LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 18.11.09

Foto zur MitteilungBüste des Kölner Erzbischofs Engelbert I. von Berg.
© Domschatz Essen


Foto zur MitteilungHolzstatue Engelberts, die zu Ehren des Bischofs nach seinem Tod im Kloster Gevelsberg stand.
© Märkisches Museum Witten


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Presse-Infos | Kultur

War Erzbischof Engelbert ein Heiliger?

LWL-Museum für Archäologie in Herne geht der Frage auf den Grund

Bewertung:

Herne (lwl). Der Kölner Erzbischof Engelbert I. (1185 - 1225) von Berg machte eine steile Karriere in der katholischen Kirche, bis er wegen der Verteidigung kirchlicher Rechte den Tod gefunden haben soll. Kirchengemeinden in Bochum, Essen oder Köln tragen noch heute seinen Namen und zeugen damit von seiner Heiligkeit. Doch war Engelbert wirklich ein Heiliger? Die neue Ausstellung "Aufruhr 1225!" des LWL-Museums für Archäologie in Herne geht unter anderem dieser Frage nach. Die Schau des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) thematisiert vom 27. Februar 2010 an Ritter, Burgen und Intrigen.

Engelbert von Berg entstammte einer der einflussreichsten Familien im heutigen Nordrhein-Westfalens, die bereits mehrere Erzbischöfe gestellt hatte. Weil er einen älteren Bruder hatte, der das Erbe seines Vaters antreten sollte, war Engelbert für ein geistliches Amt bestimmt. 1216 wurde er zum Erzbischof von Köln gewählt. In den frühen 1220er Jahren war er nach dem Kaiser der einflussreichste Mann im Reich. Der zu dieser Zeit in Italien weilende Herrscher vertraute Engelbert seinen Sohn Heinrich zur Erziehung an. Eine Büste, die das Stift Essen um 1500 anfertigen ließ, zeigt den Erzbischof: Die mit Gold und Silber belegte Holzarbeit ist ebenso in der Ausstellung in Herne zu sehen wie eine fast 800 Jahre alte Holzstatue aus dem Kloster Gevelsberg (Ennepe-Ruhr-Kreis).

Zielstrebiger Machtpolitiker

"Wenn man die Lebensgeschichte des Erzbischofs betrachtet, dann fällt auf, dass Engelbert aus heutiger Sicht eher wie ein weltlicher Fürst als ein geistlicher Oberhirte handelte", sagt der Projektleiter der Ausstellung, Dr. Stefan Leenen. Engelbert war sowohl Kölner Erzbischof als auch Herzog von Westfalen. Konsequent und zielstrebig habe er ständig daran gearbeitet, seinen Machtbereich auszubauen. Leenen: "Vor dem Hintergrund der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse ist das Verhalten Engelberts allerdings durchaus standesgemäß gewesen." Dabei habe er auf den Adel und zum Teil selbst auf die eigene Familie wenig Rücksicht genommen. So riss er etwa die Grafschaft Berg nach dem Tod seines Bruders an sich, obwohl dessen Tochter und ihr Ehemann erbberechtigt waren.

Die weltliche Machtpolitik zu Lebzeiten Engelberts konnte jedoch kaum eine Grundlage dafür sein, als Heiliger verehrt zu werden. "Es waren die Umstände seines Todes, die seine Heiligkeit rechtfertigen sollten", erklärt der Mittelalterexperte. In Folge eines Rechtsstreits zwischen dem Reichstift Essen und dem Grafen von Isenberg, in den sich der Erzbischof eingeschaltet hatte, wurde er am 7. November 1225 in einem Hohlweg überfallen und erschlagen. Der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach schrieb im Auftrag von Engelberts Nachfolger die Lebensgeschichte des Ermordeten auf, um damit auf seine Heiligsprechung hinzuwirken. Er betrachtete das gewaltsame Ende als Martyrium. Der Bischof habe, so der Mönch, die Rechte des Stiftes Essen verteidigt und sei letztendlich dafür in den Tod gegangen.

"Damit wog Caesarius die Sünden Engelberts und sein auf die weltlichen Geschäfte fixiertes Handeln auf", sagt Leenen. Wahrscheinlich habe der Erzbischof aber selbst die großen Besitztümer des Stifts kontrollieren wollen, um seine Einflussgebiete im Rheinland und in Westfalen miteinander zu verbinden.

Bis heute ein Regionalheiliger
In den Jahren nach dem Mord gab es viele Pilger, die an den Tatort bei Gevelsberg oder nach Köln reisten, um den Verstorbenen zu verehren. In Gevelsberg wurde dem Bischof zu Ehren ein Zisterzienserkloster gegründet, in Köln wurden Engelberts Gebeine im Dom bestattet. Leenen: "Der Wahlfahrtsboom ebbte aber nach kurzer Zeit wieder ab." Die Bemühungen des nachfolgenden Erzbischofs führten nicht zur Heiligsprechung Engelberts, woran sich bis in die Gegenwart nichts geändert hat. "Doch im 17. Jahrhundert sollte er als Heiliger noch einmal in den Vordergrund gerückt werden." Der damalige Kölner Erzbischof versuchte (vergebens), Engelbert im 30-Jährigen Krieg zum Schutzpatron der katholischen Heere durchzusetzen. In den Bistümern Essen, Köln und Paderborn ist Engelbert bis heute ein Regionalheiliger.

Ausstellung
1225 kommt der Kölner Erzbischof Engelbert während eines Überfalls bei Gevelsberg im heutigen Ruhrgebiet gewaltsam ums Leben. Wie dieser Mord die ganze Ruhrregion veränderte - das ist Ausgangspunkt und Leitmotiv der größten Mittelalterausstellung, die bisher im Ruhrgebiet gezeigt wurde: "Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen", läuft vom 27. Februar bis 28. November 2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

Events, Workshops, Führungen und Mittelaltermärkte sowie ein Außenprogramm in elf Burgen und Schlössern der Region begleiten die Ausstellung.

27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen"

LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1, 44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 6 und 2 Euro, Familienkarte 12 Euro, Gruppenrabatte

http://www.aufruhr1225.de



Pressekontakt:
Martin Holzhause, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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