LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 18.05.09

Foto zur MitteilungMuseumsleiter Dr. Martin Kroker (l.) und Kurator Dr. Matthias Preißler zeigen das Faksimile der Handschrift Beatus von Las Huelgas (Original von 1220).
Foto: LWL/Tillmann


Foto zur MitteilungKuratorin Elisabeth Bömken M.A. vor einer Gruppe Abgüsse des LWL-Amts für Denkmalpflege. Die Originale stammen aus einem Frauenstift in Lippstadt-Cappel. Einige der Abgüsse befinden sich noch in den Forman.
Foto: LWL/Tillmann


Foto zur MitteilungBook of Lindisfarne, 8. Jh.
Abb.: Faksimile Verlag Luzern


Foto zur MitteilungSkulpturen, ehemaliges Kanonikerstift St. Walburga, Meschede. Abgüsse: Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur.
Foto: LWL/Tillmann


Foto zur MitteilungBook of Lindisfarne, der Evangelist Markus mit seinem Symbol dem Löwen, 8. Jh.
Abb.: Faksimile Verlag Luzern


Foto zur MitteilungFrauenfigur, Hertener Schloss, 18. Jh. Zustand 1908 (l.) und 1969.
Fotos: LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen


Foto zur MitteilungNeben der Bibel wurden in den Klös-tern auch antike Handschriften kopiert. Hier: Ausschnitt aus dem Bestiarium von Petersborough, um 1300.
Abb.: Faksimile Verlag Luzern


Foto zur MitteilungMondsichelmadonna, Marienfeld , ehemaliges Zisterzienserkloster, Original um 1545/50. Abguss: Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur.
Foto: Klein und Neumann, Iserlohn


Foto zur MitteilungMit einer Scherenbühne wurden die Abgüsse durch ein Fenster in den Ausstellunssaal transportiert.
Foto: LWL/ Tillmann


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Presse-Infos | Kultur

"In alter Frische":

LWL-Landesmuseum für Klosterkultur zeigt Reproduktionen klösterlicher Kunst

Bewertung:

Lichtenau-Dalheim (lwl). "In alter Frische" zeigt das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Dalheim (Kreis Paderborn) ab Mittwoch, 20. Mai, in einer Doppelausstellung "Reproduktionen klösterlicher Kunst".

Zu sehen sind Skulpturen aus westfälischen Klöstern und einige der prachtvollsten Handschriften des Mittelalters. Anhand von mehr als 150 Exponaten geht die Sonderschau der klösterlichen Tradition dieser Kopien auf den Grund und lässt klösterliches Wissen, Handwerk und Kunstfertigkeit aus 14 Jahrhunderten lebendig werden.

Die Kopie - damals und heute
Die Klöster des Mittelalters waren kulturelle Zentren ganzer Regionen. In ihren Werkstätten entstanden Meisterwerke der Bauskulptur, in ihren Schreibstuben wurden reich verzierte Bücher hergestellt. Viele von ihnen wurden per Hand vervielfältigt und so über die Zeit gerettet. "Schon damals hatte die Kopie Tradition", sagt Museumsleiter Dr. Martin Kroker: "Aber sie hatte eine ganz andere Bedeutung als heute."

Hochspezialisierte Schreiber beschäftigten sich in den klösterlichen Skriptorien des Mittelalters mit der Kopie der wichtigsten Bücher. Fast ausnahmslos waren diese Künstler Mönche und Nonnen - ebenso wie im mittelalterlichen Bauhandwerk. "Ihre Arbeit galt als Gottesdienst", so Kroker. Zu Ehren Gottes wurden die Bücher mit Gold, Edelsteinen und prächtigen Malereien, Kirchen und Klöster mit erlesenen Skulpturen geschmückt. Kroker: "Kaum jemand konnte lesen und schreiben, so dass die Abbildungen in Stein und auf Pergament ein wesentliches Element der Verkündigung des Evangeliums waren." Das fortwährende Kopieren sicherte die Überlieferung der antiken und mittelalterlichen Kultur über die klösterlichen Bereiche hinaus bis in die Gegenwart. Kroker: "Wir wüssten nichts über Cäsars Gallischen Krieg oder das Leben der Heiligen, hätten Nonnen und Mönche die entsprechenden Handschriften nicht immer wieder vervielfältigt."

Heute sind viele der klösterlichen Originale zerstört, beschädigt oder vom Verfall bedroht. Mittelalterliche Handschriften werden aufgrund konservatorischer Auflagen streng unter Verschluss gehalten. Die historische Bauskulptur leidet insbesondere unter den Auswirkungen der Industrialisierung.

Deshalb wird die Kunst der Klöster heute wieder kopiert - diesmal mit modernsten Mitteln zur Erhaltung für spätere Generationen.

Faksimile - lat. Mache ähnlich
Um die wenigen überlieferten Originale einer großen Anzahl von Lesern und Forschern zur Verfügung zu stellen, fertigen spezialisierte Verlage originalgetreue Replikate mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Handschriften. "Dabei werden die Farbtöne von Gold und Silber und deren durch die Jahrhunderte entstandene Patina genauso übertragen wie zum Beispiel historische Beschädigungen", so Dr. Matthias Preißler, Kurator der Faksimile-Ausstellung. Rund 50 kostbare Faksimiles (lat. mache ähnlich) aus einer privaten Sammlung geben in Dalheim jetzt einen einzigartigen Eindruck von der frühen klösterlichen Buchkunst und ihrer Malerei - darunter bedeutende Vertreter der unterschiedlichen Buchmalschulen von beeindruckender Schönheit z. B das irische "Book of Kells" (um 800), das "Lorscher Evangeliar" (Anfang 9. Jahrhundert) oder eine spanische Schrift des Beatus von Las Huelgas (1220). "Die prächtigen Bibelhandschriften wurden in erster Linie zur Ehre Gottes angefertigt", sagt Pfarrer Johannes Arens, der am Konzept der Ausstellung beteiligt war.

In Stein gegossen
Weil sich der Zustand klösterlicher Bauplastik seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts dramatisch verschlechterte, ließ die westfälische Denkmalpflege gefährdete Figuren und wichtige Bauteile in Steinmasse gießen, um Vorlagen für spätere Restaurierungen zu gewinnen. Nach und nach ersetzten weitere Abgüsse die Originale, die nun in die schützenden Kirchenräume und Museen versetzt wurden. Die so entstandene Steingusssammlung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gelangte ab 1979 in das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Dalheim. "In alter Frische" zeigt nun erstmals nach acht Jahren Teile der Sammlung. "Oft sind die Skulpturen am Originalschauplatz nur schwer zugänglich und hängen in großer Höhe. Das ist hier in Dalheim nun anders", erläutert die Kuratorin der Abguss-Ausstellung Elisabeth Bömken. "Hier in Dalheim kommen die Besucher einfach näher heran", meint auch Museumsleiter Kroker.

In einer einzigartigen Zusammenschau geben die wertvollen Schaustücke der Dalheimer Ausstellung nun zum einen Zeugnis von der frühen klösterlichen Bau- und Buchkunst - zum anderen aber auch davon, wie moderne Reproduktionstechniken heute ihren Beitrag leisten, wesentliche Bestandteile unserer kulturellen Identität zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen.

Eröffnung am 20. Mai 2009
Eröffnet wird die Ausstellung am Mittwoch, 20. Mai, um 11 Uhr durch die Vorsitzende der Landschaftsversammlung, Maria Seifert. Nach einer kurzen Einführung führen Dr. Martin Kroker, die beiden Kuratoren und Pfarrer Johannes Arens durch die Ausstellung.

Bitte berühren! Erstmals bietet die Dalheimer KlosterSchule Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen an. Gegenstand sind die Skulpturen der Sonderausstellung.

Führungen durch die Sonderausstellung, durch den Konventgarten und die Klosteranlage können unter Telefon (0 52 92) 93 19-225 oder auf Anfrage per E-Mail unter Tourist-Dalheim@lwl.org gebucht werden.

Öffnungszeiten
Das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur öffnet dienstags bis sonntags von 10 - 18 Uhr, montags außer an Feiertagen geschlossen. Ganzjährig, außer 24., 25. und 31. Dezember geöffnet.

Eintrittspreise
Erwachsene 3,90 Euro,
ermäßigt 2,50 Euro,
Gruppen ab 16 Personen pro Person 3,10 Euro,
Kinder 1,00 Euro.

http://www.kloster-dalheim.de



Pressekontakt:
Elisabeth Fisch, Telefon: 05292 931-9113 und Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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