LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 27.10.08

Foto zur MitteilungTimo ist Schüler der LWL-Förderschule Dortmund.
Foto: LWL/Stephan Wieland


Foto zur MitteilungMit solchen Symbolen formuliert Timo Sätze.
Foto: LWL/Stephan Wieland


Foto zur MitteilungIm Unterricht ist der "Talker" ganz selbstverständlich mit im Einsatz.
Foto: LWL/Stephan Wieland


Foto zur MitteilungTimos Klassenlehrerin Ina Steinhaus (links) und seine Ergotherapeutin Sabine Zimmer arbeiten eng zusammen.
Foto: LWL/Stephan Wieland


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Presse-Infos | Jugend und Schule

LWL-Themenvorschlag: Timo spricht per Tastendruck

Ärzte irrten: Trotz Handicaps lernte Zehnjähriger Laufen und Kommunizieren

Bewertung:

Dortmund/Münster (lwl). "Timo, was ist dein Lieblingsfach?" Der Zehnjährige lacht und beugt sich nach vorne über eine Art kleinen Computer. In rasender Geschwindigkeit tippt er auf dem Touchscreen auf ein Symbol, einen Fußballspieler. Das Gerät sagt mit sonorer Stimme: "Sport." "Und wie heißt dein Bruder?" Die gleiche Prozedur: Timo überlegt kurz, wieder hämmert er mit schnellen Fingern auf einige der 45 Tastenfelder ein. "Philipp", lautet die Antwort.

Was wie ein Spiel klingt, ist für Timo, der an einer schweren geistigen und motorischen Entwick-lungsstörung leidet, eine Brücke zur Welt. Mit Hilfe des "Talker", einem kompakten Sprachausgabe-Computer, kann der Schüler der Dortmunder Förderschule des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, sich unterhalten. Dabei hatten die Ärzte der Familie vorausgesagt, dass Timo niemals laufen und sprechen, geschweige denn lesen und schreiben können würde.

Heute kann der Junge am Rollator gehen und sogar einige Worte mit dem Mund sprechen. "Wie heißt du?" - "Timo." "Was ist das?" - "Auto." "Und das?" - "Ball." "Der ,Talker' hat auch Timos Laut-sprache verbessert", erklärt seine Klassenlehrerin Ina Steinhaus, die für den Einsatz der vom LWL finanzierten technischen Hilfsmittel an der Schule seit 14 Jahren verantwortlich ist.

Selbstvertrauen wächst
"Je mehr die Kinder mit dem ,Talker' sprechen, umso öfter hören sie auch die Worte und können sie irgendwann wiederholen. Außerdem wächst das Selbstvertrauen immens, wenn die Kinder sich plötzlich verstanden fühlen", erläutert die engagierte 46-Jährige, die darüber mitentscheidet, welche Kinder ein Gerät bekommen sollen.

Die Sprachausgabegeräte, die 25 der insgesamt rund 260 Schülerinnen und Schüler an der Schule am Marsbruch in Dortmund-Aplerbeck nutzen, sind kein Allheilmittel: "Nicht allen Kindern steht eine eigene Lautsprache zur Verfügung", erklärt Ina Steinhaus. "Deswegen bieten wir solche Geräte nur an, wenn wir einem Kind zutrauen, Begriffe zu verstehen und anzuwenden."

Die komplexen elektronischen Kommunikationshilfen bilden dabei die Spitze der unterstützten Kommunikation - an der Schule werden auch Gestik, Mimik, Gebärden oder Kommunikationstafeln eingesetzt. Mittels der "Talker" reden die Kinder aber nicht nur in der Freizeit. Sie werden im Unterricht und in der Therapie wie selbstverständlich mitgenutzt. "Je öfter und je unterschiedlicher die Anwendung ist, umso besser sind die Lerneffekte", ist sich Ina Steinhaus sicher.

Ständiges Üben
Bis Timo so gut mit seinem "Talker" umgehen konnte, musste er viel üben, erklärt die Lehrerin. "Durch ständige Wiederholungen lernte er die verschiedenen Symbolkombinationen kennen und diese auch assoziativ zu nutzen. Außerdem haben wir für ihn das Vokabular individuell erweitert, zum Beispiel mit Namen aus seinem Umfeld."

Verantwortlich für das individuelle Training ist vor allem die Ergotherapie. Sabine Zimmer hat für das Tastendrücken an Timos Feinmotorik gearbeitet und ist zufrieden mit seinen Fortschritten. "Wir machen ganz verschiedene Übungen, bei denen in spielerischer Form die Motorik und die Kommunikation zusammen trainiert werden", sagt die Ergotherapeutin. Dazu gehören Lern- und Spielprogramme am Computer oder die Beschäftigung mit einem Keyboard, das Timo selbst aus dem Regal holt und auf dem er mit bestimmten Tasten ganze Melodien spielen kann.

Die Therapie beginnt schon beim Eintritt in den Raum mit einem kleinen Ritual. Weil die Ergotherapie über die Krankenkasse abgerechnet wird, muss das Arzt-Rezept für jede geleistete Therapieeinheit unterschrieben werden. "Das muss Timo wie jedes andere Kind auch selbstständig einfordern", erklärt Sabine Zimmer. Timo drückt in beachtlicher Geschwindigkeit einige Tasten, der "Talker" sagt: "Bitte unterschreiben Sie das Rezept." Nachdem er die Unterschrift bekommen hat, lächelt Timo - und beeilt sich, um im Klassenraum seinem Freund Christoph per "Talker" die Ereignisse des Tages erzählen zu können.

Zum Thema:
Die Dortmunder Schule am Marsbruch ist eine von 35 LWL-Förderschulen. Über ganz Westfalen-Lippe verteilt, unterrichten die Schulen mit den vier Förderschwerpunkten Hören und Kommunikation, Sehen, körperliche und motorische Entwicklung sowie Sprache (Sekundarstufe I) etwa 6.700 Kinder und Jugendliche ihren Fähigkeiten entsprechend. Der LWL übernimmt die Schulträgeraufgaben und stellt die Schülerbeförderung sicher. Er fördert zudem den integrativen Unterricht an allgemeinen Schulen, indem er behindertenspezifische Hilfsmittel zur Verfügung stellt.

Mehr Infos: http://www.lwl-schulen.de



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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