LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 04.07.06

Foto zur MitteilungHöhlenbären lebten während der letzten Warm- und Kaltzeiten in Europa. Dieser kommt aus Goyet in Belgien und ist zwischen 40 000 und 30 000 Jahren alt. Die gemalte Kulisse zeigt die originale Größe.
Foto: LWL/Menne.


Foto zur MitteilungDiese 10 000 Jahre alte Bärentatze hat sich im Dauerfrostboden Sibiriens erhalten.
Foto: LWL/Brentführer.


Foto zur MitteilungDer 11 000 Jahre alte Bogen aus Holmegård in Dänemark.
Foto: LWL/Egbert.


Foto zur MitteilungDer Speer von Schöningen ist über 370 000 Jahre alt und damit die älteste erhaltene Holzwaffe der Welt.
Foto: LWL/Menne.


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Presse-Infos | Der LWL

Der älteste Speer der Welt in der Klima-Ausstellung

Bewertung:

Herne (lwl). Im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seit Anfang Juni die bisher größte Ausstellung in Deutschland über "Klima und Mensch": Mehr als 800 Ausstellungsstücke aus allen Kontinenten machen sowohl die Anpassungsfähigkeit der Menschen, Tiere und Pflanzen über die Jahrtausende als auch die Wetter-Extreme vor sechs Millionen Jahren bis zu zukünftigen Hochwasserkatastrophen erlebbar (bis 30. Mai 2007). Das LWL-Museum präsentiert das "Leben in Extremen" auf 900 Quadratmetern auch das Thema Waffen.

Bevor es die Tierzucht gab - und natürlich auch lange, bevor man beim Metzger Fleischspezialitäten aus aller Welt kaufen konnte - mussten die Männer oder auch die Frauen auf die Jagd gehen. Denn der Mensch hat weder Reißzähne noch Klauen, Hörner oder körpereigene Gifte, um Beute zu machen. Stattdessen schaffte er sich Hilfsmittel für die Jagd, nutzte Steine und Stöcke oder baute Fallen.

Schnell wurden die Jagdwaffen immer ausgefeilter. Ein ganz besonderes Beispiel dafür ist der 400.000 Jahre alte hölzerne Speer, den das Westfälische Museum für Archäologie in Herne zeigt. "Dieser älteste Speer der Welt ist perfekt ausbalanciert - er liegt so gut in der Hand wie ein heutiger Damenwettkampfspeer", sagt Ausstellungsmacherin Susanne Jülich.

"Interessant ist auch, wie die Menschen damals das Holz bearbeiteten: Die Spitze des Fichtenholz-Speeres ist exakt dort angelegt, wo in dem Ast das Hartholz war", erzählt die Archäologin. "Die damaligen Konstrukteure, die teilweise den Schaft der Waffen mit Spitzen aus Knochen oder Stein versahen, müssen viel von ihrer Arbeit verstanden haben." Der Speer, der an seinem Fundort in Niedersachsen nur knapp einem Braunkohlebagger entging, ist eine der drei wichtigen Waffenarten der Vergangenheit. "Wir zeigen in der Ausstellung auch den ältesten vollständig erhaltenen Bogen und die älteste Lanze der Welt: Das hat es in dieser Kombination noch nie gegeben", berichtet Susanne Jülich stolz.

Die 2,40 Meter lange Lanze setzten die Menschen im Gegensatz zum Speer im Nahkampf ein, sie stießen sie aus zwei Meter Entfernung in das Beutetier. Die Eibenholzlanze in der Klima-Schau stammt ebenfalls aus Niedersachsen und ist rund 125.000 Jahre alt. 1948 fanden sie Forscher zwischen den Rippen eines Waldelefanten.

An der dritten Waffe, einem 11.000 Jahre alten Ulmenholz-Bogen aus Holmegård in Dänemark, kann man beispielhaft ablesen, wie enorm das Klima das Jagdverhalten der Menschen beeinflusste. "Als die letzte Kaltzeit vor 11.600 Jahren endete, schmolzen die großen Eisschilde ab und der Meeresspiegel stieg drastisch an", berichtet die Mitarbeiterin des LWL-Museums. Die Wassermassen überfluteten Flächen, die zuvor als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen gedient hatten. Ganz neue Landschaften mit Laubwäldern entstanden - die Steppe verschwand und mit ihr die großen Tierherden, auf die die Menschen Jagd gemacht hatten.

"Die Jäger mussten mit neuen Technologien auf die Umwelt reagieren, die sich so grundlegend verändert hatte", erklärt die Wissenschaftlerin. Für die Jagd im dichten Wald erfanden sie Pfeil und Bogen, weil die Tiere kleiner und schneller wurden, es auf mehr Geschwindigkeit ankam und die langen Speere zwischen den Bäumen und Sträuchern deshalb nicht mehr einzusetzen waren.

Die Menschen jagten aber nicht nur zu Lande, sondern auch im Wasser. "Spätestens vor etwa 15.000 Jahren erfanden die Jäger die Harpune für die Fischjagd", erklärt Susanne Jülich. Das Prinzip war dasselbe wie bei den heutigen Unterwasserwaffen: Man verband gezähnte oder mit steinernen Schneidkanten versehene Knochen- und Geweihspitzen lose mit dem Speer. "Die Widerhakenspitze löste sich, wenn sie sich in die Beute gebohrt hatte", beschreibt die Ausstellungsmacherin anhand einer Harpunenspitze von 13.000 v. Chr., die Forscher im belgischen Goyet fanden. "Anschließend konnte man die Fische leicht aus dem Wasser ziehen."



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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