LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 11.01.07

Foto zur MitteilungKonstruktionsbüro der Firma Topf & Söhne, hier die technische Abteilung Speicherbau, Juni 1940 .
Foto: © Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar


Foto zur MitteilungFirmenplakette von Topf & Söhne © Sammlung Gedenkstätte Buchenwald.
Foto: Peter Hansen


Foto zur MitteilungBlick in die erste Station der Ausstellung, Jüdisches Museum Berlin, 2005.
Foto: © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe


Foto zur MitteilungLudwig Topf als Soldat in Bad Langen-salza, Herbst 1941.
Foto: © Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar


Foto zur MitteilungOfentür, hergestellt von Topf & Söhne, Überrest aus den Krematorien von Auschwitz-Birkenau.
© Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau


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Presse-Infos | Der LWL

Ausstellung im LWL-Industriemuseum Ziegelei Lage: Techniker der "Endlösung" - Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz

Bewertung:

Lage (lwl). Als in Auschwitz und den anderen deutschen Konzentrationslagern Millionen Menschen ermordet wurden, standen die Mörder vor technischen Problemen. Tötung und Leichenbeseitigung sollten ohne Unterbrechung, kostengünstig und Brennstoff sparend vonstatten gehen und möglichst wenig Spuren hinterlassen. Die Erfurter Firma "Topf & Söhne" trug hierzu entscheidend bei: Ihre Verbrennungsöfen und ihre technischen "Verbesserungen" der Gaskammern sorgten für das perfekte Funktionieren der Tötungsmaschinerie. Die Geschichte dieser "ganz normalen deutschen Firma" ist Thema der Ausstellung "Techniker der 'Endlösung'", die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab kommenden Sonntag, 14. Januar, in seinem Westfälischen Industriemuseum Ziegelei Lage zeigt. Zum Begleitprogramm gehören eine Vortragsreihe sowie Führungen für Gruppen und Schulklassen.

Die Wanderausstellung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Dora Mittelbau war zuvor im Jüdischen Museum Berlin zu sehen. Neben Originalobjekten aus Auschwitz und Buchenwald zeigt sie vor allem Dokumente aus dem erst seit 2003 für die Forschung zugänglichen Firmenarchiv. In einem Forschungsprojekt der Gedenkstätte Buchenwald wurden sie ausgewertet und um parallele Überlieferungen ergänzt, unter anderem aus Archiven in Moskau und Auschwitz. Ein Ergebnis: Die Firma "Topf & Söhne" kannte den Zweck der Anlagen und hat ohne Zwang und wirtschaftliche Not, zum Teil auch auf eigene Initiative, in Auschwitz gearbeitet.

Für LWL-Museumsleiter Willi Kulke wirft die Schau "Schlaglichter auf einen dunklen Aspekt von Industriekultur: das reibungslose Funktionieren von Ingenieurskunst und Ökonomie für die Zwecke der industriellen Menschenvernichtung". Das nur scheinbar enge Spezialthema lenke außerdem den Blick auf ein zentrales Element des Holocaust, die Mitwirkung von Tei-len der "normalen" deutschen Gesellschaft, die nicht dem Bild fanatischer Nationalsozialisten entsprachen.

Unter der Devise von Topf & Söhne, Erfindungsgeist mit Schaffensfreude und Tüchtigkeit zu verbinden, arbeitete die Abteilung "Spezialofenbau" der Erfurter Firma seit 1939 intensiv für die SS. Von den Fenstern des Verwaltungsgebäudes aus hatte man einen freien Blick auf den Ettersberg bei Weimar, wo sich das KZ Buchenwald befand. Ingenieure und Monteure lieferten gemäß den Anforderungen der SS nicht nur Verbrennungsöfen für die Beseitigung der ermordeten Menschen - sie perfektionierten auch die Gaskammern. Willi Kulke: "Dazu war es nötig, die ersten Massentötungen und Verbrennungen in den Krematorien zu beobachten. Die beteiligten Mitarbeiter nutzten ihre Erfahrungen zur Optimierung der Vernichtungsanlagen."

Die Firmenleitung von Topf & Söhne sowie die beteiligten Mitarbeiter stritten nach dem Krieg jede eigene Schuld und Mitverantwortung an den Verbrechen ab. "Die SS wurde als allein schuldig dargestellt; im DDR-Folgebetrieb versuchte man, jede Mitverantwortung auf die kapitalistischen Firmeneigentümer abzuwälzen", erläutert Museumsleiter Kulke.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der zum Preis von 7,90 € erworben werden kann.
Für Schulklassen und Gruppen werden Führungen angeboten.

Veranstaltungsreihe zur Ausstellung:

So, 21. Januar, 14 Uhr
Topf & Söhne
Hartmut Topf, Journalist Berlin

Seine Familie baute die Öfen von Auschwitz: Topf & Söhne. Hartmut Topf, der Urenkel des Firmengründers der Fa. Topf & Söhne hat es sich zur Aufgabe gemacht, die grauenerregende Geschichte seiner Familie ans Licht zu bringen. Er berichtet über die Geschichte des Unternehmens und seinen Umgang mit dieser Geschichte.

So, 4. Februar, 14 Uhr
Holocaustleugner in Ostwestfalen
Marcus Seemüller, Argumente und Kultur gegen rechts e.V., Bielefeld

Seit dem Ende des Nationalsozialismus bemühen sich Demokraten um eine Kultur der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Ganz anders die Betreiber des "Collegium Humanum" im ostwestfälischen Vlotho. Hinter dem wohlklingenden Namen der "Bildungseinrichtung" verbirgt sich ein Zentrum von Auschwitzleugnern und Neonazis.

So, 18. Februar, 14 Uhr
Die Geschichte der Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Lippe
Manfred Neumann, Historiker Bielefeld

Lippe war eine der ersten Regionen, in der Nationalsozialisten die Macht übernahmen.
Viele der Juden, die als anerkannte Bürger seit Jahrhunderten hier lebten, wurden unter den Augen ihrer Mitbürger verfolgt, deportiert und in den Konzentrationslagern getötet.

So, 25. Februar, 14 Uhr
In Auschwitz auf Montage - Die KPD-Betriebszelle bei Topf & Söhne
Peter Hillebrand, Journalist Berlin

Die Existenz einer kommunistischen Betriebszelle in der Fa. Topf & Söhne war lange Zeit nicht bekannt. Sie trug auch nach dem Krieg nichts zur Aufklärung der Verbrechen bei. Peter Hillebrand stellt die KPD-Betriebszelle in ihrem Agieren zwischen Widerstand, Mittäterschaft und Vertuschung vor.

So, 18. März, 14 Uhr
Ziegel für "Germania" und/oder Vernichtung durch Arbeit - Die Ziegelwerke der SS
Dr. Andreas Immenkamp, wissenschaftlicher Mitarbeiter LWL-Industriemuseum

Dr. Andreas Immenkamp referiert über Ziegeleibetriebe in Konzentrationslagern der SS (1938 - 1945). Bedingt durch den Größenwahn von SS Funktionären, technischem Dilettantismus, Zwangsarbeit und schikanöser Arbeitsbedingungen verloren zigtausend KZ-Insassen ihr Leben.

So, 25. März, 14 Uhr
Mord durch Industrie, Mord durch Arbeit. Bildvortrag mit Diskussion.
Dr. Thomas Parent, stellvertretender Direktor LWL-Industriemuseum

Auschwitz und Birkenau waren nicht nur Vernichtungs-, sondern auch Arbeitslager. Durch die grausamen Arbeitsbedingungen auf Großbaustellen und in Steinbrüchen, aber auch in den Zechen des nahegelegenen oberschlesischen Steinkohlenreviers kamen zahllose Auschwitz-Häftlinge zu Tode.

Im Anschluss an die Vorträge findet gegen 15 Uhr eine kostenlose Führung durch die Ausstellung statt. Zu den Vorträgen wird der normale Museumseintritt erhoben.

Techniker der "Endlösung"
Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz

14. Januar bis 22. April 2007
LWL-Industriemuseum Ziegelei Lage
Sprikernheide 77, 32791 Lage
Di - So 10 - 18 Uhr
Infos unter Tel. 05232 9490-0 und www.ziegelei-lage.de



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, Westf. Industriemuseum, Tel. 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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