LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 07.12.09

Foto zur MitteilungFlagge zeigen: LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch (v.r.), Standortleiterin Dr. Ulrike Gilhaus und Museumsdirektor Dirk Zache mit der Westfalen-Flagge auf dem Fördergerüst der Zeche Zollern.
Foto: LWL/Appelhans


Foto zur MitteilungAm Leseband in der Schachthalle wurden früher Kohle und anderes Gestein von Hand voneinander getrennt. Die neue Dauerausstellung "Wege der Kohle" macht die Arbeitsbedingungen von einst anschaulich. LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch (v.r.), Standortleiterin Dr. Ulrike Gilhaus und Museumsdirektor Dirk Zache stellten die Ausstellung vor.
Foto: LWL/Appelhans


Foto zur MitteilungAuch Führungen durch die "Museumsbaustelle" Maschinenhalle stehen beim Fest am Sonntag auf dem Programm.
Foto: LWL/Foltynowicz


Zum Herunterladen bitte mit der linken Maustaste auf das Foto klicken. Nachdem sich das neue Fenster geöffnet hat, bitte das Foto mit der rechten Maustaste speichern.

Die zum Download angebotenen Fotos dürfen nur mit Fotonachweis und gemeinsam mit der Pressemitteilung oder dem Thema verwendet werden, in deren Zusammenhang sie veröffentlicht wurden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht gestattet. Bei Ausstellungen ist die Reproduktion nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Ausstellung erlaubt. Bei einer anderweitigen Nutzung sind Sie verpflichtet, selbständig die Fragen des Nutzungsrechts zu klären.

Presse-Infos | Kultur

40 Jahre Industriekultur

LWL feiert Meilensteine mit Museumsfest auf der Zeche Zollern

Bewertung:

Dortmund (lwl). 2010 blickt Europa auf das Ruhrgebiet und seine einzigartige Industriekultur. Fördertürme und Hochöfen genießen heute eine ähnlich große Wertschätzung wie Kirchen und Schlösser. Das war nicht immer so. Noch vor 40 Jahren sollte die Zeche Zollern in Dortmund, eines der schönsten Zeugnisse der industriellen Vergangenheit in Deutschland, komplett abgerissen werden. Damals formierte sich zum ersten Mal Widerstand - mit Erfolg: Am 30. Dezember 1969 wurde das Ensemble durch den Landeskonservator beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) unter Schutz gestellt und damit in letzter Minute gerettet. "Das war die Geburtsstunde der Industriekultur", erklärte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch am Montag (7.12.) im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern. "Und niemand ahnte damals, dass aus dem kulturellen Außenseiter ein Markenzeichen für das Ruhrgebiet werden sollte."

40 Jahre Industriekultur feiert der LWL am Sonntag, 13. Dezember, mit einem Fest auf Zollern. Gleichzeitig wird an diesem Tag die neue Dauerausstellung "Wege der Kohle" in der Schachthalle eröffnet.


Rückblick
1969 gerettet, 1979 gegründet, 1989 aufgebaut, 1999 eröffnet - das sind die wichtigen Meilensteine in der Erfolgsgeschichte des LWL-Industriemuseums. Am Anfang steht die Zeche Zollern. Nach fast 60 Jahren Betriebszeit wurde die Schachtanlage 1966 stillgelegt. Zug um Zug wurden funktionslose Gebäude abgerissen, noch im September 1969 fiel das Fördergerüst. Dann sollte die Maschinenhalle, für die sich kein gewerblicher Mieter fand, abgerissen werden, um Straßen und Gewerbe Platz zu machen. Doch es regte sich Widerstand, vor allem bei Künstlern, Denkmalpflegern und Architekten, die die Jugendstilschönheit erhalten wollten. Sie fanden zunächst kaum Mitstreiter. "Fast wäre das Unterfangen gescheitert, hätten nicht viele Einzelne durch intensive Überzeugungsarbeit, aber auch durch organisierten Protest prominenter Persönlichkeiten beim Ministerpräsidenten Heinz Kühn die Unterschutzstellung vorangetrieben", erklärt Standortleiterin Dr. Ulrike Gilhaus.

"Rückblickend betrachtet, war der Fall Zollern die eigentliche Initialzündung. Seitdem stehen Kirchen und Schlösser, Adelssitze und Villen gleichberechtigt neben Zechen und Hochöfen, Spinnsälen und Ziegeleien", betont Dirk Zache, Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Industriekultur.

Aber die Begeisterung für die Industriekultur kam nicht über Nacht. Noch 1992 titelte ein Journalist beim Anblick des jüngsten Sprösslings des Industriemuseums, des Hochofens 3 auf der Henrichshütte Hattingen: "Und dieser Schrott soll Denkmal werden?" Neue Konzepte und ein langer Atem waren notwendig, um das Pflänzchen Industriekultur auf ein bauliches und geistiges Fundament zu stellen. "Dieser Aufgabe hat der Landschaftsverband damals konsequent gestellt", so LWL-Direktor Kirsch.

1973 richtete der LWL bei seiner Denkmalpflege das bundesweit erste Referat für Technische Denkmalpflege ein. Die hier geleistete Arbeit bildete die Grundlage für den Aufbau des Westfälischen Industriemuseums, das der LWL am 21. September 1979 als erstes Industriemuseum Deutschlands gründete. Mit seinen acht Standorten und jährlich insgesamt rund 400.000 Besuchern ist das Verbundmuseum heute auch bundesweit das größte. Seit der ersten Erfassung der Besucherzahlen 1989 - dem Jahr, als das Textilmuseum Bocholt an den Start ging - hat das LWL-Industriemuseum insgesamt mehr als fünf Millionen Besucher gehabt, fast eine Million davon kamen in den vergangenen zehn Jahren zur Zeche Zollern in Dortmund.

Neu war damals das Konzept, das die Erschließung des Denkmals in seinen technischen und sozialen Bezügen vorsah. "Wir haben uns damals gegen große zentrale Projekte entschieden, die nur einen Standort begünstigen. Wir haben uns entschieden für Kultur in der Fläche, für die Stärkung der kulturellen Vielfalt und der regionalen Besonderheiten, für die Einbindung der Bevölkerung mit ihren Initiativen, Ideen und Objekten und Erinnerungen", erklärt Kirsch.

Hunderte Zeitzeugen wurden seit der Gründung des Museums befragt - auch das war damals methodisch neu - und ein Schatz von weit über 200.000 Sammlungsobjekten aus dem Arbeits- und Alltagsleben erschlossen. Mit dieser sozialgeschichtlichen Ausrichtung sei das LWL-Museum identitätsbildend gewesen, gerade im Ruhrgebiet. "Andere Regionen haben die Berge und Seen oder das Meer, wir haben die Industriemuseen. Hier erfahren wir hautnah, wie frühere Generationen gelebt und gearbeitet haben und ziehen unseren Hut vor unseren Vorfahren", schrieb ein Besucher jüngst ins Gästebuch.

Ausblick
Mit der Eröffnung der Dauerausstellung "Wege der Kohle" in der Schachthalle der Zeche Zollern ist noch lange nicht Schuss, was die Entwicklungspläne für das LWL-Industriemuseum angeht. Dirk Zache: "An unserem Textilstandort in Bocholt entsteht gerade in der Spinnerei Herding eine großartige Kulturfabrik, die Platz für die Kooperation mit Design und Industrie, Schule und Hochschule bildet. In Hattingen sanieren wir die historische Gebläsehalle und schaffen die Voraussetzungen für den Ausbau unserer Dauerausstellung zum Thema Stahl. Die Bochumer Zeche Hannover wollen wir zu einem Forum und Museum der Migration in NRW machen, und in Dortmund werden wir in den kommenden zwei Jahren die Sanierung der Maschinenhalle abschließen und eine weitere Dauerausstellung im ehemalige Verwaltungsgebäude einrichten."

Museumsfest
Das Museumsfest am Sonntag (13.12.) startet um 11 Uhr mit der Eröffnung der Dauerausstellung "Wege der Kohle". Sie zeigt am authentischen Ort, wie die Kohle aufbereitet wurde. Im Mittelpunkt stehen einmal mehr die Menschen, die hier gearbeitet haben. In Videosequenzen kommen elf Zeitzeugen zu Wort, die über ihre eigene Tätigkeit berichten, aber z.B. auch über Erfahrungen mit Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg.

Bis 18 Uhr stehen dann vielseitige Aktivitäten auf dem Programm: Führungen für Erwachsene durch die Dauerausstellungen und die "Museumsbaustelle Maschinenhalle", Kinderprogramme, zwei Bastelwerkstätten, Gespräche mit Zeitzeugen in der Schachthalle sowie Mitmachaktionen der anderen Standorte des LWL-Industriemuseums. Auf der Bühne in der Alten Werkstatt wartet ein kleines "Showprogramm" mit Clownerie, Fakirshow, Comedy, Musik und Gesang auf die Besucher. Kulinarische Angebote runden den Tag ab.

Der Eintritt ist frei.



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
http://www.facebook.com/LWL2.0







Ihr Kommentar




zu den aktuellen Presse-Infos