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Mitteilung vom 21.08.09

Foto zur MitteilungConrad von Soest, Heilige Dorothea, Leihgabe des Westfälischen Kunstvereins; August Macke, Modegeschäft, 1913, LWL-LMKuK.
Foto: LWL


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Presse-Infos | Kultur

Sammlung aufgemischt

Wiedereröffnung: Neuer Blick auf die Meisterwerke des LWL-Landesmuseums

Bewertung:

Münster (lwl). Ein halbes Jahrtausend, etliche kunsthistorische Epochen und drastische Stilwechsel in der Mode liegen zwischen ihnen - und doch haben sie viel gemeinsam: August Mackes expressiv gemalte Frauen in seinem Gemälde "Modegeschäft" von 1913 und das rund 500 Jahre zuvor entstandene Bildnis der "Heiligen Dorothea" von Conrad von Soest.

Schönheit, die Wertschätzung kostbarer Materialien und die Ausdruckskraft der Farben finden sich in beiden Werken - ab Sonntag (23.8.) zu sehen in der Ausstellung "Aufgemischt - Meisterwerke der Sammlung im Dialog" im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster. Erstmals steht das ungewöhnliche Bilderpaar Seite an Seite in einer Ausstellung.

Die Neupräsentation der Sammlung im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zeigt die Auswahl von Hauptwerken nicht mehr chronologisch gegliedert, sondern epochen-übergreifend im Dialog. "Diese ungewöhnliche Präsentation stellt zum einen Werke zugespitzt auf bestimmte Aspekte nebeneinander und bietet zugleich Raum für Entdeckungen. Dadurch können auch langjährige Besucher eine neue Sicht auf die Sammlung des Museums gewinnen", so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

"Mit dieser neuen Dauerausstellung für die Phase des Um- und Neubaus bis 2013 haben wir aus der Not eine Tugend gemacht: Denn erst der reduzierte Ausstellungsraum im historischen Altbau war für uns der Ausgangspunkt, unsere Meisterwerke in dieser unkonventionellen Weise erstmals 'aufzumischen'", erklärt Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold.

Die Auswahlkriterien für die Gruppierung der Werke waren thematische, formale sowie Stimmung und Gefühl erzeugende Gemeinsamkeiten bei den Hauptwerken der Sammlung. Beispielsweise verrät die "Sprache des Künstlers" viel über die Beziehung zu seinem Modell. Dies gilt für die berühmte spätgotische Lukasmadonna von Derick Baegert, das altmeisterliche Doppelbildnis, das Otto Dix von dem Maler Willy Kriegel und dessen Frau malte (1932) und Gerhard Richters fotorealistisch anmutendes Familienbild von 1971.

Das Kreuz, Zeichen für Passion und Meditation, ist übergreifendes Thema in einem Raum, in dem die Hauptwerke der romanischen Kunst - das monumentale Triumphkreuz aus Bockhorst und das "Soester Antependium" - Klarheit, Strenge und Ruhe ausstrahlen. Diese Aussagen bestimmen in expressionistischem Form- und Farbkonzept auch Karl Schmidt-Rottluffs "Patroklusturm" (1922) und zeitgenössische Arbeiten von Antoni Tapies und Friedrich Vordemberge-Gildewart.

Starke Gefühle wie Trauer, innere und äußere Verletzung, Leid und Qual sind in Kunstwerken vom Mittelalter bis zur Gegenwart spürbar. Ein Beispiel hierfür ist die "Unnaer Pietà" aus dem späten 14. Jahrhundert, die neben dem Gemälde "Das weinende Mädchen" (1909) von Edvard Munch und Lucio Fontanas Bildwunde "Concetto Spaziale" aus dem Jahr 1959 steht. Trost und Hoffnung ausstrahlende Kunstwerke sind dialogisch dem Thema Leid im selben Raum zugeordnet.

Eine zentraler Aspekt der Ausstellung sind zudem die sich wandelnden Paradiesvorstellungen: Dem Paradies-Wandbild von Franz Marc und August Macke (1912) sind eine plastische Darstellung des Sündenfalls aus der Renaissance von Johann Brabender und Otto Müllers "Zwei sitzende Akte" vom Beginn des 20. Jahrhunderts beigestellt. Hier klingen grundsätzliche Aussagen zum Menschenbild an, die zudem in einer Auswahl von Porträts ein Spektrum zwischen Individualität und Inszenierung entfalten.



Pressekontakt:
Claudia Miklis, Telefon 0251 5907-168, claudia.miklis@lwl.org und Frank Tafertshofer, Telefon 0251 591-235
presse@lwl.org




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