LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 01.10.09

Foto zur MitteilungDie Vitrine "Frisch erforscht!" präsentiert ab sofort aktuelle Forschungsergebnisse aus der westfälischen Archäologie.
Foto: LWL/Stefan Kuhn.


Foto zur MitteilungModell eines Töpferofens.
Foto: LWL.


Foto zur MitteilungDie Schädelkalotte und die Reste des Kiefers des ebenfalls im Töpferofen gefundenen Hundes.
Foto: LWL/Andreas Weisgerber


Foto zur MitteilungFür die Strontium-Isotopenanalyse entnimmt man aus gut erhaltenen Zähnen mit einem Bohrer vorsichtig eine Probe.
Foto: C. Knipper.


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Presse-Infos | Kultur

Frisch erforscht!

Neues im LWL-Museum für Archäologie in Herne

Bewertung:

Herne (lwl). Das LWL-Museum für Archäologie in Herne ist um einen Ausstellungsbereich reicher: Die Vitrine "Frisch erforscht!" präsentiert ab sofort aktuelle Forschungsergebnisse aus der westfälischen Archäologie. Als erstes Projekt wird die Analyse von Skeletten aus der Zeit der Varusschlacht von 9 nach Christus vorgestellt. Moderne Untersuchungsmethoden konnten klären, dass es sich bei diesen Toten eines Kampfes vor dem Römerlager von Haltern am See um Germanen und nicht um römische Besatzer handelt.

"Das Archäologie-Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe - kurz LWL - dient als Schaufenster der westfälischen Geschichte," erklärt Prof. Dr. Michael M. Rind, Chefarchäologe des LWL. "Ab sofort präsentieren wir neben den wichtigsten und schönsten archäologischen Funden und Fundkomplexen aus Westfalen auch ganz aktuelle Forschungsergebnisse. Wir möchten die Menschen in Westfalen auf diese Weise zeitnah an unseren Arbeitsergebnissen über die Geschichte der Region teilhaben lassen."

Durch die "Frisch erforscht!"-Vitrine erleben die Besucher hautnah die archäologische Forschung hinter den Kulissen mit. Sie können nachvollziehen, welche Arbeitsschritte ein Objekt durchlaufen hat, bevor es im Museum präsentiert wird. Das frisch Erforschte zeigt somit auch, dass Archäologie keine "staubtrockene" Wissenschaft ist. Denn sie fördert als einzige historische Wissenschaft täglich neue Quellen zutage. Diese stets wachsende Fundmenge kann mit immer ausgefeilteren Methoden untersucht werden. Mit modernen naturwissenschaftlichen Techniken können aber auch altbekannte Objekte neu analysiert werden und so ganz neue und weiterführende Erkenntnisse liefern.

Römische Besatzer oder Germanen?
Als erstes Projekt für die neue Vitrine hat das Museum die Knochen aus einem Töpferofen in Haltern am See neu untersuchen lassen. Der Ofen gehörte zu einem Töpferviertel, das Archäologen vor dem Römerlager in Haltern am See Anfang der 1990er Jahre entdeckt hatten. In großer Unordnung lagen in ihm die Skelette von 24 Menschen und einem Hund. Bisher hatte man nicht klären können, ob es sich bei den Toten um römische Besatzer oder um Germanen handelte.

Wissenschaftler in München stellten nun mit der so genannten Sauerstoff-Strontium-Isotopenanalyse an den Zähnen der Toten fest, dass man hier Germanen im Ofen verscharrt hatte. Die Analysen ergaben, dass sechs der Männer zwischen 20 und 50 Jahren sicher und zwei weitere wahrscheinlich aus der näheren Region stammten. Vier Personen dagegen waren von weit her nach Westfalen gekommen: Alle vier sind in derselben Region im Schwarzwald oder in Böhmen aufgewachsen. Dieses Ergebnis schafft Raum für Spekulationen: Waren doch mehr Germanenstämme in den Kampf gegen die römischen Besatzer eingebunden, als es die schriftliche Überlieferung beschreibt?

Angriff auf römische Rumpfbesatzung?
Die zeitliche Einordnung des Fundes ist nicht ganz sicher. Die Indizien deuten auf einen erfolglosen Überraschungsangriff von Germanen hin, deren Gefallene von den Römern anschließend hastig in den Ofen geworfen wurden. Dies wiederum weist auf eine Zeitstellung nach der Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus hin. Denn keine Germanengruppe hätte zuvor die mit mehreren tausend römischen Berufssoldaten besetzte Militäranlage in Haltern am See angegriffen. Dies würde aber auch beweisen, dass das Halterner Lager auch nach der römischen Niederlage in der Varusschlacht mit einer römischen Rumpfbesatzung bestückt war.

Hintergrund
Sauerstoff-Strontium-Isotopenanalyse macht sich die Tatsache zunutze, dass in Gesteinen verschiedene Isotope des Spurenelements Strontium vorkommen. Das Verhältnis dieser Isotopen zueinander hängt von der Art und dem Alter der Gesteine ab und variiert dadurch von Region zu Region. Aus dem Boden und dem Grundwasser wird das Strontium von Pflanzen aufgenommen. Über die Nahrungskette gelangt es dann in den menschlichen Organismus, wo es in Knochen und Zähne eingelagert wird. Weil sich der Zahnschmelz bis zum 4. Lebensjahr fertig ausbildet, bleibt das Isotopenverhältnis in ihm identisch mit dem der Region, in der ein Mensch seine ersten vier Lebensjahre verbracht hat.

LWL-Museum für Archäologie,
Europaplatz 1, 44623 Herne, T
el. 02323 94628-0,
http://www.lwl-landesmuseum-herne.de;
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr, Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr
Geschlossen am 24., 25., 31.12. und am 1.1.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Tel.: 0251 591-235 und Stefanie Mosch, Tel.: 0251 591-8921
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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