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Mitteilung vom 15.01.10

Foto zur MitteilungPopstars einer finsteren Zeit? Die meisten Ritter taugten nicht als Idole!
Foto: LWL


Foto zur MitteilungTopfhelm des Adeligen Prankh aus der Wiener Jagd- und Rüstkammer.
Foto: © Kunsthistorisches Museum Wien


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Presse-Infos | Kultur

Die Popstars des Mittelalters?

Ausstellung "Aufruhr 1225!" beleuchtet Licht- und Schattenseiten der Ritter

Bewertung:

Münster (lwl). Sie waren tapfere Krieger, zuvorkommende Gentlemen und Beschützer der Witwen und Waisen: So gesehen waren Ritter die Lichtgestalten einer finsteren Zeit - dem "dunklen Mittelalter". "Aus heutiger Sicht kann man sie als Popstars bezeichnen", sagt Dr. Stefan Leenen, Projektleiter der kommenden Ausstellung über Ritter, Burgen und Intrigen im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Die Schau "Aufruhr 1225!" des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zeigt ab dem 27. Februar 2010 unter anderem, wer die Ritter waren und wie sich selbst sahen.

"Der Ritter war für viele Menschen ein Vorbild", sagt Leenen. "Doch es war lediglich ein Ideal, dem sie nacheiferten. Die echten Ritter hingegen taugten meist nicht als Idole." In Wirklichkeit führten sie häufig untereinander Kleinkriege, unter denen vor allem die untergebenen Bauern litten. Versuche, diese Fehden zu unterbinden, scheiterten. Mit ihren Streitigkeiten verärgerten die Ritter auch die Kirche, die ihren Tatendrang im Kampf gegen die vermeintlich Ungläubigen (und nicht gegen andere Christen) forderte. "Das Bild des tugendhaften Ritters gilt daher nur eingeschränkt", so der Historiker.

"Entstanden ist das Rittertum auf dem Schlachtfeld", erklärt Leenen. Bereits im frühen Mittelalter gab es Reiterkrieger, die für ihren Herrn in den Krieg zogen. Hoch zu Pferd und durch eine Rüstung geschützt dominierten sie über Jahrhunderte das Kriegsgeschehen. Weit später erst entwickelte sich ein gesellschaftlicher Stand unterhalb des Hochadels. "Ab dem 13. Jahrhundert mussten sich die Ritter ihre Sporen nicht mehr selbst verdienen. Die geborenen Ritter definierten sich von nun an durch ihren Stand, und der wurde vererbt", so der Mittelalterexperte.

Seltener Helm
Ungeachtet ihrer neuen Stellung in der Gesellschaft zogen die Ritter weiter in den Krieg, wo sie sich bestmöglich zu schützen versuchten. Ein besonders seltener Kopfschutz ist in der neuen Ausstellung zu sehen: ein sogenannter Topfhelm aus der Hofjagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien. Weltweit gibt es nur noch ein vergleichbares Exemplar, das ebenso gut erhalten ist.

Der Helm wurde um das Jahr 1350 gefertigt und gehörte vermutlich dem österreichischen Adeligen Albert von Prankh. Neben einem Helm aus der Kathedrale von Canterbury in England ist er der einzige bekannte Topfhelm, der samt Helmschmuck erhalten ist. Ein lederner Aufsatz in Gestalt von Büffelhörnern ziert den aus Metall gefertigten Kopfschutz. Der starre Gesichtsschutz deckt fast das gesamte Gesichtsfeld ab und sorgt für das topfähnliche Aussehen des Helms. "Der Träger konnte nur sehr eingeschränkt durch schmale Schlitze sehen und bekam auch nur schwer Luft", sagt der Projektleiter der Herner Ausstellung, Dr. Stefan Leenen.

Von Kopf bis Fuß in Eisen
Auch wenn der Wiener Helm vermutlich für Turniere genutzt worden sei, verdeutliche er doch anschaulich eine verhängnisvolle Entwicklung für die damaligen Ritter, so der Mittelalterexperte. Denn neue Waffentechniken zwangen die Reiterkrieger, den eigenen Körper auf dem Schlachtfeld stärker zu schützen. Leenen: "Anfangs mit vergleichsweise leichten Kettenhemden und Beinschützern ausgestattet, steckten die Ritter später von Kopf bis Fuß in Eisen." Das habe zum einen das Sehfeld, zum anderen aber auch die Bewegungsmöglichkeiten stark begrenzt.

Der erhoffte Erfolg des zusätzlichen Schutzes blieb dagegen aus. Die Ritter verloren zusehends ihre militärische Bedeutung. Mit langen Stangenwaffen warfen gegnerische Fußtruppen die gepanzerten Reiter immer öfter aus dem Sattel. Bogenschützen bedrohten ihr Leben bereits aus großer Distanz. "Besonders die englischen Langbogenschützen waren gefürchtet", sagt Leenen.

Ausstellung
1225 kommt der Kölner Erzbischof Engelbert, einer der mächtigsten Männer des Reiches, während eines Überfalls bei Gevelsberg im heutigen Ruhrgebiet gewaltsam ums Leben. Wie dieser Mord die ganze Ruhrregion veränderte - das ist Ausgangspunkt und Leitmotiv der größten Mittelalterausstellung, die bisher im Ruhrgebiet gezeigt wurde: "Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen", läuft vom 27. Februar bis 28. November 2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

Events, Workshops, Führungen und Mittelaltermärkte sowie ein Außenprogramm in elf Burgen und Schlössern der Region begleiten die Ausstellung.

27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen"

LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1, 44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 2 und 6 Euro, Familienkarte 12 Euro, Gruppenrabatte

http://www.aufruhr1225.lwl.org

Die Pressekonferenz zur Eröffnung findet am
25. Februar um 11 Uhr in Herne statt.



Pressekontakt:
Martin Holzhause, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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