LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 18.09.06

Foto zur MitteilungDr. Klaus Günther im Grabungszelt 1984 während der Fotodokumentation der archäologischen Untersuchung des Großsteingrab von Warburg-Hohenwepel (Kr. Höxter). Foto: LWL.

Foto zur MitteilungDr. Klaus Günther, aufgenommen in Petershagen-Lahde am 7. Mai 2006 anlässlich der Mitgliederversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen e.V. und des 24. Tages der archäologischen Denkmalpflege in Ostwestfalen-Lippe. Foto: LWL.

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Presse-Infos | Der LWL

Steinzeitforscher Klaus Günther gestorben

Bewertung:

Bielefeld/Münster (lwl). Dr. Klaus Günther, der 23 Jahre lang die Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Ostwestfalen verkörperte, ist im Alter von 74 Jahren gestorben. "Seine Arbeiten zur Alt- und Mittelsteinzeit in Westfalen und besonders über die ersten Bauern in Ostwestfalen haben ihm mitteleuropäische Anerkennung eingebracht", würdigte Dr. Gabriele Isenberg, Chefarchäologin des LWL den Verstorbenen. "Allein seine mustergültigen Publikationen werden verhindern, dass er in Vergessenheit gerät".

Der gebürtige Coburger studierte in Erlangen und Münster Ur- und Frühgeschichte, Geologie und Volkskunde. 1961 wurde er in Münster mit einer Arbeit über die altsteinzeitlichen Funde der Balver Höhle (Märkischer Kreis) promoviert, die zu den wichtigsten Fundplätzen der frühen Menschheitsgeschichte in Westfalen gehört. Am 1. Januar 1962 trat er die Stelle eines wissenschaftlichen Referenten am damaligen Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte (heute LWL-Museum für Archäologie) an.

Im Münsterland erforschte er nicht nur die altsteinzeitliche Siedlung von Westerkappeln (Kreis Steinfurt), sondern er befasste sich auch mit allen anderen Perioden der frühen Menschheitsgeschichte. Besonders angezogen fühlte er sich von der ostwestfälischen Mittelgebirgslandschaft und ihrer Vergangenheit. Es ging für den Archäologen ein Traum in Erfüllung, als er 1972 die Leitung der LWL-Außenstelle Bielefeld für Archäologie übernehmen konnte, die für die archäologische Denkmalpflege im Regierungsbezirk Detmold zuständig ist.

Seitdem ist der Name von Klaus Günther ganz besonders mit der Erforschung der Großsteingräber der ersten Bauern im Warburger Raum (Kreis Höxter) und auf der Paderborner Hochfläche in Borchen, Büren, Lichtenau und Paderborn (Kreis Paderborn) verbunden. Hervorragend war seine Entdeckung eines verzierten Wandsteines von einem der Warburger Großsteingräber im Jahre 1988. Denn die Ritzungen von Ochsengespannen, Sonnen- und Regensymbolen geben Aufschlüsse über die religiösen Vorstellungen der Menschen in der Zeit um 3000 v. Chr. "Die Forschungsergebnisse von Klaus Günther in den Großsteingräbern von Warburg waren so spannend, dass Warburg und der Ur-Warburger in unserem neuen Museum für Archäologie in Herne eine Schlüs-selrolle einnehmen", erklärte Isenberg.

Bis zum Beginn seines Ruhestandes im Sommer 1995 ist Klaus Günther daneben überall in Ostwestfalen-Lippe tätig gewesen: Er grub im mittelalterlichen Domhof in Minden und auf dem spätbronzezeitlichen (1000 bis 750 v. Chr.) Urnenfriedhof von Petershagen-Lahde (beides Kreis Minden-Lübbecke), er erforschte die Geschichte der über 2000 Jahre alten Hünenburg in Bielefeld, den steinzeitlichen Wohnplatz von Rietberg (Kreis Gütersloh) und nicht zuletzt den Hof eines germanischen Feinschmiedes in Warburg-Daseburg (Kreis Höxter), wo die LWL-Archäologen erstmals den kompletten Herstellungsprozess von Eisenfibeln (Gewandnadeln) vom Barren bis zum Fertigprodukts im ersten nachchristlichen Jahrhundert nachvollziehen konnten.

Im Ruhestand hat Klaus Günther mit seiner Frau Ilse die Zeit gehabt, archäologische Denkmäler in anderen Landschaften, vor allem in den Mittelmeerländern zu besichtigen. Er blieb aber mit der westfälischen Archäologie eng verbunden, war langjähriges Mitglied der Altertumskommission für Westfalen und bis zuletzt erster Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen. Bereits am vergangenen Freitag wurde er in Bielefeld bestattet.



Pressekontakt:
Dr. Yasmine Freigang, Tel. 0251 5907-267 und Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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