LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 02.02.06

Foto zur MitteilungJugendliches Selbstbildnis, 1884. Foto: Schiller-Nationalmuseum/Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar

Foto zur MitteilungZwei Scheiben aus: Tristan und Isolde, Glasfenster aus dem Schlafzimmer des Künstlers, 1896.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungScheibe aus: Lumen de Lumine, Glasgemälde-Triptychon für das Westfälische Landesmuseum Münster, 1910.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungOrpheus, Vorstudie, 1896.Foto: LWL

Foto zur MitteilungEinband der Luxus-Ausgabe von Melchior Lechter.
Foto: Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz


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Presse-Infos | Der LWL

Gegenwelten eines Außenseiters im Westfälischen Landesmuseum

Bewertung:

Münster (lwl). Ab dem 4. Februar (bis 1. Mai) präsentiert das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster eine Ausstellung über den Künstler Melchior Lechter (1865-1937), der vor allem für seine Glasmalerei und Buchgestaltungen bekannt war. Als Erbe des Nachlasses widmet das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) dem münsterischen Künstler die bisher umfangreichste Retrospektive: Gemälde, kostbar gestaltete Bücher, Glasgemälde und Zeichnungen sowie Möbel zeigen die Facetten seines künstlerischen Schaffens. Zahlreiche der insgesamt 400 Objekte sind zum ersten Mal öffentlich zu sehen ("Melchior Lechters Gegen-Welten. Kunst um 1900 zwischen Münster, Indien und Berlin")

Als kleine Sensation werten die Wissenschaftler das unvermutete Auftauchen der Pastellstudie zum "Orpheus" von 1896, dem wohl bekanntesten Gemälde Lechters. Seit die Studie 1907 als Freundesgabe in den Besitz von Friedrich Wolters übergegangen war, blieb sie der Öffentlichkeit verborgen, bevor sie (durch Vermittlung durch das Schiller-Nationalmuseum/Deutsches Literaturarchiv Marbach) im November 2005 vom Freundeskreis des Westfälischen Landesmuseums für das Haus erworben werden konnte.

Melchior Lechter galt als exzentrischer Außenseiter. Die Jugend im katholischen Münster, beengte familiäre Verhältnisse und die zunächst handwerkliche Ausbildung zum Glasmaler haben den Künstler geprägt, bevor er mit 18 Jahren nach Berlin in die Hauptstadt des neubegründeten Kaiserreiches aufbrach, um sich an der Königlichen Akademie einzuschreiben.

In Berlin wurde Lechter mit den vielschichtigen kulturellen Strömungen im Aufbruch der Moderne konfrontiert und begegnete führenden Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens. Hier errang er seine größten Erfolge und blieb doch ein Außenseiter, der sich mit religiösem Eifer seiner Kunst widmete und sich in seiner Atelierwohnung als großer Unzeitgemäßer inszenierte. Museumschef Dr. Hermann Arnhold: "Mit Wagner, Nietzsche, Böcklin und George sind lediglich die Eckpunkte eines komplexen weltanschaulichen und künstlerischen Koordinatesystems bezeichnet, in das Lechter immer wieder auch Entferntes und Widersprüchliches scheinbar mühelos zu integrieren verstand."

Lechter partizipierte an zentralen Diskursen der Kunst um 1900 wie der Einheit von Kunst und Leben, der Kunstreligion, der Suche nach grenzüberschreitenden Erfahrungen und dem Gesamtkunstwerk und gewährt so Einblick in die "Werkstatt" der Moderne. Die Struktur der Ausstellung und die Beiträge des Kataloges rücken, anders als die vorausgegangenen Retrospektiven die kulturgeschichtliche Perspektive ins Zentrum. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der für Lechters Kunst und Kunstauffassung bestimmenden Auseinandersetzung mit Musik, Dichtung, Philosophie und östlichen Weisheitslehren.

Ziel der Ausstellung ist es auch, Lechters umfangreiches Werk - über seinen anerkannten Beitrag zur Buchkunst um 1900 hinaus - in allen Facetten zu beleuchten und im Katalog umfassend zu dokumentieren: Zeichnungen und Pastelle, Gemälde und Glasfenster, Möbel, Gebrauchsgrafik und Fotografien.

Bei der Vorbereitung der Ausstellung entdeckten die Wissenschaftler lange als verschollen geltende Kunstwerke Lechters. Ursprünglich aus dem Atelier erworben und über mehrere Generationen in Familienbesitz bewahrt, kann der Besucher jetzt erstmals Lechters repräsentative Kopie des Gemäldes "Toteninsel" von 1893 wieder öffentlich gezeigt werden.

Wieder aufgetaucht sind auch eine Reihe besonders signifikanter Objekte aus Lechters persönlichem Besitz, etwa seine Goldmedaille der Pariser Weltausstellung von 1900, der Abguss einer Büste der heiligen Katharina von Siena und Teile seiner Schallplattensammlung.

Von zentraler Bedeutung für Lechters Verständnis von Asien als Sitz höchster Weisheit und Weltherrschaft ist das altarartige Kultbild "Shambhalah" von 1925, das lange Zeit der Forschung in der Bundesrepublik als "leider zerstört" galt. Als Leihgabe aus dem thüringischen Meiningen - Schloss Elisabethenburg - kann es nun erstmals im Zusammenspiel mit anderen Traumvisionen Innerasiens aus der "Gedankenwerkstatt" des Künstlers verglichen werden.

Die Ausstellung stellt erstmals eine Auswahl seiner weit über 2000 im LWL-Museum bewahrten Kodakfotos von Lechters großer Rundreise durch Indien, Ceylon und Burma (1910 /1911) neben das von Indien-Kennern hochgeschätzte "Tagebuch".

Zur Ausstellung erscheint ein reichbebildeter Katalog mit Farbabbildungen aller Exponate sowie einem Verzeichnis des 828 umfassenden Lechter-Nachlasses im Westfälischen Landesmuseum. Er ist zum Preis von 29.- € an der Museumskasse erhältlich.


Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Landesmuseum
Domplatz 10
48143 Münster
www.landesmuseum-muenster.de

Eintrittspreise
Erwachsene: 3,50 Euro
Gruppen ab 16 Personen: 3,00 Euro
Kinder/Jugendliche von 6 bis einschl. 17 Jahren, Schüler: 2,00 Euro
Familientageskarte: 8,00 Euro
Schüler im museumspädagogischen -Programm: 1,60 Euro
Ermäßigte: 2,10 Euro



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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