LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 06.03.06

Foto zur MitteilungErika Netzer zu Beginn ihrer Lehre in Witten, 1953. Foto: privat

Foto zur MitteilungArbeiterinnen kontrollieren Gardinen bei der Deutschen Bobinet GmbH, Trier (1950er Jahre).
Foto: Alfred Tritschler, Repro: LWL


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Presse-Infos | Der LWL

"Ich wollte immer arbeiten"
Frauen hatten erheblichen Anteil am Aufbau West

Bewertung:

Dortmund (lwl). "Der schnelle Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nach dem Krieg wäre ohne die Frauen nicht möglich gewesen. Der Anteil der erwerbstätigen Frauen stieg zwischen 1950 und 1962 um 70 Prozent." Auf diesen Aspekt weist Dr. Dagmar Kift vom Westfälischen Industriemuseum anlässlich des Weltfrauentages am 8. März hin. Die Leistungen von Flüchtlings- und Vertriebenenfrauen am Wiederaufbau können Besucher in der Sonderausstellung "Aufbau West" nachvollziehen, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) noch bis zum 26. März 2006 auf der Zeche Zollern II/IV in Dortmund präsentiert.

"Flüchtlings- und Vertriebenenfrauen hatten nach Kriegsende eine doppelte Last zu bewältigen: Den ohnehin schwierigen Neubeginn im Westen mussten viele von ihnen allein bewältigen, weil ihre Männer im Krieg umgekommen oder in Kriegsgefangenschaft waren. Sie mussten also alleine die Verantwortung für ihre Familie übernehmen und deren Existenz sichern", so Anke Asfur aus dem LWL-Ausstellungsteam. Sie hat die Lebenswege von acht Frauen erarbeitet, die "Aufbau West" beispielhaft vorstellt, darunter die Geschichte von Erika Netzer. Sie floh Anfang 1945 als Sechsjährige mit ihren Eltern aus Pommern, lebte einige Jahre in einem Auffanglager in Schleswig-Holstein, ging in Witten in die Lehre und lebt heute in Dortmund.

"Im Lager hat meine Mutter sofort wieder gearbeitet. Sie war bereits in Pommern als Köchin beschäftigt und fand auch im Westen direkt wieder eine Anstellung auf einem nahe gelegenen Gut", berichtet Erika Netzer und weist damit auf ein Schicksal hin, dass die meisten Flüchtlings- und Vertriebenenfrauen teilten: Bereits unmittelbar nach der Ankunft im Westen mussten insbesondere junge Mädchen und Frauen zur Versorgung der Familien beitragen. Frauen arbeiteten nach dem Krieg vor allem in der Landwirtschaft, im Textilgewerbe, in der Hauswirtschaft und in der Verwaltung. Der Wunschberuf trat bei den meisten schnell in den Hintergrund. Wichtig war vielmehr, den privaten "Aufbau West" zu bewältigen und für die Familie wieder ein sicheres wirtschaftliches wie soziales Fundament zu schaffen. "So nahmen einige Frauen sogar Stellen in der Montanindustrie an, die ihnen die Arbeitsämter im Ruhrgebiet in der unmittelbaren Nachkriegszeit vermittelten. Allerdings nur so lange, bis wieder ausreichend Männer zur Verfügung standen", erläutert Asfur.

Da die Familie Netzer Verwandte in Witten hatte, siedelte sie 1951 aus dem Lager in Schleswig-Holstein an die Ruhr um, die junge Frau nahm eine Lehrstelle bei einem Rechtsanwalt an. Wie für die meisten der in "Aufbau West" vorgestellten Frauen war für Erika Netzer die Berufstätigkeit bis zur Rente selbstverständlich: "Für mich war das wirklich ein Ziel, ich wollte immer berufstätig sein, genauso wie meine Mutter immer als Köchin und Hauswirtschaftlerin gearbeitet hat."

Damit entsprachen die beiden Frauen dem Geist der Zeit, denn auch als in den Nachkriegsjahren viele Männer aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurden, zogen sich die Frauen nicht zwangsläufig wieder in Haushalt und Familie zurück. Das zeige die Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit in dieser Zeit um 70 Prozent, so Ausstellungsleiterin Dagmar Kift. Im öffentlichen Bewusstsein habe sich diese Entwicklung gleichwohl kaum niedergeschlagen: "Es widersprach dem konservativen Frauenbild der Zeit genauso wie der Familienpolitik der Ära Adenauer, die ein anderes Leitbild propagierte: das der Vollfamilie mit erwerbstätigem Ehemann und der Ehefrau und Mutter, die als Hausfrau die Familie versorgte."

"Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder"

bis 26.03.2006
Westfälisches Industriemuseum Zeche Zollern II/IV
Grubenweg 5, 44388 Dortmund-Bövinghausen
Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr



Pressekontakt:
Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127 und Markus Fischer, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




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