LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 10.05.06

Foto zur MitteilungEin Tisch mit den Speisen der frühen Menschen in der Klima-Ausstellung (Modell). Foto: LWL

Foto zur MitteilungVersteinertes Mammut (Foto) und gefrorenes Mammutsteak zeigt das Westfälische Museum für Archäologie ab 30. Mai. Foto: LWL

Foto zur MitteilungWildäpfel standen bei den Frühmenschen auf dem Speiseplan, wie ein versteinerter Fund zeigt. Foto: LWL

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Presse-Infos | Der LWL

Mammut an Wildäpfeln
LWL-Ausstellung zeigt Speiseplan der Frühmenschen

Bewertung:

Herne (lwl). Im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne wird am 30. Mai die bisher größte Ausstellung in Deutschland über "Klima und Mensch" mit doppelt so vielen Exponaten wie geplant starten: Über 800 Ausstellungsstücke aus allen Kontinenten sollen jetzt sowohl die Anpassungsfähigkeit der Menschen, Tiere und Pflanzen über die Jahrtausende als auch die Wetter-Extreme vor sechs Millionen Jahren bis zu zukünftigen Hochwasserkatastrophen erlebbar machen (bis 30. Mai 2007). Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wird das "Leben in Extremen" auf 900 Quadratmetern präsentieren.

Als Vorspeise gibt es "Maden auf einem Ensemble aus verschiedenen Grassamen und Kräutern", als Hauptgericht "frische Eier aus dem Nest mit roher Leber von Gazelle", zum Dessert "angegorene Früch-te auf Blattsalat", dazu "kühles Regenwasser aus der Blattrosette": Was die frühen Menschen aßen, richtet das Westfälische Museum für Archäologie in Herne in der Ausstellung "Klima und Mensch" in einer Inszenierung als festliches Menü an.

"Wir wollten das wichtige Thema ,Essen' einmal auf andere Weise präsentieren", sagt Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. "Den Homo sapiens, den Homo erectus, den Neandertaler und den Australopithecus haben wir deswegen an einen Tisch gesetzt und ihre Speisen auf einer Speisekarte aufgeschrieben." Mögen die Zutaten der Gerichte des Frühmenschen vielleicht noch ein wenig abstoßend erscheinen, ist das Menü des Neandertalers durchaus schon ansehnlicher: Nach "Mammutcarpaccio mit kandierten Wildäpfeln" stehen eine "Wisentkeule frisch aus dem Feuer" und anschließend ein "Heidelbeermus" auf dem Programm.

Das Festmahl, das in einem Ausstellungsraum mit einer großen Tafel inszeniert ist, klingt zuerst einmal sehr spielerisch - es hat aber einen hohen wissenschaftlichen Wert. "Unsere Vorfahren haben sich zwar zu fast allen Zeiten von pflanzlicher und tierischer Kost ernährt. Der Speiseplan aber hat sich stark geändert", erklärt Rüschoff-Thale. Lange griffen die Menschen auf das zurück, was die Natur bereithielt, später fingen sie an, durch Pflanzenanbau und Viehzucht Nahrung zu produzieren und Vorräte anzule-gen.

Auch der Einfluss des Klimas hat die Ernährung der verschiedenen Menschenarten gewandelt. "Nach dem Ende der letzten Eiszeit gab es für die Menschen in Europa erstmals Wildschweinbraten. Später verursachten schlechte Sommer Hungersnöte, weil das Getreide nicht gewachsen war,", nennt die LWL-Archäologin Beispiele. Je nachdem, wo die Menschen sich zu welcher Zeit aufhielten, trafen sie auch auf unterschiedliche Tiere. In kälteren Zeiten jagten sie Mammuts, Wisente, Rentiere und Pferde, in wärmeren Waldelefanten, Waldnashörner und Auerochsen. Der Speiseplan wechselte oft so grund-legend, dass sich die Menschen und ihre Vorfahren an gänzlich anderes Essen gewöhnen mussten.

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler über die Nahrung sind hervorragend. Dazu tragen Funde bei, die in der Ausstellung zu sehen sind: 220.000 Jahre alte Wildapfelabdrücke aus Thüringen etwa, die in Travertin - einer Gesteinsart - erhalten geblieben sind, Löwenknochen mit Schnittspuren aus Frank-reich von Le Clouseau oder Mammutfleisch aus Sibirien, das im Dauerfrostboden erhalten blieb und noch tiefgekühlt ausgestellt wird. Das Wissen über die Ernährung ist aber auch aus einem anderen Grund sehr gut: "Wir beschäftigen uns mit etwas, das viele unappetitlich finden", sagt Barbara Rü-schoff-Thale. "Die menschlichen Ausscheidungen, die wir in Herne zeigen, sind eine wichtige Quelle für unser Wissen über die Ernährung in früheren Zeiten."

Neben der Vergangenheit spielen in der LWL-Ausstellung Gegenwart und Zukunft eine große Rolle. Die Forscher stellen fest, dass in den Industrieländern, zu oft zu süß und fett gegessen wird, und in den ärmeren Ländern viele Menschen unterernährt sind. Moderne Konservierungs- und Transporttechniken, ermöglichen es vor allem den Bewohnern der reichen Industrienationen, fast alle Nahrungsmittel überall zu erwerben. Und die Zukunft des Essens? Gentomate und Astronautennahrung sind nur zwei Aspekte in der modernen Nahrungsmittelproduktion. Diese greift auch mehr und mehr in die Biologie der Tiere ein. "Heute versuchen Landwirte gezielt Schweine zu züchten, die mehr Rippen haben und damit mehr Koteletts liefern," so Museumsleiterin Rüschoff-Thale.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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