LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 06.02.08

Foto zur MitteilungFürstenzimmer nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten. Über der Tür zu den Gleisen nicht ergänzte Reste des Wappens des Deutschen Kaiserreichs. Foto: LWL/Nieland.

Foto zur MitteilungOberhalb der Türen sind Stadtansichten von Detmold zu sehen, wie diese von 1530. Foto: LWL/ Nieland

Foto zur MitteilungStädtewappen und Musterfeld mit Befunden und Rekonstruktion des Wandteppichs. Foto: LWL/Nieland

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Presse-Infos | Kultur

Einziger erhaltener herrschaftlicher Wartesaal in Westfalen-Lippe -

LWL zeichnet Fürstenzimmer im Detmolder Bahnhof als Denkmal des Monats aus

Bewertung:

Detmold (lwl). Bei der Sanierung des 1880 errichteten Bahnhofsgebäudes in Detmold wurde auch das sogenannte Fürstenzimmer restauriert. Dieser von den übrigen Wartesälen strikt getrennte Raum diente den lippischen Fürsten, ihrer Familie und ihren Gästen bei Bahnreisen als exklusiver Warte- und Empfangsraum. Zur standesgemäßen Ausstattung gehört neben der üppigen hölzernen Kassettendecke auch die gemalte Dekoration der Wände. Die seit langem nicht mehr sichtbaren Malereien wurden jetzt von Tapetenüberklebungen befreit und restauriert. Zukünftig wird der Raum durch die Lebenshilfe Detmold als Café genutzt. Als letztes und noch dazu gut erhaltenes Beispiel seiner Art in Westfalen-Lippe zeichnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Fürstenzimmer jetzt als Denkmal des Monats Februar aus.

Detmold, die Residenzstadt des bis 1918 regierenden lippischen Fürstenhauses, wurde erst relativ spät an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Zur Eröffnung der Bahnlinie von Herford nach Detmold 1880 war auch das Bahnhofsgebäude aus roten Ziegelsteinen mit Zierelementen aus Naturstein im neugotischen Baustil fertiggestellt. In einem einstöckigen Anbau am Westende des langgestreckten Bahnhofsgebäudes befindet sich das Fürstenzimmer. Der Anbau hat zwei Portale, über denen jeweils das Wappen des Fürstentums Lippe angebracht ist. Von der Stadtseite aus gelangt man zunächst in einen Vorraum und von dort in das eigentliche Fürstenzimmer.

Den hohen Raum mit drei Fenstern überspannt eine plastisch reich gegliederte Kassettendecke, die hauptsächlich aus Eichenholz
gearbeitet ist. "Verschiedene Holzlasuren, farbige Absetzungen und florale Ornamentmalereien verstärken den prächtigen Eindruck", so LWL-Denkmalpfleger Dr. Dirk Strohmann. Direkt unterhalb der Decke verläuft auf den Wänden ein in Grautönen illusionistisch gemalter Architekturfries. Oberhalb der Türen sind darin Stadtansichten Detmolds von 1530 und 1670 eingefügt. Kleinere Felder in den Raumecken nehmen die Wappen der Städte des Fürstentums Lippe auf.

Die von der Stadt Detmold als Eigentümerin des Bahnhofs beauftragte Restauratorin konnte den Architekturfries fast vollständig erhalten unter Tapetenschichten freilegen. "Nachdem sie die Malschicht gefestigt hatte, reichten Retuschen der Fehlstellen aus, um das Original wieder ablesbar zu machen. Die mit malerischen Mitteln imitierten textilen Wandbehänge unterhalb des Frieses wurden dagegen nur in ihrem Hintergrundsfarbton und mit ihrer gemalten Aufhängung rekonstruiert", erklärt Strohmann. Lediglich ein kleines Musterfeld gibt einen Eindruck von der einstigen Wirkung der Wandteppiche.


Hintergrund:

"Was uns heute exotisch anmutet und nur in anderem Zusammenhang als VIP-Lounge überlebt hat, war im Deutschen Kaiserreich gang und gäbe. Neben den Wartesälen I. und II. sowie III. und IV. Klasse gab es in zahlreichen Bahnhöfen Fürstenzimmer, vorzugsweise in den Residenzorten der Fürstengeschlechter, aber auch in Großstädten, Kurorten und Umsteigebahnhöfen. Kaiser Wilhelm II. leistete sich gar im Park von Schloss Sanssouci bei Potsdam einen eigenen Bahnhof", so Strohmann. Im Jahr seines Regierungsantritts 1888 besuchte er übrigens Detmold und wurde natürlich im Fürstenzimmer empfangen.
Mit dem Untergang des Kaiserreichs 1918 lief auch die Zeit der hochherrschaftlichen Wartesäle ab. Die Räume wurden anderen, viel profaneren Zwecken zugeführt, ihre Ausstattung entfernt, überdeckt oder zerstört. So legen heute nur noch ganz wenige Fürstenzimmer in Deutschland, so z.B. im Schweriner Bahnhof mit ihrer authentischen Ausstattung Zeugnis ab von der privilegierten Reisekultur der "Allerhöchsten Herrschaften", und darüber hinaus von den Standesgrenzen innerhalb der fest gefügten Sozialstruktur in Deutschland vor 1918. "Künftig steht dieses besondere Baudenkmal im Detmolder Bahnhof als Café allen Bevölkerungsschichten offen. Um so schöner, dass im gemeinnützigen Cafébetrieb auch Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung entstehen sollen", freut sich Strohmann.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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