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Mitteilung vom 05.03.08

Foto zur MitteilungProf. Dr. Georg Juckel.
Foto: LWL


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Presse-Infos | Psychiatrie

LWL-Experte: "Antidepressiva aus Behandlungsalltag nicht wegzudenken"

Rat an verunsicherte Patienten: Gespräch mit dem Facharzt suchen

Bewertung:

Münster/Bochum (lwl). Britische Wissenschaftler wollen stimmungsaufhellende "Glückspillen" aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) als weitgehend wirkungslos entlarvt haben. Psychiatrische Praktiker zweifeln die Studie an. Fragen an Prof. Dr. Georg Juckel, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Bochum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Experte für die Depressionsbehandlung:

? Endsilben wie -pram, -xetin oder -xal: Stecken Antidepressiva mit den wohlklingenden Namen in Mogelpackungen?

Juckel:
Die SSRI - das ist das Kürzel für die Wirkstoffklasse der fachlich so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer - waren als Antidepressiva am Anfang auch unter Psychiatern umstritten. Lange schwelte der Streit darüber, ob diese neuen Präparate tatsächlich schwerstkranken Depressiven helfen können. Heute, nach 20 Jahren, also vielen Studien und langen klinischen Erfahrungen, sind die SSRI-Antidepressiva aus unserem Behandlungsalltag nicht mehr wegzudenken, im stationären wie auch im ambulanten Bereich. SSRI sind wirkungsvoll, sofern man sie lange genug und ausreichend hoch dosiert. Unter
anderem in diesem Punkt hat die britische Studie methodische Mängel.

? Was wirkt denn wie und was nicht?

Juckel:
Wir wissen heute, dass ca. zwei Drittel der Patienten auf ein SSRI-Antidepressivum anspricht, das heißt die depressiven Symptome werden weniger und dem Patienten geht es besser. Wir wissen allerdings auch, dass die antidepressive Behandlung, die ja neben der Medikation aus psychotherapeutischen und anderen therapeutischen Elementen besteht, auch ein starkes Place-bo-Element in sich trägt, nämlich die Zuwendung und die Beziehungsarbeit durch die Behandler und Therapeuten. Aus dem klinischen Alltag kann man insgesamt aber ganz klar sagen: So gut wie alle heute eingesetzten Antidepressiva sind für die individuellen Patienten äußerst nützlich.

? Tabletten wegwerfen oder Arzt oder Apotheker fragen - was sollten verunsicherte Patienten tun?

Juckel:
Verunsicherte Patienten sollten am besten ihren behandelnden Arzt aufsuchen, dies sollte vor allem ein Nervenarzt und Psychiater sein. Sind die Patienten bei Haus- oder Allgemeinärzten vornehmlich in Betreuung, so wäre auch die Einholung der Meinung eines Facharztes für Psychiatrie nützlich.
Depression ist heute grundlegend heilbar geworden, das ist das große Verdienst der Antidepressiva und insbesondere in den 90er Jahren das der SSRI. Natürlich sollte man keinen Unfug treiben im Sinne eines Neuro-Enhancement (Wohlbefindens-; Leistungssteigerung d.Red.). Also sie nicht, wie damals in Amerika mit Prozac, als 'Glückspillen' schlucken. Millionen von teilweise schwer erkrankten depressiven Patienten aber haben von dieser Behandlung profitiert und wären vermutlich niemals aus der Depression herausgekommen ohne SSRI und hätten sich womöglich, das ist ja die größte Gefahr bei der Depression, suizidiert.



Pressekontakt:
Karl G. Donath, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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