LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 24.03.06

Foto zur MitteilungDas Ausstellungsteam: Architektin Natalie Kleemann, Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe, Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Claudia Hüffer, Dr. Susanne Jülich, Svea Rathje und Sandra Fleschenberg (v.l.)
Foto: LWL/Freigang


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Presse-Infos | Der LWL

Sieben Frauen machen die größte deutsche Klima-Ausstellung

Bewertung:

Herne (lwl). Im Westfälischen Museum für Archäologie beginnt am 30. Mai 2006 die bisher größte deutsche Ausstellung über den Motor der Evolution - das Klima. Aber nicht nur die entscheidenden Wetter-Extreme als Wendepunkte der vergangenen sechs Millionen Jahre Klimageschichte will die Ausstellung in Herne erlebbar machen, sondern auch die Frage nach dem Einfluss des Klimas auf die Zukunft der Menschen stellen ("Klima und Mensch. Leben in Extremen", bis 30. Mai 2007). Und noch etwas Besonderes: Das Ausstellungsteam besteht aus sieben Frauen: Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale, die Wissenschaftlerinnen Sandra Fleschenberg, Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe, Claudia Hüffer, Dr. Susanne Jülich und Svea Rathje und aus Stuttgart die Architektin Natalie Kleemann.

Über 800 Funde

Wie haben es Tiere, Pflanzen und Menschen über Jahrtausende geschafft, sowohl Eiszeiten als auch Hochwasserkatastrophen zu überleben? Die Leiterin des Museums, Dr. Barbara Rüschoff-Thale hat fünf Wissenschaftlerinnen und 1,7 Millionen Euro zusammengebracht, um im Archäologiemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) das "Leben in Extremen" auf 900 Quadratmetern zu präsentieren.

Mit 800 Exponaten - vom zwei Millionen Jahre alten Steinwerkzeug aus Afrika bis zur aktuellen UV-Schutzkleidung aus Australien - spannt das Team einen Bogen, der bis in die nächsten Jahrhunderte reicht. Spektakuläre Funde wie das Mammutbaby "Dima" verdeutlichen, wie stark sich Säugetiere und schließlich die Menschen - zum Beispiel während der langen Eiszeiten - ihrer Umgebung und dem herrschenden Klima angepasst haben.

"Wendepunkte der Klimageschichte"
Barbara Rüschoff-Thale: "Unser Ehrgeiz war es, das Thema aus mehreren Blickwinkeln zu sehen. Es hat immer große Klimaschwankungen und Naturkatastrophen gegeben - auch ohne den Einfluß der Menschen. Aber erst seit 150 Jahren beeinflussen wir Menschen unser Klima massiv. Besonders die großen Naturkatastrophen als Wendepunkte der Klimageschichte interessieren uns - bis hinein in die ungewisse Zukunft, denn nach neuesten Forschungen stehen wir wieder kurz vor einem extremen Klimawandel.

Was ist Wetter, was ist Klima?

Auf der ersten Station der Ausstellung wird es grundsätzlich: Was ist eigentlich Klima und was ist dagegen das Wetter? Das tägliche Wetter mit Wolken, Sonnenschein oder Schnee nämlich, so lernen die Besucherinnen und Besucher, bedeutet für das Klima nur so viel wie ein einziger Ballkontakt in einem Fußballspiel für die gesamte Bundesligageschichte. Rüschoff-Thale: " Wir haben einen Vergleich aus der Männerwelt des Fußballs gewählt. Vorhersagen sind beim Wetter wie beim Fußball nur vage möglich. Einen Spielzug kann man voraussehen, das Ergebnis des nächsten Spiels abschätzen, aber den Ausgang der Liga erkennen wir meist erst einige Tage vor Saisonende."

Die Architektin Natalie Kleemann vom Atelier Brückner (Stuttgart) arbeitet mit den Designerinnen Gesa Dörfler und Diplomdesignerin Ulrike Mumm an der Ausstellung. Kleemann erläutert ein wichtiges Gestaltungselement: "Das Klima als treibende Kraft der Evolution begleitet die Museumsbescherinnen und -besucher als Klimakurve auf dem Gang durch die vergangenen sechs Millionen Jahre." Auf dem Boden aufgebracht sagt die Klimakurve den Besuchern jeweils, welche Umwälzungen ("6 Millionen v. Chr.: Das Mittelmeer läuft voll", "1400 bis 1850: Kleine Eiszeit in Europa - Hungersnöte") oder Katastrophen ("365 n. Chr.: Ein Tsunami verwüstet Alexandria in Ägypten") das Leben auf der Erde beeinflusst haben. Die Besucherinnen laufen zum Beispiel an versteinertem Laub vorüber, das in einem Herbst vor 220.000 Jahren gefallen ist. Oder sie sehen, wie die ersten aufrecht gehenden Menschen die sich ausbreitenden Savannen bevölkerten.

Für alle wichtigen Anpassungsleistungen der Menschen gibt es Exponate, so Svea Rathje vom Ausstellungsteam: "Das Museum präsentiert zum Beispiel Überreste der ältesten bekannten Feuerstelle der Welt aus Südafrika, an der sich Frühmenschen vor 1,6 Millionen Jahren wärmten und das erbeutete Aas brieten. Die Überlebenskünstler Neandertaler und moderner Mensch haben in der Ausstellungsinszenierung zwei Hauptrollen, weil sie es besonders gut verstanden, sich an die extremen Klimaschwankungen während der Eiszeiten anzupassen."

Das Mammutbaby "Dima"

Was beim Neandertaler auf den Tisch kam, ist ebenso Thema wie die Entwicklung seiner größten Beutetiere, der Mammuts. Das vielleicht ergreifendste (und teuerste) Exponat ist das mit Haut und Haaren erhaltene Mammutbaby "Dima". Vor 35.000 Jahren war es im sibirischen Sumpf stecken geblieben. 1977 fanden Goldsucher die Mumie des 115 Kilogramm schweren Tieres, das der Dauerfrostboden - eine natürliche Gefriertruhe - konserviert hatte. Die Wissenschaftlerinnen aus Herne hatten in jahrelangen Verhandlungen ihre Kollegen in Russland überzeugt, das Exponat ins Ruhrgebiet zu schicken.

Die Jagd und die Kunst der frühen Menschen veranschaulichen seltene Funde wie der 9000 Jahre alte Bogen von Holmegård (Dänemark ) - der älteste Bogen der Welt - oder die Venus von Kostenki (Russland), eine der berühmtesten Venusfiguren der Welt und über 20.000 Jahre alt.

Tsunamis und Hurrikans - die Zukunft?

In der Neuzeit löst sich die Abhängigkeit des Menschen von Klima und Umwelt scheinbar auf und kehrt sich um: Der Mensch nimmt seit etwa 300 Jahren durch Wirtschaft und Städtebau selbst Einfluss auf Landschaften, ihren Wasser- und Wärmehaushalt. Dr. Susanne Jülich: "Der Mensch verbrennt Holz, Öl und Kohle in kaum vorstellbaren Mengen und greift in das komplizierte Klimasystem der Erde ein - mit nicht absehbaren Folgen." Das letzte Stück der Klimakurve führt die Besucherin und den Besucher darum vorbei an den Tsunamis und Hurrikans der Gegenwart bis in die Zukunft ("2010: Erderwärmung - in Dänemark wird Weinanbau möglich sein") und macht sie mit drei verschiedenen Klimamodellen für die Zukunft bekannt.

Und haben die Männer im Ausstellungsteam gefehlt? "Natürlich könnten wir ohne unsere Kollegen aus der Wissenschaft, ohne unsere Kräfte in der Haustechnik und in der Museumspädagogik so eine Ausstellung nicht ausrichten. Aber das Kernteam ist weiblich - warum auch nicht", sagt die 43jährige Museumsleiterin und Mutter von drei Kindern.


Sonderausstellung "Klima und Mensch. Leben in Extremen": 30. Mai 2006 bis 30. Mai 2007

Westfälisches Museum für Archäologie
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel.: 02323 94628-0

www.klimaundmensch.de
www.museum-herne.de

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr
Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr
geschlossen 24. und 25. Dezember und am 1. Januar

Eintrittspreise:
Sonderausstellung "Klima und Mensch. Leben in Extremen":
5,00 € Erwachsene
4,00 € Erwachsene in Gruppen ab 16 Personen
3,00 € Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre), Schülerinnen und Schüler
2,00 € Schülerinnen und Schüler bei Teilnahme an Führung oder Programm im Rahmen einer Lehrveranstaltung (zwei Begleitpersonen frei)
3,00 € Ermäßigungsberechtigte*
11,00 € Familien

Kombiticket für Dauer- und Sonderausstellung
7,00 € Erwachsene
6,00 € Erwachsene in Gruppen ab 16 Personen
4,00 € Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre), Schülerinnen und Schüler
3,00 € Schülerinnen und Schüler bei Teilnahme an Führung oder Programm im Rahmen einer Lehrveranstaltung (zwei Begleitpersonen frei)
4,00 € Ermäßigungsberechtigte*
15,00 € Familien

* Ermäßigungsberechtigt sind (mit Nachweis): Studierende (außer "Studium im Alter"), Auszubildende, Wehrpflichtige, Zivildienst-, Freiwilliges Soziales/Ökologisches Jahr-Leistende, Behinderte ab 80 Prozent Schwerbehinderung (eine Begleitperson frei), Empfängerinnen und Empfänger laufender Sozialhilfe.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer und Karl G. Donath, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org



Links:
http://www.klimaundmensch.de



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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