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Mitteilung vom 07.03.06

Foto zur MitteilungImo Moszkowicz
Foto: LWL/Sagurna


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Presse-Infos | Der LWL

"Immer lebe ich in diesem Missverhältnis ..."
LWL-Hörbuch-Porträt des Regisseurs und Autors und Regisseurs Imo Moszkowicz

Bewertung:

Ahlen (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und das Projekt "Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen" widmen Imo Moszkowicz das Hörbuch "Immer lebe ich in diesem Missverhältnis". Die Doppel-CD gibt Einblicke in das Leben und Werk des Regisseurs und Autors. "Immer lebe in diesem Missverhältnis, das mich im Umgang mit dem Phantastischen zwingt, stets darin das Reale zu suchen, und - umgekehrt - im Realen das Phantastische", so Moszkowicz. Die Realität, die er wie durch ein Wunder überlebt hat und vor der er in das Phantastische, in die Kunst entflohen ist, ist die Judenverfolgung des Dritten Reichs, die Auslöschung der eigenen Familie und Auschwitz mit seinem unfassbaren Grauen.

"Ich kam vom Nullpunkt meiner Existenz und stellte fest, dass ich allein da war. Keine Mutter, keine Geschwister mehr. Den Verwaltungsjob in Ahlen, meiner Geburtsstadt, schmiss ich hin für die "Junge Bühne" in Warendorf: Das war die erste, die eine Lizenz kriegte. Alles war neu. Meine eigentliche Absicht war das Verdrängen. Alles war Fluchtbewegung", beschreibt Moszkowicz seinen Neuanfang nach dem Holocaust. Bald ließ er die Schauspielerei hinter sich und übernahm Regieassistenzen bei Gustav Gründgens und Fritz Kortner. Es folgte eine steile Karriere als Regisseur an zahlreichen Schauspielhäusern und Opernbühnen in Deutschland und Europa. Daneben inszenierte der Regisseur und Fernsehpionier zahlreiche Filme und Fernsehspiele, adaptierte Musical, Oper und Schauspiel für das Fernsehen und drehte nicht zuletzt auch Spielfilme für das Kino.

Drei Hörbeispiele auf der CD, die das Westfälische Landesmedienzentrum und die Literaturkommission für Westfalen des LWL gemeinsam produziert haben, geben Auskunft über das Selbstverständnis des Regisseurs Imo Moszkowicz. Er äußert sich zum Ursprung seiner Liebe zur deutschen Sprache wie auch zu seinem Bekenntnis zur "Werktreue". Diese Mitschnitte stammen aus einer zweitägigen Veranstaltung, die im Herbst 2003 das umfangreiche Werk Imo Moszkowicz' im Museum für Westfälische Literatur in Oelde-Stromberg (Kreis Warendorf) würdigte.

Seine Regie-Palette reichte von der "Zauberflöte" über "Kiss me Kate" und "Pater Brown" bis zu "Pu-muckls Abenteuer". Seine Arbeitswut war grenzenlos und diente dem Vergessen. Warum er die selbst gewählte, bewusste Verdrängung ebenso bewusst aufgab, beschreibt er in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises 2003 an den britischen Autor Mark Roseman: "Ich hatte mir souffliert, dass die Welt mittlerweile genug von der Unbegreiflichkeit der Jahre zwischen ‘33 und ‘45 weiß. Und dass es nicht angehen kann, dass diese Schrecklichkeit, die mir meine Mutter und sechs Geschwister und meine Jugend weggerissen hat, jetzt, da mein letztes Jahrzehnt eingeläutet ist, durch eine erinnernde Rückkehr mich auch dieser Jahre beraubt. Denn: Erinnerung ist nicht nur das Para-dies, aus dem man nicht vertrieben werden kann - wie ein mir zu weiser Rabbi tröstend behauptet - sie ist zugleich auch die allerquälendste Hölle. Mein Vorsatz, von keinem Mikrofon, keiner Kamera, keinem Bleistift mehr mich in diese Vergangenheit zurückziehen zu lassen, war schon aus einem einzigen Grund nicht haltbar: Wir, die Opfer, dürfen niemals aufhören das Hohe Lied derjenigen zu singen, die in unserem Lande die Kühnheit hatten ihre Mitmenschlichkeit zu bewahren."

Erst 1997 fasste Moszkowicz seine lange verdrängten Erinnerungen in der Autobiografie "Der grauende Morgen" in Worte. Auszüge hieraus liest seine Tochter, die Schauspielerin Daniela Dadieu auf der CD.

Warum Moszkowicz als brillanter Erzähler gilt, machte er Anfang März bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Ahlen an ihn deutlich. Er zog die rund 600 Zuhörer in seinen Bann als er aus seiner Erzählung "Von den vier Ecken der Erde" las. "Seine präzise und sehr humorvolle Art des Vortrags stellt er auch mit dem neuen Hörbuch unter Beweis. Hier lässt er die Zuhörer an seinen Erwartungen und Ängsten, an seinem Hochgefühl und an Anekdotischem aus der Welt seiner Zauberflöten-Inszenierung teilhaben wenn er aus seinem 'Zauberflötenzauber' liest, in denen er seine Arbeit als Regisseur reflektiert", so Claudia Landwehr vom Westfälischen Landesmedienzentrum.


Immer lebe ich in diesem Missverhältnis
Einblicke in Leben und Werk des Regisseurs und Autors Imo Moszkowicz
Doppel-CD, 118 Minuten, 14.90 Euro
Bezug: Westfälisches Landesmedienzentrum,
medienzentrum@lwl.org, Tel: 0251 591-3902 (zzgl. 2,60 Euro Versandkosten)



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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