LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 08.11.06

Foto zur MitteilungSolche sternförmigen Foraminiferen finden sich in Bohrkernen mit Meeressedimenten. In die Kalkschalen der Einzeller sind Klimainformationen eingelagert.
Foto: Universität Bonn/Thomas Litt.


Foto zur Mitteilung"Patient Erde": Auf Infusionsbeuteln werden in der Klimaausstellung aktuelle Maßnahmen zum Klimaschutz vorgestellt.
Foto: LWL/Brentführer.


Foto zur MitteilungDie ersten systematischen Wetteraufzeichnungen der Societas Meteorologica Palatina von 1792.
Foto: Deutscher Wetterdienst/S. Gilge.


Foto zur MitteilungAnhand von Eis-Bohrkernen aus Arktis und Antarktis können die Wissenschaftler das Klima vergangener Zeiten rekonstruieren. Die Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts wurde eigens für die Arbeit in den Polarmeeren konzipiert und ist gegenwärtig das leistungsfähigste Polarforschungsschiff der Welt.
Foto: Alfred-Wegener-Institut/Sigrid Schiel.


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Presse-Infos | Der LWL

Wetter vor 5.000 Jahren und das Klima von morgen in der größten deutschen Klima-Ausstellung

Bewertung:

Herne (lwl). Im LWL-Museum für Archäologie in Herne will noch bis 30. Mai 2007 die bisher größte Ausstellung in Deutschland über "Klima und Mensch" sowohl die Anpassungsfähigkeit der Menschen, Tiere und Pflanzen über die Jahrtausende als auch die Klima-Extreme vor sechs Millionen Jahren bis zu zukünftigen Hochwasserkatastrophen erlebbar machen. Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert das "Leben in Extremen" auf 900 Quadratmetern mit über 800 bedeutenden Exponaten und zeigt auch die Methoden der Klimaforscher und Archäologen.

Oft müssen die Forscher komplizierte Methoden anwenden, um zu sicheren Ergebnissen zu gelangen. Einige dieser - manchmal ganz unerwarteten Hilfsmittel - entdeckt man bei der Ausstellung "Klima und Mensch" in Herne. "Wir finden sehr viele Fakten mit Hilfe anderer Wissenschaften - etwa durch Jahrhunderte dauernde Messungen, durch Eisbohrkerne oder Pollen auf dem Grund von Seen", sagt die LWL-Archäologin Susanne Jülich. "Und meistens geht es über die reine Bestimmung und Datierung der Funde hinaus. Wir erfahren auch etwas über den Klimawandel und damit über die Lebensbedingungen der Menschen."

Ein Beispiel sind meteorologische Beobachtungen. "Wetterstationen messen überall auf der Welt Temperatur, Luftdruck, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und Wind, die zusammen das Wetter bilden", beschreibt Susanne Jülich, wie Meteorologen die Wetterlage zu einem bestimmten Zeitpunkt erheben und diese Daten für Vorhersagen nutzen. "Erst wenn die Wissenschaftler eine ganze Zeitreihe an Wetterbeobachtungen haben, können sie auch Klimaveränderungen erkennen."

Die ältesten schriftlichen Berichte zu Wetterphänomenen sind über 5000 Jahre alt, den Startpunkt für eine systematische Arbeit legten hingegen die Wetterpioniere der Societas Meteorologica Palatina ab 1781. Sie nutzten 39 Wetterstationen von Neuengland über Grönland bis in den Ural. Jülich: "Diese über zwölf Jahre lang gesammelten Daten, die wir in Herne ausstellen, sind noch heute eine Grundlage für Forschungen zum Klima."

Eine andere, "kältere" Methode sind die Eisbohrkerne, die Wissenschaftler in Arktis und Antarktis gewinnen. In jedem Jahr lagert sich dort eine Schicht Schnee ab, die im Laufe der Zeit zu Eis wird. Luftblasen, CO2- und Methangas-Mengen sowie weitere chemische Elemente bleiben im "ewigen Eis" erhalten. "Sie lassen Rückschlüsse auf die jeweilige Temperatur und die Zusammensetzung der Atmosphäre zu - erhöhte Staubmengen und Schwefelgehalte verweisen zum Beispiel auf Vulkanausbrüche", so Jülich. Ein Bild des "Vostok-Eiskerns", den 19 Forscher aus Frankreich, Russland und den USA erbohrten, ist ebenfalls in der Ausstellung in Herne zu sehen: Der 3623 Meter lange Eiskern enthält die Klimageschichte der letzten 420.000 Jahre.

Veränderungen in der Welt der Pflanzen beweisen Untersuchungen, die die Forscher auf dem Grund von Seen anstellen. "Die sehr widerstandsfähigen Blütenpollen vieler Pflanzen landen im Wasser. Wenn sie herunter sinken, bilden sie am Boden des Gewässers eine Sedimentschicht", erklärt Susanne Jülich. Pollen aus dem Sommer sind darin als helle Lagen, die aus dem Winter als dunkle zu erkennen. "Wir sehen so, welche Pflanzen in der jeweiligen Jahreshälfte in der Umgebung des Sees wuchsen. Zusammen geben sie Hinweise auf die Umwelt, das herrschende Klima und wie sich beides veränderte."

Sicher ist, dass schon die frühen Menschen ihre Umwelt bewusst wahrnahmen und Wetteräußerungen wie Sonne, Wind, Regen oder Blitz Göttern zuschrieben, was sie wiederum in der Kunst äußerten, erläutert die Archäologin. "Ob allerdings erst der Homo sapiens die früheste Kunst schuf, oder ob auch schon ältere Menschenformen wie etwa der Neandertaler Künstler waren, ist bisher nicht eindeutig geklärt."

Was passiert in zehn und in 100 Jahren? In der Ausstellung führt eine Klimakurve in die Zukunft, vorbei an den Tsunamis und Hurrikanen der Gegenwart und der kommenden Jahre ("2010: Erderwärmung - in ganz Dänemark wird Weinanbau möglich sein?"). Dieter Walch, "Wettermann" vom ZDF, macht den Besucher mit drei unterschiedlichen Szenarien in TV-Reportagen aus der Zukunft bekannt.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Unesco und des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und ist ein Kooperationsprojekt mit der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung. Sie wird außerdem gefördert von: Kulturstiftung Westfalen-Lippe, Gelsenwasser AG, ThyssenKrupp Steel AG, Schenker Deutschland AG, RWE Westfalen-Weser-Ems AG, Stadtwerke Herne AG, 1komma6 Multimediale Dienstleistungen GmbH, Bildungs- und Erziehungsstiftung der Herner Sparkasse, Herner Sparkasse, Schwing GmbH, Deutsche Steinkohle AG, Germanwings GmbH, CareUnit AG, Deutsche Benkert GmbH & Co. KG, Reifen Stiebling GmbH, Dr.Hauschka Kosmetik/Wala Heilmittel GmbH, Bofrost Dienstleistungs GmbH und Co. KG, Sasol Germany GmbH, DB Regio NRW GmbH, Kulturinitiative Herne e.V., Stadt Herne, Stadtmarketing Herne GmbH, Stadt Herne, Verein der Freunde und Förderer des Westfälischen Museums für Archäologie e. V.

Sonderausstellung "Klima und Mensch. Leben in Extremen": 30.Mai 2006 bis 30.Mai 2007
Westfälisches Museum für Archäologie
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel.: 02323 94628-0
www.klimaundmensch.de
www.museum-herne.de

Das Begleitbuch zur Ausstellung erscheint in Kürze und wird zirka 10 Euro kosten. Bestellung ist ab sofort im LWL-Museum möglich.

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr
Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr
geschlossen 24. und 25. Dezember und am 1. Januar

Eintrittspreise:
Eintrittspreise Sonderausstellung "Klima und Mensch":
5,00 € Erwachsene
4,00 € Erwachsene in Gruppen ab 16 Personen
3,00 € Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre), Schülerinnen und Schüler
2,00 € Schülerinnen und Schüler bei Teilnahme an Führung oder Programm im Rahmen einer Lehrveranstaltung (2 Begleitpersonen frei)
3,00 € Ermäßigungsberechtigte*
11,00 € Familien

Kombiticket für Dauer- und Sonderausstellung
7,00 € Erwachsene
6,00 € Erwachsene in Gruppen ab 16 Personen
4,00 € Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre), Schülerinnen und Schüler
3,00 € Schülerinnen und Schüler bei Teilnahme an Führung oder Programm im Rahmen einer Lehrveranstaltung (2 Begleitpersonen frei)
4,00 € Ermäßigungsberechtigte*
15,00 € Familien

* Ermäßigungsberechtigt sind (mit Nachweis): Studierende (außer "Studium im Alter"), Auszubildende, Wehrpflichtige, Zivildienst-, Freiwilliges Soziales/Ökologisches Jahr-Leistende, Behinderte ab 80 Prozent Schwerbehinderung (eine Begleitperson frei), Empfängerinnen und Empfänger laufender Sozialhilfe



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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