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Mitteilung vom 06.03.06

Foto zur MitteilungEiner der sechs Globen von Ingo Günther zeigt die größte Ausdehnung des Eises vor rund 20.000 Jahren.
Foto: LWL/Günther


Foto zur MitteilungKlimaforscher Prof. Dr. Andreas Hense
Foto: LWL


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Ein Forscher erklärt mit Fußball das Klima

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Herne (lwl). Im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne wird ab 30. Mai die bisher größte Ausstellung in Deutschland über "Klima und Mensch" sowohl die Anpassungsfähigkeit der Menschen, Tiere und Pflanzen über die Jahrtausende als auch die Klima-Extreme vor sechs Millionen Jahren bis zu zukünftigen Hochwasserkatastrophen erlebbar machen (bis 30. Mai 2007). Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wird das "Leben in Extremen" auf 900 Quadratmetern mit über 800 bedeutenden Exponaten aus allen Kontinenten präsentieren. Vorab stellen wir einige der wichtigsten Themen vor.

Samstag, 4. Februar 2006, 15.46 Uhr in Gelsenkirchen: Lincoln legt sich den Ball zurecht, läuft an, schießt das Leder in einem Bogen über die Mauer - und Borussia Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller lenkt den Ball zur Ecke. Fast hätte es 1:0 für Schalke 04 gestanden. Schalke hätte das 127. Revierderby danach vielleicht kontrolliert, noch ein Tor gemacht und gewonnen. Aber nur "vielleicht", denn stattdessen blieb es beim 0:0, auch nach 90 Minuten.

"Für diese Fußballpartie spielt ein solcher vergebener Freistoß sicherlich eine große Rolle, für die gesamte Saison bedeutet er eventuell noch etwas, für die kommenden Jahre wahrscheinlich schon nichts mehr, für die ,Ewige Tabelle' der Bundesliga praktisch nichts", sagt Prof. Dr. Andreas Hense, der die Ausstellung "Klima und Mensch" wissenschaftlich begleitet.

Was hat das Klima mit Kicken zu tun? Der Klimaforscher von der UniversitätBonn nutzt den Fußball-Vergleich, um einen wichtigen Unterschied zu veranschaulichen - den zwischen Klima und Wetter. Zu ahnen, ob der Schuss ins Tor geht, käme demnach der Frage gleich, ob es aus einer bestimmten Wolke am Himmel regnen wird oder nicht. Das Spielergebnis als Summe vieler Spielzüge und Freistöße vorherzusagen, sei schon schwieriger - ähnlich wie das Wetter der kommenden Tage zu kennen, das sich aus vielen Wolken zusammensetzt und sich kurzfristig ändern kann.

Wer eine Prognose über eine gesamte Saison abgeben möchte, müsse im Vergleich den Verlauf aller vier kommenden Jahreszeiten ankündigen. Hense: "Das Auf und Ab in der ,Ewigen Tabelle' gibt das langfristige Klima wieder. Extreme oder überraschende Einzelspielergebnisse beeinflussen aber nicht die Ewige Tabelle des Klimas." Diesen Vergleich finden die Besucher auch im LWL-Museum in Herne. Hense erklärt, warum: "Bei beiden, beim Fußball und beim Klima, sind Voraussagen schwierig, weil vieles zu einem gewissen Grad vom Zufall abhängig ist."

Der Klimaforscher kann auch anders, wissenschaftlicher. "Das Wetter ist der physikalische Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort." Das heißt: Wolken, Regen, Schnee, Sonnenschein, die aktuelle Temperatur, ein Wirbelsturm, "all das, was tatsächlich draußen zu sehen und zu fühlen ist, macht das Wetter aus. Klima hingegen ist die Statistik des Wetters in der Atmosphäre und im Ozean", erläutert Hense, "es beschreibt alle möglichen und wahrscheinlichen Stürme und Wasserströmungen, Regengüsse und Hitzewellen." Je nachdem, wie lange und für welche Region die Forscher die Atmosphäre und den Ozean beobachten, sprechen sie von regionalem oder globalem Klima.

Neben dem "Fußball-Klima-Modell" erklären andere Exponate in Herne, welche Gase sich in der Atmosphäre befinden, wie der Treibhauseffekt entsteht oder warum Regen und Schnee fallen. Plakativ verdeutlichen das die Globen von Ingo Günther. Der international renommierte Künstler ersetzt zum Beispiel auf einer von sechs Weltkugeln das gewohnte Bild der Erde durch helle und dunkle Flecken: Sie stellen die Orte dar, an denen Eis- und Schneeflächen oder heller Wüstensand das Sonnenlicht reflektieren und damit die Atmosphäre abkühlen oder an denen dunkle Flächen wie Wasser und Wälder das Sonnenlicht absorbieren und die Atmosphäre aufheizen.

Auch Klimaforscher Hense möchte klarmachen, dass viele Faktoren das Klima beeinflussen, so wie auch viele einzelne Spielaktionen die Fußball-Bundesliga. Im Gegensatz dazu sei das Klima allerdings deutlich wichtiger für die Menschheit. "Wir müssen die Eingriffe der Menschen in das komplizierte Netz des globalen Klimasystems besser verstehen", sagt Andreas Hense. Von einer "Klimakatastrophe" als Folge dieser Eingriffe zu sprechen lehnt der Forscher vehement ab. "Katastrophen sind Ereignisse, die eigentlich nicht für möglich gehalten werden. Wir wissen aber, wie die möglichen Entwicklungen ablaufen könnten, auch wenn wir noch nicht genug wissen, um die wahrscheinlichen Entwicklungen abschätzen zu können."

Apropos Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten: Das lässt sich auch im Fußballbild ausdrücken - etwa wenn die Clubs des Ruhrgebiets weitere fünf Jahre ohne Titel blieben: "Wir wissen, dass der Gewinn der Deutschen Meisterschaft durch eine Revier-Mannschaft möglich ist. Aber wie wahrscheinlich ist dies in den kommenden Jahren in Anbetracht der Überlegenheit von Bayern München?"

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Unesco und des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Sie wird unterstützt von der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung. Sie wird außerdem gefördert von: Kulturstiftung Westfalen-Lippe, Gelsenwasser AG, ThyssenKrupp Steel AG, RWE Westfalen-Weser-Ems-AG, 1komma6 Multimediale Dienstleistungen GmbH, Stadtwerke Herne AG, Reifen Stiebling GmbH, Sasol Germany GmbH, Werner Ollbrink GmbH, Verein der Freunde und Förderer des Westfälischen Museums für Archäologie e. V., Deutsche Benkert GmbH & Co. KG, Schwing GmbH, Kulturinitiative Herne e.V.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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