LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 04.04.06

Foto zur MitteilungMuseumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale mit verbrannten Tierknochen aus dem ältesten Feuer der Welt, das vor ca. 1,6 Millionen Jahren im afrikanischen Swartkraans brannte.
Foto: LWL/Kuhn.


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Ältestes Lagerfeuer der Welt in Herne
Neue Klimaausstellung zeigt Exponate aus Afrika

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Herne (lwl). Im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne wird ab 30. Mai die bisher größte Ausstellung in Deutschland über "Klima und Mensch" sowohl die Anpassungsfähigkeit der Menschen, Tiere und Pflanzen über die Jahrtausende als auch die Klima-Extreme vor sechs Millionen Jahren bis zu zukünftigen Hochwasserkatastrophen erlebbar machen (bis 30. Mai 2007). Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wird das "Leben in Extremen" auf 900 Quadratmetern mit über 800 bedeutenden Exponaten aus allen Kontinenten präsentieren. Vorab stellen wir einige der wichtigsten Themen vor.

Über Generationen kannten die Menschen, die vor etwa 1,6 Millionen Jahren im heutigen Südafrika lebten, Wärme nur als Sonnenstrahlen - an kühleren Abenden und natürlich im Winter froren die Männer, Frauen und Kinder. Die Familien schmiegten sich aneinander und suchten Unterschlupf vor der Kälte. Wenn durch Zufall mal in der Nähe ein Blitz in einen Baum einschlug, standen sie stundenlang davor - etwas ängstlich zwar, aber auch begeistert von der Hitze, die der entflammte Baum ausstrahlte. Bis eines Tages ein Familienmitglied auf die Idee kam, einen brennenden Ast mitzunehmen und das Feuer mit gesammeltem Holz weiter brennen zu lassen: Der Grundstein für einen wichtigen Schritt in der menschlichen Evolution war gelegt.

"Für die frühen Menschen spielte das Feuer ein ganz wichtige Rolle", erklärt Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. "Unsere Urahnen waren nun für Wetterschwankungen besser ausgestattet und konnten auch in kälteren Gebieten außerhalb von Afrika überleben. Das ist letztendlich einer der Gründe, weshalb sich der Mensch über die ganze Erde ausbreiten konnte. " Die LWL-Archäologin ist deswegen stolz darauf, in der Ausstellung "Klima und Mensch" in Herne verbrannte Knochen vom ältesten bekannten Feuer der Welt zu zeigen, die aus Swartkraans, Südafrika, stammen.

"Das Feuer befriedigte viel mehr Bedürfnisse, als wir es uns in unserer technisch hochentwickelten Umgebung vorstellen können", erläutert Rüschoff-Thale. Feuer diente natürlich als Wärmespender, war aber auch Waffe und Schutz vor wilden Tieren. Die Menschen konnten mit dem Feuer kochen: "Manche Speisen wurden überhaupt erst genießbar, andere konnten besser verwertet werden - die Garung spaltet zum Beispiel die Eiweiße im Fleisch auf, die wiederum wichtig für die Hirnbildung beim Menschen waren." Und: Das Feuer war der soziale Mittelpunkt einer jeden noch so kleinen Gesellschaft: "Ums Feuer scharte man sich, tauschte Erfahrungen aus, und hier fanden sicher auch wichtige Zeremonien statt".

Die frühen Menschen, die Afrika verließen, um in andere Gebiete vorzudringen, verbreiteten das Wissen des Feuermachens. Rüschoff-Thale: "Die ältesten bekannten Feuerreste außerhalb Afrikas sind daher auch erst halb so alt, etwa 800.000 vor unserer Zeit. Das bisher älteste Feuer in Europa, das Wissenschaftler entdeckt haben, brannte vor 600 000 Jahren am Mittelrhein." Die Menschen lernten schnell, die Flammen zu kontrollieren. In der folgenden Zeit, über zehntausende Jahre hinweg, experimentierten sie mit Feuerstein, Pyrit, Markasit und Zunder, um selbst Feuer zu machen.

Erst viel später begannen die Menschen, den Hitzespender auch für viele andere Zwecke einzusetzen. In der Ausstellung sind Exponate von einer Steinlampe über einen Altarleuchter bis zu Kochgeschirr zu sehen - dazu gehören auch Feuerzeuge, denn die Menschen wollten das Feuer immer bei sich haben. Das Wort "Feuer-Zeug" erinnert noch daran, dass es ursprünglich aus mehreren Gegenständen bestand: Im Mittelalter waren das Feuerstahl und Feuerstein, Zunder und Häcksel.

Auch andere Technologien wurden durch die "Zähmung des Feuers" möglich. Die Menschen verhütteten Erz, schmolzen Metall und erfanden Feuerwaffen. "Dann schloss sich der Kreis" so Barbara Rüschoff-Thale. Denn die flächendeckende Nutzung des Feuers war der Start für den Einfluss auf das Klima durch den Menschen. Zum Beispiel wurden Unmengen Holz gebraucht. "Wie sich das auch schon auf das Klima auswirkte, es zumindest lokal verändert hat, ist noch wenig erforscht.

Mit der Dampfmaschine, ebenfalls mit Feuer betrieben, begann dann die Industrialisierung, ohne die unsere Welt heute nicht mehr denkbar ist." Spätestens seit dieser Zeit beeinflussen die Menschen massiv das Klima - mit bislang unbekannten Folgen.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Unesco und des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und ist ein Kooperationsprojekt mit der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung. Sie wird außerdem gefördert von: Kulturstiftung Westfalen-Lippe, Gelsenwasser AG, ThyssenKrupp Steel AG, Schenker Deutschland AG, RWE Westfalen-Weser-Ems-AG, Stadtwerke Herne AG, 1komma6 Multimediale Dienstleistungen GmbH, Herner Sparkasse, Schwing GmbH, Deutsche Steinkohle AG, German Wings, Werner Ollbrink GmbH, Deutsche Benkert GmbH & Co. KG, Reifen Stiebling GmbH, Dr. Hauschka, Bofrost Dienstleistungs GmbH und Co.KG, Sasol Germany GmbH, DB Regio NRW GmbH, Kulturinitiative Herne e.V., Stadt Herne, Stadtmarketing Herne, Stadt Herne, Verein der Freunde und Förderer des Westfälischen Museums für Archäologie e. V.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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