Die römischen Legionen hatten am Kreskenhof vermutlich mehrmals ein provisorisches Lager aufgeschlagen und für wenige Tage bis Wochen genutzt. Prof. Dr. Wolfgang Ebel-Zepezauer beschreibt im ersten Beitrag die archäologischen Funde. Er weist die Gräben von wenigstens fünf römischen Lagern nach, dazu Brunnen, Gruben und Backöfen. Die bis zu zwei Meter tiefen, streng geometrisch angelegten Lagergräben weisen das typische spitze Profil auf. Den Aushub dieser Gräben hatten die Legionäre im Lagerinneren zu einem Schutzwall angehäuft. Unterbrochen wurden die Gräben von neun Meter breiten Toren, die mit hölzernen Konstruktionen verschlossen und streng bewacht wurden.

Vier der fünf Lager waren so groß, dass sie die Soldaten von mehr als einer Legion aufnehmen konnten. Den Großteil der Funde machen Sandalennägel und Waffenteile wie Pfeilspitzen, bleierne Schleudergeschosse, Lanzenspitzen und Lanzenschuhe aus. Nur wenige Schmuckstücke und zirka 240 Münzen haben die Soldaten in den Lagern zurückgelassen.

Schatzfund
Besonders spektakulär ist ein mit 36 Silberdenaren gefüllter Geldbeutel. Er stammt nicht aus der Zeit der Drususfeldzüge (12-8 v. Chr.), sondern aus den Jahren, in denen Varus Statthalter in Germanien war (7-9 n. Chr.). "Die 36 Münzen entsprechen etwa dem Legionärssold zweier Monate", erklärt Prof. Dr. Wolfgang Ebel-Zepezauer, der die Ausgrabung in Dorsten geleitet hat. "Vermutlich starb der Soldat, bevor er seinen Schatz bergen konnte". Mittlerweile sind die Münzen im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen. In dem Beitrag "Die Münzen aus Holsterhausen" beschreibt Dr. Peter Ilisch diesen Hortfund sowie die Einzelfunde ausführlich. Die Marschlager von Holsterhausen ordnet Dr. Johann-Sebastian Kühlborn ein, der ehemalige Leiter der provinzialrömischen Abteilung der LWL-Archäologie für Westfalen.

Germanische Besiedlung
Erst ein halbes Jahrhundert nach Abzug der römischen Truppen entwickelte sich in Holsterhausen eine kleine germanische Ansiedlung. Im Boden erhalten hatten sich die Reste sogenannter Grubenhäuser, kleinere Pfostenspeicher sowie größere Pfostenbauten, sogenannte Feldscheunen. Einige Grubenhäuser hatten die Menschen mit Siedlungsabfällen verfüllt, nachdem sie sie nicht mehr nutzten. Diese Abfälle bestanden vor allem aus den Scherben von einheimischen Keramikgefäßen. Aber auch die Reste römischer Gefäße traten zutage, die Dr. Bettina Tremmel in ihrem Beitrag beschreibt und datiert.

Die germanischen Grubenhäuser dienten vor allem handwerklichen Zwecken und waren nach einigen Jahrzehnten weiterverlegt worden. Diese periodische Verlagerung und die großflächige Verteilung der Gebäude innerhalb der germanischen Siedlung ist bisher einmalig, wie Ebel-Zepezauer in seinem Beitrag ausführt Dr. Christoph Grünewald, Leiter der Außenstelle Münster der LWL-Archäologie für Westfalen, interpretiert schließlich die späteren mittelalterlichen Gebäude und Funde wie Spinnwirtel, Webgewichte und Fibeln.

Bibliografische Angaben:
Wolfgang Ebel-Zepezauer, Christoph Grünewald, Peter Ilisch, Johann-Sebastian Kühlborn, Bettina Tremmel, Augusteische Marschlager und Siedlungen des 1. bis 9. Jahrhunderts in Dorsten-Holsterhausen. Die Ausgrabungen 1999-2002, Bodenaltertümer Westfalens (BAW) 47, Mainz 2009, 452 Seiten mit 33 Abb., 80 Tafeln und 3 Beilagen, ISBN 978-3-8053-3952-0, 34 Euro.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Stefanie Mosch, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-8921
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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