LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 25.06.09

Foto zur Mitteilung"Heraus mit dem Frauenwahlrecht". Plakatentwurf von Karl Maria Stadler zum Frauentag 1914.
Quelle: Bundesarchiv, Repro: LWL


Foto zur MitteilungGruppenbild mit Dame: Erste weibliche Abgeordnete im Proviziallandtag von Westfalen, um 1919.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungPlakatmotiv der Ausstellung "Wie wir wurden, was wir nicht werden sollten".
Gestaltung: Designbüro Arndt + Seelig


Foto zur MitteilungLizzy-Schmidt-Albrecht (links) unmittelbar nach Kriegsende mit einer Kollegin in Hamburg, wo sie für eine Zeitung schrieb. 1952 wurde sie für die SPD Ratsfrau in Detmold.
NRW-Staatsarchiv Detmold, Nachlass Schmidt-Albrecht, Repro: LWL


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Presse-Infos | Kultur

Frauen im Aufbruch zu Amt und Würden

Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern

Bewertung:

Dortmund (lwl). "Sie sehen doch gut aus. Sie werden in ein, zwei Jahren verheiratet sein. Wozu wollen Sie denn einen Beruf haben?" Solche Kommentare hörte Annette Schücking-Homeyer oft, als Sie in den 1950er Jahren versuchte, als Juristin beruflich Fuß zu fassen. Die Geschichte der Detmolder Richterin und die Lebenswege von 25 weiteren Frauen im Aufbruch zu Amt und Würden stehen im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern. Unter dem Titel "Wie wir wurden, was wir nicht werden sollten " zeichnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 27. Juni bis 18. Oktober 2009 in seinem Industriemuseum in Dortmund den hürdenreichen Weg von Frauen zu beruflichem Erfolg nach. Die Lebenswege zeigen modellhaft den langsamen Wandel von Mentalitäten und Möglichkeiten. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem LWL-Institut für Regionalgeschichte und dem LWL-Museumsamt für Westfalen und wird in den kommenden zwei Jahren durch Westfalen touren (Termine s.u).

Anlass sind gleich drei Jubiläen: Im Wintersemester 1908/09 durften Frauen erstmals in Preußen regulär studieren. Zehn Jahre später erhielten sie das aktive und passive Wahlrecht und übten es 1919 erstmals aus. 1949 schrieb das Grundgesetz die Gleichberechtigung beider Geschlechter fest. "Damit erfolgten bedeutsame Weichenstellungen im Verhältnis von Frauen und Männern. Doch tatsächlich war der Weg von Frauen in politische Ämter und akademische Positionen beschwerlich und hürdenreich", so Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus, die die Ausstellung konzipiert hat.


Hintergrund

Chancen. Hürden. Umwege

Preußen gehört in Europa zu den Schlusslichtern, als Frauen 1908 das Recht zum akademischen Studium erhalten. Nun stehen ihnen theoretisch alle Laufbahnen offen. Unabhängig von Ehemann oder Familie können sie aus eigener Kraft gehobenen Lebensstandard und gesellschaftliche Anerkennung erreichen. Doch bis weit in die Nachkriegszeit ist der Weg von Frauen in öffentliche Ämter, Wirtschaft und freie Berufe beengt durch rechtliche Einschränkungen, gesellschaftliches Frauenbild und finanzielle Hürden. Ulrike Gilhaus: "Es brauchte drei Generationen, bis man um 1980 von annähernd gleichen Rechten für Frauen und Männer sprechen kann."

Not. Krise. Schicksalsschläge
Individuelle Schicksalsschläge können jederzeit eine akademische Ausbildung beenden. Die politischen Zäsuren der ersten Jahrhunderthälfte führten jedoch zum massenhaften Studienabbruch junger Frauen unabhängig von ihrer Befähigung. Hyperinflation (1923) und Weltwirtschaftskrise (1932) entzogen vielen Familien die finanzielle Grundlage. Vor allem junge Frauen mussten beruflich umsatteln. Im Mittelpunkt der familiären Förderung stand die Unterstützung des Ehemannes oder Sohnes. Ähnliche Entwicklungen brachte der Zweite Weltkrieg. Flucht und Vertreibung durchkreuzten die Lebenspläne zahlloser junger Frauen trotz erfolgreicher Studienverläufe. Beim Neuanfang hatten die Schaffung einer neuen Existenz und Familiengründung Vorrang.

Examen. Ehe. Ehrenamt
Das Frauenstudium stellte die traditionellen Leitbilder von Männern und Frauen in Frage. Konservative begegneten der akademisch gebildeten Frau zunächst mit Skepsis, schätzen sie aber bald als Partnerin auf Augenhöhe. Ehen zwischen der "studierten Tochter aus gutem Hause" und dem bereits etablierten Akademiker kommen in Mode. Die examinierte Ehefrau stützt die beruflichen Ziele des Mannes, ­repräsentiert souverän, fördert die Bildung der Kinder und engagiert sich ehrenamtlich. Das neue Leitbild setzt sich im Bürgertum seit den späten 1920ern durch. Ehe und Mutterschaft sind für die meisten Studentinnen vorrangiges Lebensziel. Die akademische Qualifikation dient vielen nur als Faustpfand für Notlagen. Die Vereinbarkeit von Ehe und Beruf bleibt ein Zukunftsthema.

In Amt und Würden
Der Weg zum akademischem Beruf ist steinig. Finanzieller Rückhalt, hervorragende Leistungen und Netzwerke sind lange unabdingbare Voraussetzungen für den Einstieg. Die frühen Akademikerinnen entstammen gutsituierten Familien, fast immer ist der Vater selbst Akademiker. Oft gibt er den Impuls zum Studium. Aber auch Männermangel und wirtschaftlicher Druck führen
zu neuen Rollenvorstellungen. Leitbild wird nun die junge Frau, die »standesgemäß« für sich selbst sorgen kann. Dieser Weg steht seit Mitte der 1950er auch Frauen aus anderen Milieus offen. Langsam bessern sich Schulangebot und finanzielle Förderung. Die mentalen Hürden aber halten sich lange: Ein Studium der Tochter gilt als verlorene Investition. Besonders
schwierig ist die Situation des »katholischen Mädchens vom Lande«. Viele junge Frauen müssen sich ihren Weg gegen ihre Familie freikämpfen.


Wie wir wurden, was wir nicht werden sollten
Frauen im Aufbruch zu Amt und Würden

27. Juni bis 18. Oktober 2009,
Eröffnung: Sa, 27.6., 15 Uhr
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5, 44388 Dortmund
Geöffnet Di - So 10 - 18 Uhr
Ausstellungsführungen jeden Sonntag 14 Uhr (nur Eintritt)

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Die weiteren Stationen:
Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo, 1.11. bis 6.12.2009
Haus der Kamener Stadtgeschichte, 10.12.2009 bis 31.1.2010
Museums Wilnsdorf, 7.2. bis 5.4.2010
Museum Burg Vischering Lüdinghausen, 11.4. bis 6.6.2010
Stadtmuseum Brakel, 13.6. bis 1.8.2010
Museum Forum der Völker Werl, 8.8. bis 26.9.2010
Gustav-Lübcke-Museum Hamm, 3.10. bis 28.11.2010
Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte, 5.12.2010 bis 30.1.2011
Volkshochschule Gelsenkirchen, 6.2. bis 20.3.2011
LWL-Gleichstellungsstelle Münster, 25.3. bis 21.4.2011



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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