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Mitteilung vom 25.10.07

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Neue Burg in Ostwestfalen entdeckt:

LWL-Archäologen untersuchen Burg Stelle

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Rahden (lwl). In Rahden (Kreis Minden-Lübbecke) haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die wahrscheinlich 800 Jahre alte Burg Stelle untersucht und die genaue Lage und Struktur der bislang unbekannten mittelalterlichen Burg feststellen.

Mit zwei 100 Meter langen Schnitten durch das Erdreich konnten die LWL-Archäologen die 80 mal 80 Meter große Anlage in ihren Grundzügen erfassen. Der Graben der Burg war demnach 18 Meter breit, aber nur maximal 1,50 Meter tief. Die Innenseite der Grabenböschung war mit Flechtwerk und mächtigen eingerammten Eichenpfählen befestigt und diente gleichzeitig als Schutzwand.

Der Graben umschloss eine 45 Mal 45 Meter großen Fläche. Auf dieser konnten die Ausgräber von der LWL-Archäologie für Westfalen keine Mauer- und Mörtelreste festellen. "Deshalb ist davon auszugehen, dass es sich bei der Burg ausschließlich um eine Holzbefestigung mit Gebäuden aus Holz gehandelt hat", interpretiert LWL-Archäologe Dr. Otto Pollmann von der Außenstelle Bielefeld den Befund.

Der siebenwöchigen Grabungskampagne war eine "geomagnetische Prospektion" vorangegangen, finanziert von der Stiftung der Stadtsparkasse Rahden. Bei dieser Methode machen sich die Forscher die Erkenntnis zunutze, das das natürliche Magnetfeld des Erdbodens durch menschliche Aktivitäten verändert wird. Auf diese Weise hatten die LWL-Archäologen die genaue Lage der Burg innerhalb eines 2,5 Hektar großen Areals ermittelt, ohne die gesamte Fläche ausgraben zu müssen. Dass dort überhaupt eine solche Anlage zu vermuten sei, hatten die LWL-Archäologen bei der Durchsicht alten Kartenmaterials festgestellt. Darauf ist eine mittelalterliche Befestigung mit Namen "Burg Stelle" eingetragen.

Auch in Urkunden des 13. Jahrhunderts wird die "Burg Stelle" mehrmals erwähnt. Ihr Bau stand im Zusammenhang mit der territorialen Expansion der Mindener Bischöfe und dem damit verbundenen militärischen und verwaltungstechnischen Ausbau ihres neu gewonnenen Landes. Die Burg Stelle scheint aber nur kurze Zeit bedeutend gewesen zu sein. Denn die nur wenige Kilometer entfernte Burg Rahden wurde im 14. Jahrhundert dauerhaft in Ziegelbauweise ausgebaut und bildete das verwaltungstechnische Zentrum des Rahdener Raumes.

Wann genau die Burg Stelle gegründet wurde, können die Archäologen noch nicht sagen. Denn erst nach Abschluss der Grabungskampagne in diesen Tagen wird die Auswertung der Funde und der Dokumentation erbringen.

Eine jahrgenaue Datierung erhoffen sich die Archäologen von der dendrochronologischen Untersuchung (Datierung mit Hilfe der Baumjahrringe) der Eichenpfähle, die am inneren Grabenrand eingerammt waren und die Pfosten für die Schutzwand bildeten. Drei von ursprünglich 400 bis 500 Pfählen haben die Ausgräber geborgen.



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