LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 23.04.07

Foto zur MitteilungKnapp drei Zentimeter hoch sind die bislang ältesten Schachfiguren Westfalens.
Foto: LWL/Brentführer.


Foto zur MitteilungEinen Durchmesser von 4 und 4,5 Zentimeter haben die Backgammon-Steine mit ihrer aufwändigen Machart aus mehreren Lagen Knochen, Metall und Textilien.
Foto: LWL/Brentführer.


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Presse-Infos | Der LWL

Spielsteine aus dem Mittelalter jetzt im LWL-Museum für Archäologie

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Herne (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erweitert sein LWL-Museum für Ar-chäologie in Herne mit vier außergewöhnlichen Spielsteinen aus dem 12. Jahrhundert. Sie gehören zu den ältesten und aufwändigsten ihrer Art in Europa und waren 2004 bei Ausgrabungen in Sendenhorst (Kreis Warendorf) gefunden worden.

Ab dem 24. April zeigt das Museum je zwei Schachfiguren und Backgammonsteine aus dem 12. Jahrhundert. Sie finden ihren Platz in einem neu eingerichteten Bereich in der unterirdischen Dauerausstellung des Landesmuseums.
"Mit dieser Aktualisierung der Dauerausstellung bleibt unser Museum seinem Selbstverständnis als zentrales Schaufenster der Archäologie in Westfalen treu," sagte LWL-Kulturdezernent Prof. Dr. Karl Teppe bei der Präsentation der Spielevitrine. "Tagtäglich fördern Archäologen neue Quellen zu Tage und verändern damit das Bild der Geschichte. Daran muss eine archäologische Dauerausstellung immer wieder angepasst werden, was in Herne möglich ist. Mit seiner Konzeption und Gestaltung positioniert sich das Haus als ein besonderer Markstein der Kulturarbeit des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hier mitten im Ruhrgebiet".

Die Schachfiguren, eine Dame und ein Bauer, sind in Westfalen bisher einmalige Funde. Ihre Formen besitzen kaum Ähnlichkeit mit den heutigen Figuren, sondern sind abstrahiert und verweisen auf den Orient, das Ursprungsgebiet des Schachspiels: Die Dame lässt sich aus der ursprünglichen Darstel-lung eines Elefanten mit Thron und König ableiten. Die fingerhutförmige Form des Bauern entstand aus der Darstellung eines Fußsoldaten.
Alle Steine sind aus Tierknochen gearbeitet, doch nur für die Dame gelang es den Experten von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz die Tierart zu bestimmen, nämlich Pferd. "Deshalb sind sie wohl in der Region hergestellt worden", vermutet Dr. Stefan Eismann, der Ausgräber von der LWL-Archäologie für Westfalen.

"Von den runden Spielsteinen gibt es in Westfalen zwar noch ein paar mehr, doch sind die Senden-horster Exemplare mit ihrer aufwändigen Verzierung die wertvollsten. Für den größeren der beiden Steine mit seiner Textileinlage gibt es in Europa bislang überhaupt keine vergleichbaren Stücke", erläuterte Eismann. Mit ihnen konnte man nicht nur Backgammon, sondern auch Mühle oder Dame spielen - wie heute benutzte man dafür dieselben Steine.

Die runden Spielsteine bestehen jeweils aus zwei Scheiben Knochen mit einem Bronzeblech dazwischen, die durch Bronze- beziehungsweise Eisennieten zusammengehalten werden. Bei einem Stein lag zwischen der Bronze und dem Knochen noch eine textile Einlage, von der sich Reste erhalten haben. Die oberen Knochenscheiben sind mit geometrischen Mustern durchbrochen, durch die die goldfarbene Bronze und die Textilie schimmerte, die Ränder sind mit Kreisaugen und Linien verziert.

Die Spielsteine haben die LWL-Archäologen 2004 bei der Ausgrabung eines Adelshofes am Rande von Sendenhorst gefunden. Der fingerhutförmige Bauer aus dem Schachspiel und die Backgammon-Steine lagen im Keller eines ungefähr zehn Meter breiten und mindestens 30 Meter langen Holzhauses. Die Dame aus dem Schachspiel hatte man schon im Mittelalter wegen einer Beschädigung in den Schlamm einer nahegelegenen Viehkoppel geworfen.

Zu der Anlage gehörten neben der Viehkoppel noch ein Grubenhaus und mehrere Speicher. "Das Gehöft an sich könnte auch ein großer Bauernhof sein. Aber gerade Schach und ähnliche Spiele waren im Mittelalter eine Sache der Elite, deshalb müssen hier Adelige gewohnt haben", erklärt Eismann. Auch andere Funde wie ein goldverzierter Bronzeanhänger, Pferdegeschirrteile aus Bronze, eine Knochenflöte und einige wenige Scherben eines dunkelblauen Glasbechers zeugen noch von der gehobenen Lebensweise der Bewohner.

"Die Fundstücke sind ohne Frage sehr bedeutend für die Fachwelt, aber auch für die interessierte Öffentlichkeit. Und deshalb freue ich mich ganz besonders, dass die Präsentation im archäologischen Landesmuseum in Herne nun erfolgt. Die historisch überaus bedeutsame Ausgrabung erfolgte auf dem Gebiet von Sendenhorst. Unsere Stadt reiht sich damit ein in die bedeutenden Fundorte Westfalens, die Geschichte machten und man hier in der Dauerausstellung erleben kann", freute sich Bürgermeister Berthold Streffing bei der Präsentation der Spielsteine.

Im Museum finden die Besucher die Spielsteine in zwei, mehr als mannshohen Vitrinen auf dem Weg von der frühen Kirche zur Burg. "Dank des Baukastensystems, mit dem unsere Grabungslandschaft im Museum konstruiert ist, war es ohne großen technischen Aufwand möglich, den neuen Bereich zu realisieren", so Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. "Den Besuchern wird nicht auffallen, dass es sich um nachträgliche Einbauten handelt.

LWL-Museum für Archäologie, Europaplatz 1, 44623 Herne, Tel. 02323 94628-0, www.museum-herne.de. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr, Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr



Pressekontakt:
Dr. Yasmine Freigang, Tel.: 0251 5907-267 und Frank Tafertshofer, Tel.: 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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