LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 24.07.06

Foto zur MitteilungZwei Menschenarten - zwei unterschiedliche Wege sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Links der "Nussknackermensch", recht ein Homo habilis. Foto: LWL/Menne.

Foto zur MitteilungKeine unscheinbaren Steine, sondern die 1,8 Millionen Jahre alten Werkzeuge aus der Olduvai-Schlucht in Tansania. Foto: LWL/Brentführer.

Foto zur Mitteilung

Zum Herunterladen bitte mit der linken Maustaste auf das Foto klicken. Nachdem sich das neue Fenster geöffnet hat, bitte das Foto mit der rechten Maustaste speichern.

Die zum Download angebotenen Fotos dürfen nur mit Fotonachweis und gemeinsam mit der Pressemitteilung oder dem Thema verwendet werden, in deren Zusammenhang sie veröffentlicht wurden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht gestattet. Bei Ausstellungen ist die Reproduktion nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Ausstellung erlaubt. Bei einer anderweitigen Nutzung sind Sie verpflichtet, selbständig die Fragen des Nutzungsrechts zu klären.

Presse-Infos | Der LWL

Helle Haut, Nussknackermenschen und aufrechter Gang
LWL-Ausstellung zeigt Klima als Motor der Evolution

Bewertung:

Herne (lwl). Im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seit Anfang Juni die bisher größte Ausstellung in Deutschland über "Klima und Mensch": Mehr als 800 Ausstellungsstücke aus allen Kontinenten machen sowohl die Anpassungsfähigkeit von Tieren und Pflanzen über die Jahrtausende als auch die Wetter-Extreme vor sechs Millionen Jahren bis zu zukünftigen Hochwasserkatastrophen erlebbar (bis 30. Mai 2007). Das LWL-Museum präsentiert das "Leben in Extremen" auf 900 Quadratmetern und zeigt auch, wie die Menschen sich angepasst haben:

Ein seltsames Geräusch macht den Mann, der gerade auf dem Boden einige Früchte aufliest, stutzig. Es klingt wie ein Brüllen, nur viel leiser. Er richtet sich auf, dreht sich herum und sieht in einigen hundert Metern Entfernung ein Rudel Säbelzahntiger, das gerade eine Antilope reißt. Schnell nimmt er sein Obst und rennt in den nahe gelegenen Wald.

Die Vorfahren des Mannes hätten sich wahrscheinlich kaum in Sicherheit bringen können - sie hätten die Raubtiere schlicht und einfach nicht gesehen. "Denn erst ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Evolution des Menschen stellte er sich auf beide Beine und hatte damit einen viel besseren Überblick", sagt Dr. Michael Baales.

Ausgelöst wurde dieser enorme Schritt, der in der Ausstellung "Klima und Mensch" im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne eine wichtige Rolle spielt, durch einen Klimawandel.

"Durch die Bewegung der Kontinente in Ostafrika, die so genannte Kontinentaldrift, war ein mächtiges Gebirge entstanden, das die
regenreichen Westwinde fernhielt", erklärte Baales. Deswegen bildeten sich vor 8 bis 6 Millionen Jahren in Ostafrika, wo die ersten Vormenschen lebten, große Savannenlandschaften anstelle des dichten Urwalds. "Der Mensch musste die schützenden Bäume verlassen und sich auf die freie Fläche begeben."

Durch den neuen Gang konnten unsere Vorfahren nicht nur weiter blicken: "Die Vormenschen stützten sich nun nicht mehr mit ihren Händen ab, sondern konnten mit ihnen zum Beispiel Nahrung tragen."

Ein schlagkräftiger Beweis für den aufrechten Gang sind die ältesten Fußspuren der Welt, die in der Herner Ausstellung als Kopie ausgestellt sind. "Als vor 3,6 Millionen Jahren bei Laetoli in Tansania ein Vulkan ausbrach, liefen zwei erwachsene Vormenschen und ein Kind durch die nasse Asche", erläutert Baales. "Ihre Fußabdrücke beweisen, dass sie schon aufrecht gingen."

Mit dem Schwinden der Regenwälder machte der Mensch noch weitere evolutionäre Schritte. Er musste sich von viel härteren Pflanzen ernähren, die nun in der Savanne wuchsen und weitaus schwieriger zu kauen und zu verdauen waren. In der Ausstellung zeigt dies die Büste eines robusten Vormenschen, der vor 2,2 bis 1,3 Millionen Jahren lebte.

"Der so genannte Nussknackermensch hatte sehr große Backenzähne und einen dicken Zahnschmelz, mit denen er die harte Pflanzennahrung gut zerkleinern konnte", erklärt Baales.
Eine andere Büste zeigt den Homo habilis - das bedeutet der "Geschickte" -, der vor 2,6 bis 1,5 Millionen Jahren in Ost- und Südafrika lebte und sich vollkommen anders an die neue Zeit anpasste.

"Er war der erste, der nachweislich auf eine Umweltveränderung reagierte, indem er Steine als Werkzeuge gebrauchte und seine Nahrung ergänzte", sagt Baales. Der Homo habilis nämlich begann, sich auch von Fleisch zu ernähren. Er öffnete dazu Tierkadaver mit Steingeräten - 1,8 Millionen Jahre alte Geröllgeräte aus der Olduvai-Schlucht in Afrika sind in der Ausstellung zu sehen - und schabte das Fleisch von den Knochen. Folge der unterschiedlichen Anpassung: Der Nussknackermensch war körperlich überangepasst, er starb aus, als sich das Klima wieder änderte. Der Homo habilis hingegen, der Werkzeuge genutzt hatte, lebte weiter.

"Der Klimawandel und die Anpassung des Menschen an seine neue Umgebung waren aber auch später immer wieder Motoren der Evolution", sagt Michael Baales. Jüngstes Beispiel dafür ist die
helle Haut etwa der Europäer. "Die frühen Menschen hatten alle dunkle Haut. Das änderte sich erst, als sich mit dem Beginn der Landwirtschaft Getreide als ein Grundnahrungsmittel durchsetzte und sich der Fleischverzehr reduzierte." Dieser ungewöhnlich klingende Zusammenhang hat handfeste biologische Gründe. Als die Menschen sich noch vor allem von Fleisch ernährten, nahmen sie auf diese Weise das lebenswichtige Vitamin D auf. Mit der Umstellung der Ernährung mussten sie das Vitamin, das für die Einlagerung von Calcium in den Knochen zuständig ist, selbst im eigenen Körper produzieren. Hellere Haut hilft dabei: Sie kann das ultraviolette Licht der Sonne leichter aufnehmen und Substanzen aus dem Getreide in Vitamin D umwandeln.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Unesco und des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und ist ein Kooperationsprojekt mit der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung. Sie wird außerdem gefördert von: Kulturstiftung Westfalen-Lippe, Gelsenwasser AG, ThyssenKrupp Steel AG, Schenker Deutschland AG, RWE Westfalen-Weser-Ems AG, Stadtwerke Herne AG, 1komma6 Multimediale Dienstleistungen GmbH, Bildungs- und Erziehungsstiftung der Herner Sparkasse, Herner Sparkasse, Schwing GmbH, Deutsche Steinkohle AG, Germanwings GmbH, CareUnit AG, Deutsche Benkert GmbH & Co. KG, Reifen Stiebling GmbH, Dr.Hauschka Kosmetik/Wala Heilmittel GmbH, Bofrost Dienstleistungs GmbH und Co. KG, Sasol Germany GmbH, DB Regio NRW GmbH, Kulturinitiative Herne e.V., Stadt Herne, Stadtmarketing Herne GmbH, Stadt Herne, Verein der Freunde und Förderer des Westfälischen Museums für Archäologie e. V.

Sonderausstellung "Klima und Mensch. Leben in Extremen": 30.Mai 2006 bis 30.Mai 2007

Westfälisches Museum für Archäologie
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel.: 02323 94628-0
www.klimaundmensch.de
www.museum-herne.de

Das Begleitbuch zur Ausstellung erscheint Anfang Juli und wird zirka 10 Euro kosten. Bestellung ist ab sofort im LWL-Museum möglich.

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr
Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr
geschlossen 24. und 25. Dezember und am 1. Januar

Eintrittspreise:

Eintrittspreise Sonderausstellung "Klima und Mensch":
5,00 € Erwachsene
4,00 € Erwachsene in Gruppen ab 16 Personen
3,00 € Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre), Schülerinnen und Schüler
2,00 € Schülerinnen und Schüler bei Teilnahme an Führung oder Programm im Rahmen einer Lehrveranstaltung (2 Begleitpersonen frei)
3,00 € Ermäßigungsberechtigte*
11,00 € Familien

Kombiticket für Dauer- und Sonderausstellung

7,00 € Erwachsene
6,00 € Erwachsene in Gruppen ab 16 Personen
4,00 € Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre), Schülerinnen und Schüler
3,00 € Schülerinnen und Schüler bei Teilnahme an Führung oder Programm im Rahmen einer Lehrveranstaltung (2 Begleitpersonen frei)
4,00 € Ermäßigungsberechtigte*
15,00 € Familien

* Ermäßigungsberechtigt sind (mit Nachweis): Studierende (außer "Studium im Alter"), Auszubildende, Wehrpflichtige, Zivildienst-, Freiwilliges Soziales/Ökologisches Jahr-Leistende, Behinderte ab 80 Prozent Schwerbehinderung (eine Begleitperson frei), Empfängerinnen und Empfänger laufender Sozialhilfe



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
http://www.facebook.com/LWL2.0







Ihr Kommentar




zu den aktuellen Presse-Infos