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Mitteilung vom 21.06.06

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Studentenleben und Studium an der "Zeche Quest": Neue Ausstellung im Industriemuseum Ziegelei Lage

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Lage (lwl). "Zeche Quest" - so nannten die Lagenser Studenten ihr Technikum. Damit spiel-ten sie auf die großen Kohlehaufen an, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Hof der Ingenieurschule für den Betrieb einer Lokomobile lagen. Und sie ehrten mit diesem Spitznamen die Familie Quest, die das Technikum viele Jahre lang als Familienbetrieb führte. 100 Jahre nach der Gründung erinnert das Westfälische Industriemuseum ab Sonntag (25.6.) an die Studentenzeit in Lage. Die Ausstellung "Zeche Quest - Studenten am Technikum Lage" läuft bis zum 24. September im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Historische Fotos, Postkarten und Exponate wie Lehrmittel aus den ehemaligen Labors zeigen, wie die Studenten ausgebildet wurden, wo sie wohnten, wie sie ihre Freizeit verbrachten und das öffentliche Leben der lippischen Kleinstadt mitprägten. Größtes Ausstellungsstück ist ein Segelflugzeug (Foto), das 1932 als "Schulgleiter" am Technikum gebaut wurde.

1906 hatte der Detmolder Architekt Johann Berger das "Polytechnische Institut und Technikum Lage i.L." gegründet. "Da im 19. Jahrhundert viele Produktionsverfahren mechanisiert worden waren, benötigte die Industrie immer mehr technisch geschulte Arbeitskräfte. Sie wurden an technisch ausgerichteten Fachschulen, den Polytechniken, ausgebildet", erläutert Ausstellungsmacher Dr. Andreas Immenkamp vom LWL-Industriemuseum.

In Deutschland entstand die erste technische Schule 1825 in Karlsruhe. Die lippischen Polytechniken entwickelten sich vor allem erfolgreich, weil sie nicht nur Ingenieure, sondern auch einheimische Wanderziegler aus- bzw. weiterbildeten. Immenkamp: "Viele lippische Ziegler nutzten die arbeitsfreie Winterzeit, um sich beruflich weiter zu qualifizieren. Die Ziegler-Schulen in Lemgo und Lage boten beispielsweise auch Kurse für Heizer, Maschinisten und Ziegelmeister an."

Angesichts des Studentenzustroms reichten die Räume im Stammhaus bald nicht mehr aus. 1924 begannen die Bauarbeiten für das neue Technikum, das nach den Wünschen Quests alle Ausbildungsabteilungen unter einem Dach vereinigen sollte. Die angehenden Ingenieure und Techniker entwickelten sich schnell zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Lage. Viele Familien vermieteten möblierte Zimmer und so manche Kneipe avancierte zur "Konstanten", das heißt zur Stammkneipe einer studentischen Verbindung. Auch dem öffentlichen Leben der Kleinstadt verliehen die Studenten ihre eigene Note. Burschenschaftler marschierten zu Gedenk- und Feiertagen im "Wichs" durch die Stadt. Examenskandidaten arrangierten zum Abschluss ihres Studiums phantasievolle Umzüge.

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierten in Lage 1947 über 1.000 Studenten. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Lehrangebot der Schule beträchtlich: die Institute bildeten u.a. Elektro- und Bauingenieure, Architekten sowie Ingenieure für Grobkeramik aus. 1981 endete die Lehrtätigkeit in Lage. Die privat geführte Ingenieurschule war gegen die staatlichen Fachhochschulen in Lemgo, Detmold und Bielefeld nicht konkurrenzfähig.

Bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag (25.6.) um 11 Uhr begrüßen Dirk Zache, Direktor des Westfälischen Industriemuseums, Landrat Friedel Heuwinkel und Irmgard Eberhard, stellv. Bürgermeisterin von Lage, die Gäste. Eine Einführung in die Ausstellung gibt Andreas Immenkamp.

"Zeche Quest" - Studenten am Technikum Lage
21.6. bis 24.9.2006

Westfälisches Industriemuseum Ziegelei Lage
Sprikernheide 77
Geöffnet Di - So 10 - 18 Uhr



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127 und Markus Fischer, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




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