LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 04.12.08

Foto zur MitteilungÄltestes Exponat in der Ausstellung Schuhtick: Die Bastsandale aus Sipplingen ist naturwis-senschaftlich zwischen 2917 und 2856 v.Chr. datiert.
Foto: Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege.


Foto zur MitteilungDamit Kardinal Clemens August von Galen seinem Amt entsprechend ausgestattet werden konnte, stiftete eine Dame - vermutlich aus Ahlen in Westfalen - ihre rote Lederhandtasche. Diese hat ein Ahlener Schuster dann zu rotem Oberleder für die Kardinalsschuhe umgearbeitet.
Foto: Heimathaus Münsterland, Telgte.


Foto zur MitteilungJürgen Klinsmann trug bei der Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich dieses Modell: Equipment Predator Accelerator. Es ist der erste Fußballschuh, der von innen nach außen entwickelt wurde.
Foto: Deutsches Sport & Olympia Museum, Köln.


Foto zur MitteilungViele Schuhe erzählen eine Geschichte. Im Museum sieht der Besucher, was Marathonläuferin Uta Pippig auf die Ferse ihrer Schuhe geschrieben hat: "Follow me, if you can.
Foto: LWL/O. Kalus.


Foto zur MitteilungDiese Plateau-Sandale hat der berühmte Designer Salvatore Ferragamo 1938 für die Schauspielerin und Sängerin Judy Garland kreiert.
Foto: Museo Salvatore Ferragamo, Florenz.


Foto zur MitteilungSchuhe aus Krokodilleder.
Foto: Museo Salvatore Ferragamo, Florenz.


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Presse-Infos | Kultur

Antike Sandalen, Klinsi-Treter und Regenbogenschuhe

Exponate in der Ausstellung "Schuhtick"

Bewertung:

Herne (lwl). Die Bandbreite der Ausstellung "Schuhtick" im LWL-Museum für Archäologie in Herne reicht von den Fellstiefeln der Eiszeitjäger bis zu den Notschuhen der Nachkriegszeit, von der ältesten Sandale Europas über die Fußballschuhe von Jürgen Klinsmann bis zu Spezialanfertigungen für Spione, von den Lotosschuhen des Alten Chinas bis zu den eleganten Pumps Marlene Dietrichs. Auf 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeichnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die spannende und wechselvolle Entwicklung des Schuhs nach.

Schuhe als Überlebenshilfe
Weit entfernt von den modischen Finessen und Stilblüten späterer Jahrhunderte präsentiert sich das älteste Exponat der Ausstellung: die annähernd 4.900 Jahre alte Sandale aus Süddeutschland, die auch gleichzeitig der älteste europäische Schuh ist, der in Wechselausstellungen gezeigt werden kann.

Gefunden wurde er im Schlick des Bodensees - dort, wo sich einst die Seeufersiedlung Sipplingen befunden hatte. Vor etwa 5.000 Jahren lebten am Bodensee und an den Ufern anderer großer Gewässer in Alpennähe Menschen in Pfahlbau- und Feuchtbodensiedlungen. Sie waren frühe Bauern, die sich von Ackerbau, Viehzucht und Fischfang ernährten. Schuhe waren für diese Menschen vornehmlich eins: Überlebenshilfe. Sie boten Schutz vor Nässe, Kälte und Verletzungen und gaben ihnen die Möglichkeit, sich auch in sumpfigen und unwegsamen Geländen fortzubewegen.

Die Sipplinger Sandale muss einem frühen Bauern gehört haben. Ob sie von einem Mann oder einer Frau getragen wurde, lässt sich nicht feststellen. In der Jungsteinzeit wurde weder zwischen typischen Männer- und Frauenmodellen, noch zwischen rechten und linken Schuhen unterschieden.

Trotzdem dokumentiert der Schuh das handwerkliche Geschick und den Erfindungsreichtum der damaligen Menschen: Die Sipplinger Sandale wurde in einer aufwendigen, mehrwöchigen Prozedur aus der Rinde und dem Bast von Lindenbäumen gefertigt. In den Feuchtgebieten des Bodensees haben sich solche organischen Materialien sehr gut erhalten. So lässt sich mit naturwissenschaftlichen Methoden exakt bestimmen, dass der Schuh in den Jahren zwischen 2.917 und 2.856 vor Chr. angefertigt wurde.

Der Schuh, der eine Handtasche war
Schuhe dokumentieren nicht nur die Geschichte - sie erzählen auch Geschichten, wie die roten Schuhe des Kardinals von Galen. Wer würde den schlicht-edlen Maßschuhen ansehen, dass sie ihre Existenz einer ganz und gar ungewöhnlichen Stiftung verdanken? Clemens August Kardinal von Galen (1878-1946) wurde aufgrund seiner kritischen Haltung zum Nazi-Regime als "Löwe von Münster" bekannt. Zur Amtskleidung des Kardinal in Münster gehörten unbedingt rote Lederschuhe.

Doch Leder - obendrein rotes - war in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren kaum zu beschaffen. Um dem Kardinal die Blöße eines unvollständigen Ornats zu ersparen, stiftete eine Dame ihre über den Zweiten Weltkrieg hinweg gerettete rote Lederhandtasche. Ein Ahlener Schuster verarbeitete das kostbare Stück dann zum Oberleder für die Kardinalsschuhe.

Klinsmann spielt mit dem "Raubtier Beschleuniger"
Ein Sportschuh, dessen Form und Machart sich seit seinen Pioniertagen stark verändert hat, ist der Fußballschuh. Betraten die ersten Kicker die Spielfelder noch in ganz gewöhnlichen Schnürstiefeln, setzten sich bald Stiefel durch, deren Sohlen mit genagelten Lederstollen versehen waren. Ein großer Entwicklungsschritt war die Erfindung der Schraubstollen. Ausgerüstet mit Schraubstollenschuhen reiste die deutsche Nationalmannschaft 1954 zum WM-Turnier in die Schweiz. In einem grandiosen Finale gelang das "Wunder von Bern": Deutschland wurde zum ersten Mal Fußball-Weltmeister.

Vier Jahrzehnte später konnte der Nationalspieler und spätere Trainer Jürgen Klinsmann aus einer fast unüberschaubaren Palette von Fußballschuhen wählen. Für die Weltmeisterschaft 1998 entschied sich für das damals neu entwickelte Modell "Predator Accelerator" von Adidas.

Dieser Schuh war von innen nach außen konzipiert. Sein äußeres Design ergab sich durch sein Innenleben, für dessen Zuschnitt man anatomisch exakt geformte Schuhleisten gewählt hatte.
Obendrein besaß er speziell angeordnete Stollen und neuartige Materialkomponenten, die den Kontakt zwischen Fuß und Ball verbessern sollten. Während der WM '98 trug nicht nur Jürgen Klinsmann das Schuhmodell, sondern auch andere prominente Spieler. So auch der französische Starkicker Zinédine Zidane, der ihn als den "Lieblingsschuh seiner Karriere" bezeichnete. In der Folgezeit erreichte das Modell Kultstatus, seine Verkaufszahlen schlugen Rekorde. Weltweit wollten Fußballer den Schuh besitzen.

"Folge mir, wenn Du kannst"
Die Leichtathletin Uta Pippig adelte ihren eigenen Laufschuh gar als Talisman. Ihre größten Erfolge erzielte die Langstreckenläuferin auf der Marathondistanz. Dreimal in Folge gewann sie 1994, 1995 und 1996 den Boston-Marathon. Bevor sie 1994 das erste Mal antrat, signierte sie ihren Schuh mit der siegessicheren Beschwörungsformel "Folge mir, wenn Du kannst."

Schuhe halten Einzug in die Kunst
Unabhängig von ihrer Funktion als Fußschutz spielen Schuhe auch im Bereich von Mode und Kunst eine große Rolle. Seitdem Vincent van Gogh 1886 erstmals ein Paar derbe Stiefel zum zentralen Motiv eines Stilllebens machte, beeinflussen Schuhe durch ihren symbolischen Bezug zu Macht, Erotik und Religion immer wieder das Schaffen von Künstlern. Umgekehrt lassen sich Schuhmacher bei ihren Kreationen von der Kunst inspirieren. Designer suchen nach immer neuen Kombinationen von Material und Form, um ein Werk zu schaffen, das visionär und einmalig ist - ein Kunstwerk.

Wie Gemälde, Zeichnungen oder Skulpturen großer Meister können auch Schuh-Unikate Berühmtheit erlangen. Zu den bekanntesten Schuhpaaren der Welt gehören zweifellos die rubinroten Glitzerpumps, die Judy Garland 1939 in dem Film "Der Zauberer von Oz" trug. Die magische Anziehungskraft dieser Schuhe, mit denen die kleine Filmheldin Dorothy unerschrocken ins große Abenteuer hüpft, ist bis heute ungebrochen. Entworfen hat sie der italienische Designer Salvatore Ferragamo, der für die Schauspielerin im Jahr zuvor bereits die legendären "Regenbogenschuhe" schuf. Auch diese sollten dank ihres neuartigen Keilabsatzes und ihrer avantgardistischen Farbgebung zu Meilensteinen des Schuhdesigns werden.

Glamour-Paare für Hollywood
Seit den 1920er Jahren arbeitete Salvatore Ferragamo in Hollywood eng mit Filmregisseuren zusammen. Seine Arbeit und sein Ruf machten ihn zum bevorzugten Designer von Leinwand-Diven wie Greta Garbo, Gloria Swanson, Mary Pickford oder Marlene Dietrich. Zu Ferragamos bekanntesten Schöpfungen gehören neben der "unsichtbaren" Sandalette mit Riemen aus Nylonschnüren auch die Schwindel erregenden Stilettos für Marylin Monroe - mit elf Zentimeter hohen Absätzen.

In den 1950ern entwarf er die Ballerinaschuhe für Audrey Hepburn und entwickelte damit die Schuhmode für einen damals ganz neuen, mädchenhaften Frauentyp. Zeitlebens war Ferragamo, der mit Mitteln wie Kork, Zellophan, Paketschnüren oder Kolibrifedern experimentierte, auf der Su-che nach dem perfekten Schuh. Von ihm ist das Zitat belegt: "Schönheit kennt keine Grenzen, es gibt keine Sättigungspunkte des Designs, und die Menge der Materialien, mit denen ein Schuhmacher seine Geschöpfe verschönern kann, ist unendlich."



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer und Martin Holzhause, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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