LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 09.02.06

Foto zur MitteilungDie Wirkmaschine läuft Sonntag wieder auf Zollern. Foto: LWL/Hudemann

Foto zur MitteilungWeblitzen-Maschine aus den 1950er Jahren. Foto: LWL

Foto zur MitteilungMusterkarte mit Weblitzen, die von Spalecks Maschinen in den 1950er Jahren gefertigt wurden. Foto: LWL

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Weblitzen für den "Aufbau West": Sonntag laufen auf Zollern wieder die Maschinen

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Bocholt/Dortmund (lwl). Inmitten des stählernen Gehäuses präsentiert sich ein kleinteiliges Durcheinander aus filigranen Rädern, Scheiben, Schrauben und Stangen, daneben eine große Rolle mit aufgewickeltem Draht - ein mechanisches Meisterwerk ist die Weblitzen-Maschine der Bocholter Maschinenfabrik Spaleck, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als eines von insgesamt 300 Objekten in der Sonderausstellung "Aufbau" präsentiert. Nach der Flucht der Unternehmerfamilie Spaleck aus der DDR gehörte die Weblitzen-Maschine aus den 1950er Jahren zu den ersten Produktionen in Westdeutschland. Auf ihr wurden Metallstifte mit Ösen hergestellt, die in Webstühlen zur Führung der Kettfäden dienen.

Die Ausstellung im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV stellt die Leistungen der Flüchtlinge und Vertriebenen in den Vordergrund, die zwischen 1945 und 1961 mit Arbeitskraft, Know-how und Unternehmergeist zum Wiederaufbau im Westen beitrugen. Die Bocholter Firma Max Spleck, die heute in alle Welt exportiert, ist in dieser Hinsicht ein Musterbeispiel.

Die Maschinenfabrik wurde 1869 von Otto Spaleck, einem Einwanderer aus Böhmen, im thüringischen Greiz gegründet. Er stellte zunächst in seiner Werkstatt nur Webeblätter her, schnell aber auch die dazu gehörigen Maschinen, die sich schon bald zum wichtigsten Produk entwickelten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Spaleck unter die Kontrolle der sowjetischen Besatzungsmacht, die 1946 wesentliche Teile der Maschinenfabrik demontieren ließ. Um der drohenden Enteignung des Betriebes durch die Regierung zu entgehen, verließ die Unternehmerfamilie 1949 die DDR. Dabei hat sie die Flucht genau vorbereitet, so dass sie Teile der Büro- und Wohnungsausstattung sowie wichtige technische Unterlagen in den Westen rettet konnte.

Spaleck kam gezielt ins westfälische Bocholt, wo er beim Neuanfang von einem langjährigen Kunden unterstützt wurde: die Riet- und Weblitzenfabrik Klaas de Vries stellte ihm Produktionsräume zur Verfügung und leistete dem umgesiedelten Unternehmen damit "Starthilfe" im Westen. So konnte Spaleck bereits 1950 die Produktion wieder aufnehmen - und das sogar mit vielen seiner langjährigen Mitarbeiter aus Greiz, die ihrem Chef nach Bocholt gefolgt waren.

Der Neubeginn der Firma Spaleck im Westen war nach Ende des Zweiten Weltkrieges kein Einzelfall: "Vor 1945 konzentrierte sich ein wesentlicher Teil des Maschinenbaus in Thüringen und Sachsen. Durch die Demontagen der sowjetischen Besatzungsmacht verlor der Maschinenbau hier aber einen Großteil seines Produktionsvolumens. Dies und die folgenden Enteignungen ließen Produktion und Know-how nach Westdeutschland abwandern", erklärt Dr. Arnold Lassotta aus dem LWL-Ausstellungsteam.

Zahlreiche Firmen und Fachkräfte bauten sich im Westen eine neue Existenz auf, so dass die Branche in erheblichem Maße vom "Osttransfer" profitierte und sich zu einer Schlüsselindustrie und führenden Exportbranche Deutschlands entwickelte. Mit rund 74,5 Milliarden DM Gesamtumsatz war der Maschinenbau zu Beginn der 1970er Jahre der umsatzstärkste Industriezweig Westdeutschlands und beschäftigte fast 1,2 Millionen Menschen.

Wer sich für historische Maschinen interessiert, für den lohnt am Sonntag, 12. Februar 2006, ein Besuch der Ausstellung "Aufbau West" auf der Zeche Zollern II/IV. Zwar ist die Weblitzenmaschine nicht mehr funktionstüchtig, von 11 bis 17 Uhr werden dafür aber ein historischer Drahtwebstuhl und eine Wirkmaschine im laufenden Betrieb vorgeführt.


"Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder"
bis 26.03.2006
Westfälisches Industriemuseum Zeche Zollern II/IV
Grubenweg 5, Dortmund-Bövinghausen
Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127 und Markus Fischer, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




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