LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 06.09.07

Foto zur Mitteilung"Zigeunerhochzeit" - Werbekarte für eine ungewöhnliche Veranstaltung "zum Besten der Ausschmückung der Kreuzkirche" im Kreuzviertel, 1921.
Foto: LWL


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Presse-Infos | Kultur

Orte der Andacht und des Gebets auf der Zeche Zollern

150 Ansichtskarten zeigen Kirchen, Synagogen und Bethäuser des Bergbaus

Bewertung:

Dortmund (lwl). Zum Tag des Offenen Denkmals zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Industriemuseum Zeche Zollern in der Galerie-Industriearbeit ab Sonntag, 9.9., eine Studio-Ausstellung zur Kirchen- und Kirchbaugeschichte Dortmunds und des Ruhrgebiets. Das LWL-Museum präsentiert 150 historische Ansichtskarten aus seiner Sammlung, die weit über 25.000 Karten umfasst.

"Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Dortmunder Stadtgebiet. Vorgestellt werden die vier großen Innenstadtkirchen, aber auch die ehemaligen Dorfkirchen in den Vororten", so Dr. Thomas Parent vom LWL-Industriemuseum. Die Auswahl berücksichtigt die evangelische Kirche von Brechten mit ihrer berühmten spätgotischen Ausmalung. Die "Wittekind-Kirche" auf der Syburg wird auf einer Karte nicht ganz zu Recht als "älteste Kirche Westfalens" gefeiert. In Aplerbeck wurde die mittelalterliche Georgskirche jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben, nachdem die evangelische Gemeinde um 1870 eine weiträumige neugotische Kirche in Funktion genommen hatte. Erst 1928 erinnerte man sich dort wieder der "Ruinenkirche" und restaurierte sie als "Michaelsbau".

Eine große Zahl von Karten zeigt den Kirchbau des Industriezeitalters, unter anderem die neugotische Liebfrauenkirche im Westviertel mit ihrem kunstvollen Spitzhelm aus Ziegelmosaik, die Annakirche an der Rheinischen Straße oder die Jugendstilkirche in Dotmund-Marten. Mehrere Karten dokumentieren Bauten, die längst abgerissen sind, zum Beispiel die schlichten katholischen Notkirchen von Derne, Bodelschwingh und Bövinghausen. Bei St. Barbara in Eving zeigen drei Ansichtskarten, wie die Notkirche abschnittsweise durch einen neugotischen Neubau ersetzt wird. Im Fall von St. Gertrud im Dortmunder Nordviertel wird die primitive Notkirche von 1916 einer Bildansicht von der repräsentativen endgültigen Pfarrkirche gegenüber gestellt, die erst 1927/28 in den längst antiquierten Bauformen von Barock und Klassizismus errichtet wurde. Nur wenig später entstand die evangelische Nikolaikirche im Kreuzviertel dann als kühne Konstruktion aus Eisenbeton. Nach dem erklärten Willen der Gemeinde sollte dieses Bauwerk Zeugnis darüber ablegen, "dass die frohe Botschaft des Evangeliums auch als gebautes Wort nicht veraltet, sondern in neuen, jungen Formen einem neuen Geschlecht seine Verkündigung bringt."

In einem "Rundblick über das Ruhrgebiet" werden auch Kirchenkarten aus anderen Städten des Reviers präsentiert. Hervorzuheben ist dabei die expressionistische Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsenkirchen, sicherlich der spektakulärste Sakralbau des Ruhrgebiets im 20. Jahrhundert. Infolge der Finanzkrise im Ruhrbistum Essen wurde diese Kirche vor wenigen Wochen als Gotteshaus aufgegeben.

Historische Ansichtskarten von Synagogen sind heute sehr selten. Die Ausstellung berücksichtigt Bauwerke aus Mülheim, Essen, Dortmund und Dortmund-Hörde. Die prächtige Dortmunder Synagoge wurde 1938 bereits mehrere Monate vor der Reichspogromnacht abgerissen; ihre Orgel war zuvor von der katholischen St.-Gertruds-Gemeinde angekauft worden. "In Essen blieb der monumentale Kuppelbau, der als größte und schönste Synagoge Deutschlands galt, trotz Brandschäden während des Novemberpogroms von 1938 und Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg in seiner Grundsubstanz bis heute erhalten und dient seit 1980 als Gedenkstätte und Dokumentationszentrum", erzählt Parent.

Neben bergmännischen Gebetsräumen zeigt die Ausstellung schließlich auch Trauerzüge anlässlich der Beerdigung von Bergleuten nach Schlagwetterkatastrophen. Zu sehen sind Ansichtskarten aus Hamm (Zeche Radbod, 1911), Bochum-Gerthe (Zeche Lothringen, 1912), Herne (Zeche Mont Cenis) und Dortmund, wo zwei Ansichtskarten von 1921 einen Trauerzug vor dem Panorama der Zeche Kaiserstuhl dokumentieren.

Am Dienstag, 11.9., hält Dr. Thomas Parent vom LWL-Industriemuseum um 19.30 Uhr einen Vortrag zum Thema "Vom Bethaus zur Gottesburg - Kirchen als Zeugen der Industriegeschichte des Ruhrgebiets"

Orte der Einkehr und des Gebets:
Kirchen, Synagogen, Bethäuser und Friedhöfe im Spiegel der Ansichtskarte

9.9. bis 4.11.2007
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern - Alte Werkstatt
Grubenweg 5, 44388 Dortmund
Öffnungszeiten: Di- So 10 - 18 Uhr



Pressekontakt:
Kathrin Wißmach, LWL-Industriemuseum, Tel. 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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