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Mitteilung vom 02.12.09

Foto zur MitteilungEin Bild der Äbtissin Adelheid ist nicht überliefert. Das LWL-Museum für Archäologie in Herne gibt ihr auf Postkarten ein Gesicht.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungStreitschlichter: Der Kölner Erzbischof Engelbert von Berg. Auch er wollte das Stift Essen vermutlich kontrollieren.
© Domschatz Essen


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Presse-Infos | Kultur

Eine Nonne als Fälscherin

Wie Äbtissin Adelheid das Stift Essen retten wollte

Bewertung:

Herne (lwl). Adelheid, Äbtissin des Stifts Essen im 13. Jahrhundert, ist für Forscher bis heute eine Unbekannte. Fest steht aber: Sie war die lachende Dritte in einem Rechtsstreit, der mit einem der bekanntesten Kriminalfälle des Mittelalters endete. Der Mord am Kölner Erzbischof Engelbert von Berg im November 1225 führte zur Hinrichtung von Adelheids ärgstem Widersacher, Graf Friedrich von Isenberg. Die neue Ausstellung "Aufruhr 1225" im LWL-Museum für Archäologie in Herne hinterfragt, welche Rolle die Äbtissin in dem Streit spielte, der die weitere Geschichte Nordrhein-Westfalens prägte. In der Schau des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geht es ab dem 27. Februar 2010 um Ritter, Burgen und Intrigen im Ruhrgebiet.

"Wir wissen praktisch nichts über Adelheid", sagt der Projektleiter der Ausstellung, Dr. Stefan Leenen. Nur das Todesjahr ihrer Vorgängerin und die ersten Erwähnungen ihrer Nachfolgerin ließen darauf schließen, dass sie etwa zwischen 1216 und 1237 dem Reichsstift Essen vorgestanden haben müsse. Das Stift unterstand direkt König und Papst und verfügte über großen Besitz. "Als Adelheid die Kontrolle über den eigenen Hoheitsbesitz bedroht sah, setzte sie sich zur Wehr", so der Mittelalterexperte. Dabei habe die fromme Frau auch vor Fälschung nicht zurückgeschreckt.

Streit um die Vogtei
Graf Friedrich von Isenberg verwaltete wie andere Familienmitglieder vor ihm die weltlichen Besitztümer des Essener Frauenstifts. Die Position des sogenannten Vogtes stand nach Auffassung des Grafen ausnahmslos seiner Familie zu. "Sie hätte demnach vererbt werden können", erklärt Leenen. Adelheid widersprach diesem Anspruch Friedrichs. Ihrer Meinung nach hatte das Stift das Recht, den Vogt frei zu wählen. Nach den Angaben des Mönches Caesarius von Heisterbach soll sie mehrfach Hilfe beim Papst und beim Kaiser gesucht haben. Leenen: "Demnach müssen beide das Thema irgendwann leid gewesen sein, weshalb sie wohl den Erzbischof Engelbert gebeten haben, das Problem zu lösen."

Während Friedrich seine Ansprüche aufschreiben ließ, um diese zu bekräftigen, verwies Adelheid auf alte Urkunden des Stifts. "Die Äbtissin beließ es aber nicht dabei, sich auf die Dokumente zu berufen", so der Archäologe und Historiker. Zum Teil habe sie die Schriften verfälscht, indem sie Passagen ergänzte. Unter den zumeist geistlichen Schriftgelehrten sei das eine übliche Praxis gewesen, die der eher ungebildete Adel nicht habe durchschauen können.

Lachende Dritte
Inzwischen haben Forscher die Veränderungen identifiziert. Äbtissin Adelheid betonte mit ihren Ergänzungen das Wahlrecht ihres Stifts. Außerdem beschränkte sie die Rechte des Vogtes in der Stadt Essen.

Erzbischof Engelbert, der die Vogtei in Kirchenhand zurückbringen wollte, verhandelte Anfang November 1225 mit Friedrich in Soest. Auf der Heimreise wurde er ermordet und der Graf später als Beschuldigter hingerichtet. "Somit wurde Adelheid plötzlich zur lachenden Dritten, die ihre Position durchsetzen konnte", sagt Leenen. Die nachfolgenden Vögte waren in ihrer Stellung geschwächt. Auch vom Tod des Erzbischofs profitierten die Ordensfrauen. Denn Engelbert habe vorgehabt, das Stift zu kontrollieren. Da seine Nachfolger dieses Ziel ebenfalls langfristig verfehlten, blieb das Stift noch bis ins 19. Jahrhundert weitgehend unabhängig.

Die Ausstellung
1225 kommt der Kölner Erzbischof Engelbert, einer der mächtigsten Männer des Reiches, während eines Überfalls bei Gevelsberg im heutigen Ruhrgebiet gewaltsam ums Leben. Wie dieser Mord die ganze Ruhrregion veränderte - das ist Ausgangspunkt und Leitmotiv der größten Mittelalterausstellung, die bisher im Ruhrgebiet gezeigt wurde: "Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen", läuft vom 27. Februar bis 28. November 2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

Events, Workshops, Führungen und Mittelaltermärkte sowie ein Außenprogramm in elf Burgen und Schlössern der Region begleiten die Ausstellung.

27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen"

LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1, 44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 6 und 2 Euro, Familienkarte 12 Euro, Gruppenrabatte

http://www.aufruhr1225.de



Pressekontakt:
Martin Holzhause, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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